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06.02.10 / »Hier zu leben ist ein Geschenk« / Ein Ostpreuße erinnert sich an die Schönheit Masurens

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 05-10 vom 06. Februar 2010

»Hier zu leben ist ein Geschenk«
Ein Ostpreuße erinnert sich an die Schönheit Masurens

Jene Ostpreußen, die vor dem Zweiten Weltkrieg in Masuren lebten und später fliehen mussten, berichten in erster Linie von den Gräueln der Flucht, welche Angst, Entbehrungen, klirrende Kälte sowie den Verlust von lieben Freunden und Familienangehörigen diese mit sich brachte. Eine andere Erinnerung, bei der jene Zeitzeugen ins Erzählen geraten, ist die Beschreibung der Schönheit der Natur Masurens. Begriffe wie „kristallene Seen“, „verwunschene Wälder“ und „wunderschön verschneite Winterwälder“ sind keine Seltenheit. Diese Beschreibungen werden häufig von Gefühlen wie Wehmut, einer gewissen melancholischen Romantik begleitet. So widmet auch der Naturfilmer und Expeditionsleiter Werner Jondral den Naturwundern Masurens viele Seiten seines autobiographischen Romans „Das alte Haus am Omulef – Verwehte Spuren – Ostpreußen“.

„,Hier zu leben ist ein Geschenk Gottes‘, sagte mein Vater, als ich als heranwachsender Junge mit ihm in der Stille der ländlichen Flur durch saftige Wiesen und feuchte Auen, durch schimmernden morgendlichen Tau mit unzähligen Spinnweben und geheimnisvolle, dunkle Wälder wanderte. Wenn ein sanfter Lufthauch den Geruch des reifenden Roggens von den wogenden Feldern wehte, wenn die Schafgarbe, die Melisse, das Knabenkraut, die Kamille und der Klatschmohn am Wiesenrain üppig wuchsen, dann war Sommer in Masuren.“ Werner Jondral erzählt nicht nur aus seiner eigenen Kindheit und Jugend, sondern berichtet auch über das Leben seines Vaters und Urgroßvaters, von der Armut seiner Vorväter, da der karge Boden seiner Heimat nicht genug Nahrung für große Familien abwarf. Werner Jondrals Vater musste aus diesem Grunde bereits als junger Bursche ins Ruhrgebiet gehen, um dort in den finsteren Zechen des Kohlebaus zu schuften. Mit 42 Jahren kehrte er nach 28 Jahren schwerster Arbeit unter einer Staublunge leidend und nach einer Grubenexplosion als Invalide zurück in seine Heimat.

Jondral beschreibt, wie sein Vater in Masuren wieder zu neuen Kräften fand, heiratete und endlich eine Familie gründete.

Neben den Erinnerungen an das Grauen der Flucht erwartet den Leser in „Das alte Haus am Omulef“ jedoch auch noch eine herzergreifende Liebesgeschichte zwischen einem Offizier der deutschen Luftwaffe und einer Polin. Jondral ist dabei nicht immer objektiv, aber seine Ausführungen stecken voll Herzblut. Es sind Erinnerungen an eine Zeit, deren Spuren noch nicht verweht sind, so lange es Zeitzeugen gibt, die diese Erinnerungen weitergeben.         A. Ney

Werner Jondral: „Das alte Haus am Omulef – Verwehte Spuren – Ostpreußen“, Schardt Verlag, Oldenburg 2009, geb., 256 Seiten, 16,80 Euro


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