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06.02.10 / Unser »Ännchen« / Vom Gelegenheitsgedicht zum Phänomen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 05-10 vom 06. Februar 2010

Unser »Ännchen«
Vom Gelegenheitsgedicht zum Phänomen

Das Lied für die Frau und an die Frau, das jeder gern hört, das fast jeder mitsingen kann, ist wie selbstverständlich von einem Mann gewünscht, von einem Mann gedichtet, von einem Mann vertont, von einem Mann wiederentdeckt und auch noch von einem Mann gesungen worden.

So geht es nun schon seit mehr als 370 Jahren und ein Ende ist nicht abzusehen, denn die Melodie ist zu einem sehr hell leuchtenden Stern am Melodienhimmel aufgestiegen. Heute singen auch die Fischer-Chöre, der Sänger Heino und das Rosenau- Trio das Lied. Damit wird das Lied zu einem Phänomen, denn es war eigentlich nur ein Gelegenheitsgedicht, das im Jahre 1636 zur Hochzeit der Jungfrau Anke Neander mit dem Bräutigam Johannes Portatius als Hochzeitsreigen im Junkerhof zu Königsberg in Preußen aufgeführt wurde.

Lisa Will, die schon seit frühester Kindheit mit der Musik eng verbunden ist, immer gern diese Melodie auf ihrem von der Großmutter geerbten von A. Schulz, Hamburg, 1860 gebauten Klavier spielt heute im Hunsrück lebt, ist den vielen Fragen, die sich zu diesem Lied stellen, intensiv nachgegangen.

Herausgekommen ist dabei ein Buch, in dem über das Lied, das Ännchen und ihre Zeit, ihren Geburtsort, den Dichter Simon Dach, den Retter des Liedes Johann Gottfried Herder, den Komponisten und den Zusammenhängen von über 370 Jahren informativ und spannend berichtet wird. Einbezogen ist auch das Brunnen-Denkmal im ostpreußischen Memel mit dem schönen Mädchen Ännchen als krönende Figur obendrauf, das ja vor rund zehn Jahren auf Initiative des Vereins „Ännchen von Tharau e.V.“ aus Mainz in Memel (Kleipeda) neu errichtet wurde. Pikant ist, dass dieses Denkmal nicht dem Ännchen von Tharau zugedacht war, sondern dass damit in der Stadt des bekanntesten Sohns, des Dichters Simon Dach, gedacht wurde.

Während der Recherchen zu ihrem Buch, fand die Herausgeberin zu ihrer großen Überraschung auch noch eine Doppelgängerin der bronzenen Ännchenfigur, die das Bild zeigt. Nur wenigen Eingeweihten ist bekannt, dass dieser Ännchen-Brunnen in Bayern, genauer gesagt im Frankenland, steht.        HJW

Das Buch ist auch mit 24 Abbildungen illustriert und enthält eine ausklappbare Landkarte, die alle Orte der Geschehen zeigt. 8 Euro, ISBN 10 3-00-019272-7

Foto: Eine Darstellung des Ännchens von Tharau    Bild: H.J.Will


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