19.04.2024

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06.02.10 / Die ostpreußische Familie / Leser helfen Lesern

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 05-10 vom 06. Februar 2010

Die ostpreußische Familie
Leser helfen Lesern
von Ruth Geede

Lewe Landslied,

liebe Familienfreunde,

es gibt Fragen, die nach der Veröffentlichung in unserer Kolumne wie ein Komet weiterziehen, einen langen Schweif hinterlassend. So muss ich noch einmal auf das Thema, das wir in Folge 51/2009 lediglich in wenigen Zeilen zu einem Foto – kaum mehr als eine verlängerte Bildunterschrift – brachten, zurückkommen. Es handelte sich um das 1939 aufgenommene Foto eines Mannes in Reichsarbeitsdienstuniform mit der Armbinde „Deutsche Wehrmacht“. Das hatte sich auf die Frage des Einsenders nach der für ihn rätselhaften Uniform aus mehreren Leserbriefen ergeben. Trotzdem zweifelten dies doch einige Landsleute an, und deshalb bin ich froh, eine sehr ausführliche Zuschrift zu diesem Thema bekommen zu haben, in der die Einsätze der Reichsarbeitsdienstmänner im Rahmen des Polenfeldzuges behandelt, aber auch die so genannten „Baubataillone“ erklärt werden. Unser Landsmann Herbert Skroblin aus Wächtersbach beschreibt dies anhand eines Beispiels aus seinem Heimatkreis Angerburg sehr präzise und authentisch.

Zuerst weist Herr Skroblin auf das Buch „Keine besonderen Vorkommnisse“ von G. G. Mollowitz hin, dem er folgenden Satz entnimmt: „In Polen 1939 waren die beiden Freunde, wenn auch getrennt als Arbeitsdienstmänner dabei mit der Armbinde Deutsche Wehrmacht.“ Er geht dann ausführlich auf den Reichsarbeitsdienst (RAD) in seinem Heimatkreis ein, in dem sich mehrere Lager befanden, deren Männer vor allem zu Straßenbauten und Entwässerungsarbeiten eingesetzt wurden. Mit drohender Kriegsgefahr wurden sie auch zu militärischen Projekten herangezogen, wie zum Bau des Feldflughafens Jürgenfelde. Dass vor der Mobilmachung vom RAD die Aufstellung von Baubataillonen und deren Unterbringung vorbereitet wurde, kann einer Vereinbarung entnommen werden, die zwischen RAD und einem Gastwirt aus dem Kirchdorf Wilhelmsberg am 13. Juli 1939 geschlossen wurde. Es wurde darin festgelegt, welche Personen während der Zeit des Einsatzes der RAD-Abteilung 7/76 im Gasthaus untergebracht werden sollten – vom 1. Zugführer bis zur Schreibkraft –, darüber hinaus wurde der Saal zur Einrichtung einer Schreibstube angemietet. Auch die Verpflegungskosten wurden festgesetzt. Heute klingen diese kaum glaubhaft: Morgenkaffee und Frühstück pro Person 0,70 Reichsmark (RM), Mittagessen 1,– RM, Abendessen 0,80 RM. Aber zweifellos hätte der Wilhelmsberger Gastwirt den schwer schanzenden Männern dafür eine kräftige Kost vorgesetzt, wenn es dazu gekommen wäre. Warum – das erklärt Herr Skroblin so:

„Als es zur Mobilmachung kam und die Reservisten eingezogen wurden, mussten sich andere nicht wehrfähige Männer an bestimmten Orten einfinden. Im Kreis Angerburg wurden die Männer zuerst im Pfarrhof Gahlen, später auf dem Gut Dalheimer in Gleisgarben untergebracht. Sie erhielten keine Uniformen, bekamen aber Spaten und Gewehre zum Eigenschutz. Die Männer, meist Bauern aus der Umgebung, lagen dort untätig herum, sie waren bedrückt, dass das Getreide auf dem Halm stand und sie nicht auf ihre Höfe durften. Schließlich wurde es ihnen erlaubt, den Bäuerinnen der umliegenden Höfe bei der Ernte zu helfen. Gegen Ende des Polen-Feldzuges wurden sie entlassen wie die RAD-Männer, die in Polen eingesetzt waren. Sie waren für die Sicherheit und Instandhaltung der Verkehrswege in Polen benötigt worden. Deswegen wurden sie auch mittels der Armbinde den Soldaten gleichgestellt. Nach ihrer Rückkehr – nicht im Urlaub – wurden die Fotos der RAD-Männer mit der weißen Armbinde aufgenommen. Die im Land verbliebenen Baubataillone waren wahrscheinlich für den Fall aufgestellt worden, dass Verbindungen auf ostpreußischem Boden zerstört wurden. Sie wurden nun nicht mehr gebraucht. Das mag auch der Grund dafür gewesen sein, dass der Stützpunkt in Wilhelmsberg, für den eine tägliche Kündigung festgelegt worden war, nicht benötigt wurde.“

Soweit die sehr ausführlichen Ausführungen zu diesem Thema, für die ich Herrn Herbert Skroblin (Mittelweg 2/4 in 63607 Wächtersbach, Telefon 06053 / 601443) herzlich danke. Sie werden vor allem von den Lesern aufmerksam gelesen werden, die sich auch dazu geäußert hatten. Es sind nicht nur die Älteren, die sich an ihre RAD-Zeit erinnern, sondern auch deren Kinder und Enkel, die mehr über die frühen Lebensjahre ihrer Väter und Großväter wissen wollen, weil sie bisher so wenig darüber in Erfahrung bringen konnten.

Da gibt es dann manchmal Unvorhergesehenes. Und vielleicht können wir mit dem Bild, das wir heute bringen, einem unserer älteren Leser eine Überraschung bereiten, aber es ist überhaupt auch als solche zu bewerten. Denn es handelt sich bei dem RAD-Gedenkstein nicht etwa um eine alte Aufnahme, sondern um eine taufrische aus den letzten Oktobertagen. Und das im Königsberger Gebiet, wo die Straßenschilder heute russische Namen aufweisen. „Kalinino“ nennen die Russen den Ort Birkenmühle, der früher Mehlkehmen hieß, als diese Straße gebaut wurde. – Von der RAD Abt 6/12 in den Jahren 1934 bis 1936. Das besagt der Stein. Der wie frisch geputzt aussieht, und das ist er auch. Aber von wem? Doch das ist nicht die Frage, die Herrn Bernd Dauskardt bewegte, als er den Stein entdeckte und ihn für unsere Leser fotografierte. Er wollte einmal erneut beweisen, welche Relikte aus der Zeit vor Flucht und Vertreibung in diesem weiten Land noch immer zu entdecken sind, damit hat er uns schon oft überrascht, und das ist ihm auch diesmal gelungen. Sicher werden alte Mehlkehmer oder Landsleute aus dem Kreis Ebenrode/Stallupönen über den RAD-Stein etwas zu sagen haben. Für Bernd Dauskardt, der das Land seiner Vorfahren so liebt, dass er immer wieder hinfahren muss, ist er wie ein Meilenstein in seiner Reisebiographie. Als er ihn auf einer Fahrt ohne festes Ziel, nur von einem russischen Fahrer begleitet, durch diese einsame Landschaft am Rand der Rominter Heide entdeckte, „da war auf einmal wie aus dem Nichts heraus ein kleiner Hund da und baute vor mir Männchen. Ich war zutiefst berührt, wissend, dass mir so etwa nie wieder begegnen wird. Wollte das Tierchen mich in Ostpreußen begrüßen, als jemanden, dessen Vorfahren hier gelebt haben? Das sind die Überraschungen auf solch einer stillen Reise. Nichts Weltbewegendes. Es sind die kleinen Dinge in diesem stillen Lande fernab jedes Touristentrubels …“ Und für die dankt Ihnen unsere Ostpreußische Familie, lieber Herr Dauskardt (Eichenweg 8 in 21279 Hollenstedt, Telefon 04165 / 80343).

Nun zu einer aktuellen Frage, die wahrscheinlich nur durch unsern Leserkreis zu erfüllen ist. Es handelt sich um ein Buch, das 1928 in Königsberg erschien. Ein Fachbuch: „Kurze Winke für den technischen Praktiker im Lokomotivdienst“. Geschrieben hat es der damalige Vorsteher des Bahnbetriebswerks Königsberg, Karl Hellmig, der auch Abnahmelokführer im Reichsbahnausbesserungswerk Königsberg war. Verleger und Herausgeber war die Bezirksleitung der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GdL) in Königsberg. Das Buch ist vorhanden und soll wieder verlegt werden. Der betreffende Verlag sucht deshalb die Nachfahren beziehungsweise Erben des Verfassers Karl Hellmig aus Königsberg. Wer kann diesbezügliche Hinweise geben? Da der Autor durch seine Stellung bei den damaligen Eisenbahnern sehr bekannt war, könnten auch ehemalige Kollegen mit ihm und seiner Familie nach dem Krieg in Verbindung gestanden haben, so dass sich der mögliche Informantenkreis nicht nur auf die Familie Hellmig und ihre Umgebung beschränkt. Da die Neuauflage bereits im Frühjahr erfolgen soll, ist dem Verlag an einer schnellen Beantwortung der Frage gelegen. (Paul Pietsch Verlage GmbH & Co., Leitung Rechte und Lizenzen Frau Patricia Hofmann, Olgastraße 86 in 70180 Stuttgart, Telefon 0711 / 2108013, Fax 0711 / 23904, E-Mail: p.hofmann@mo­tor­buch.de)

Es sind nur wenige Angaben, die mir Frau Dr. Edeltraut Fritz über ihren vermissten Vater mitteilte, aber ich glaube, es wird weniger daran liegen, dass zu diesem Suchwunsch kaum Zuschriften kommen, sondern dass es nur wenige Menschen geben wird, die dem Vermissten im Nachkriegs-Königsberg oder später begegnet sind. Wir wollen es aber dennoch versuchen. Es handelt sich um den Oberzollsekretär Eduard Fritz, * 27. Mai 1886, der Anfang 1945 beim Volkssturm in Königsberg eingesetzt wurde. Er muss die Kampfhandlungen überlebt haben und in Königsberg geblieben sein, wie auch seine Tochter Edeltraut, die im Krankenhaus der Barmherzigkeit tätig war. Sie erfuhr am 12. August 1946 von einer Putzfrau, dass ihr Vater als „Anstreicher“ in der Cranzer Allee arbeite. Er ließ seine Tochter grüßen und ihr mitteilen, dass er auf seine Entlassung warte. „Fand diese statt und wann und wohin?“, fragt nun die Tochter, die vermutet, dass Eduard Fritz in die von den Sowjets besetzte Zone entlassen wurde. Bis heute konnten Frau Dr. Fritz und ihre Schwester nichts über den Verbleib ihres Vaters erfahren. Da Eduard Fritz damals schon 60 Jahre alt war, dürfte er auch nach der Entlassung hauptsächlich mit Menschen in Kontakt gekommen sein, die heute ebenfalls nicht mehr leben. Die Hoffnung aber bleibt. (Frau Dr. Edeltraut Fritz, Küstriner Weg 6 in 21465 Reinbek.)

Wieder einmal fordert Frau Sigrid Matthee-Kohl aus Rohrbach unsere Familie heraus, denn sie hat auf ihrer Ahnensuche im Kirchenbuch von Judtschen gestöbert und da allerhand herausgefunden – auch Unerklärliches. Für sie wie für mich, denn manche Angaben betreffen auch meine eigene Familiengeschichte, die ich wahrscheinlich umschreiben oder zumindest korrigieren muss. Aber hier nun zu der Frage, die ich auf Wunsch von Frau Matthee-Kohl an unsern Leserkreis weiterreichen soll. Sie schreibt:

„Bei der ersten Frau meines 1867 in Plimballen geborenen Großvaters August Friedrich Matthee aus Groß Wersmeningken komme ich nicht weiter. Sie hieß Wilhelmine (Mina) Urbszat, heiratete Anfang oder vor 1897 und verstarb bereits 1904. Aus welchem Ort bzw. Kirchspiel könnte sie stammen? Jetzt hoffe ich auf unsere Ostpreußische Familie. Sie hat schon so vielen geholfen.“

Es kann ja sein, dass in den Stammbäumen anderer Familien, vor allem aus dem Kreis Schloßberg/Pillkallen, dieser Name auftaucht. (Sigrid Matthee-Kohl, Hauptstraße 15 in 76865 Rohrbach, Telefon 06349 / 7450.)

Vielleicht haben wir ja Erfolg wie Frau Annelies Trucewitz mit ihren bisherigen Suchmeldungen, die – wie sie schreibt – zum wesentlichen Gelingen der verschiedenen Chroniken über Orte und Güter aus dem Kreis Goldap beigetragen haben. Nun hofft sie sehr, dass unsere Leserinnen und Leser ihr wieder helfen können. Frau Trucewitz benötigt für eine Chronik über die Dörfer des Kirchspiels Neue Kirche Goldap Fotos aus der Zeit vor 1944 von folgenden Orten: Amberg, Morathen/Bergesruh, Skötschen/Grön­fleet und Sutzken/Hitlershöhe sowie von den Gütern Abrahamsruh, Schöneberg und Eckberg. Aus der Stadt Goldap werden Aufnahmen von der Arnswalder und Johannisberger Siedlung gesucht. Wer hat noch Bilder von den genannten Dörfern aus der Heimat gerettet und stellt sie Frau Trucewitz zur Verfügung? Die Rückgabe der Fotos ist selbstverständlich. (Annelies Trucewitz, Hohenfelde 37 in 21720 Mittelnkirchen, Telefon 04142 / 3552.)

Da wir gerade bei ostpreußischen Orten sind: Mir liegt eine Anfrage von Frau Inge Prydzuhn aus Bremervörde-Hesedorf vor, die auf der Suche nach einem Ort in Ostpreußen ist, den sie nicht finden kann. Deshalb sind wir ihre letzte Hoffnung, wobei ich die nun auf meine Familie übertrage, denn ich habe ihn bisher auch nicht finden können, selbst nicht in meinem so verlässlichen Ortsverzeichnis von Dietrich Lange. Dabei handelt es sich nicht um einen außergewöhnlich schwierigen Namen, sondern schlichtweg um „Groß Thierenbach“. Dort ist laut Sterbeurkunde ihr Onkel Hans-Joachim Schulz am 15. Januar 1913 geboren. Da er 1941 in Kruglanken geheiratet hat, vermutet Frau Prydzuhn den Geburtsort im Kreis Angerburg. Nun gibt es aber ein Groß Thierbach im Kreis Preußisch Holland, ein Kirchdorf, zu dem auch ein Gut gehörte. Es ist anzunehmen, dass es sich um den gesuchten Ort handelt, und das werde ich auch unserer Leserin mitteilen. Trotzdem lasse ich mich eines Besseren belehren, denn es ist durchaus möglich, dass es vor dem Ersten Weltkrieg auch ein „Groß Thierenbach“ in Ostpreußen gab.

Eure Ruth Geede

Foto: Im nördlichen Ostpreußen entdeckt: RAD-Gedenkstein an der Straße nach Birkenmühle/Mehlkehmen          Bild: Dauskardt


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