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20.03.10 / Solidarisch mit Machtlosen / Zwei neue Bücher von Siegfried Lenz zeigen seine Erzählkunst

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 11-10 vom 20. März 2010

Solidarisch mit Machtlosen
Zwei neue Bücher von Siegfried Lenz zeigen seine Erzählkunst

Die Bücher von Siegfried Lenz wurden in 22 Sprachen übersetzt. Die Werkausgabe, bei Hoffmann und Campe in Hamburg erschienen, umfasst 20 Einzelbände. Lenz blieb „seinem“ Verlag übrigens über die Jahrzehnte hindurch treu. Bereits 1951 erschien dort sein erster Roman „Es waren Habichte in der Luft“. Es folgten erfolgreiche Titel wie „So zärtlich war Suleyken“, „Der Mann im Strom“, „Das Feuerschiff“, „Deutschstunde“, „Heimatmuseum“, „Der Verlust“, „Die Klangprobe“ und „Arnes Nachlaß“, „Schweigeminute“. Im Verlauf von 60 Jahren entstanden Romane, Erzählungen, Essays, Hörspiele und Bühnenstücke. Einige Romane wurden verfilmt, zuletzt „Das Feuerschiff“ und „Der Mann im Strom“ mit dem Hamburger Jan Fedder in der Hauptrolle.

Gerade rechtzeitig zum 84. Geburtstag des Ostpreußen aus Lyck am 17. März ist in seinem Hausverlag der Band „Wasserwelten“ erschienen, eine Sammlung mit Geschichten von Meer und Küste, von Fluss und Hafen, Wracks und Tauchern. Der Rundfunkredakteur Hanjo Kesting, der den Schriftsteller bereits seit Jahrzehnten kennt und journalistisch begleitet hat diese Geschichten zusammengetragen. Er schreibt im Vorwort über Lenz: „Seine Bücher sind ohne das Wasser nicht denkbar. Und wie alle Wasserläufe der Welt zuletzt ins Meer einmünden, so führt auch der Strom von Siegfried Lenz’ Erzählen am Ende unfehlbar zum Wasser, als folge es einem verborgenen Gesetz.“ Zu lesen sind Wassergeschichten aus den bekannten Romanen, aber auch Auszüge aus Erzählbänden und bisher unbekannte Texte.

„Ich brauche Geschichten, um die Welt zu verstehen“, hat Lenz einmal zu Kesting gesagt. Eine neue Geschichte erzählt er in seiner ebenfalls bei Hoffmann und Campe erschienenen Novelle „Landesbühne“. Eine Geschichte über das trickreiche Überwinden von Grenzen, aber auch eine Geschichte über Freundschaft. Schauplatz ist das Gefängnis Isenbüttel und das Städtchen Grünau, dort bewirken die Häftlinge, die mit einem Bus der Landesbühne getürmt sind, Wundersames …

„Geschichten, um die Welt zu verstehen“ findet der Schriftsteller an jeder Straßenecke. „Wähl dir einen Platz und sieh“, schrieb er schon 1955 in „Der Hafen ist voller Geheimnisse“. „Sieh auf die Geschichten da unten, auf sonderbare, seewindumzauste Geschichten, die sich gestern begaben, die sich da heute begeben und die sich immer wieder begeben werden … Sieh und horch auf die Geschichten.“ Siegfried Lenz hat über die Jahrzehnte genau hingehört und er hat es immer wieder verstanden, die Geschichten meisterhaft zu Papier zu bringen. Nicht immer hat es dem Leser gefallen. Denn leicht macht er es seinem Publikum nie. Der Leser muss mitdenken; er wolle kein fertiges Urteil liefern, so Lenz, sondern möglichst neutral eine Problematik darstellen, dass er dabei so manche, sich spannend entwickelnde Geschichte nicht zu Ende erzählt, wird der eine oder andere als bedauerlich empfinden.

Vom Schriftsteller erwarte er, so Lenz, „dass er, da er keine äußere Verpflichtung anerkennt, zumindest sich selbst ein Versprechen gibt; ein Versprechen, das er in seiner Einsamkeit ständig erneuert: Es läuft auf die stillschweigende Verpflichtung hinaus, die Sprache zu verteidigen und mit den Machtlosen solidarisch zu sein, mit den vielen, die Geschichte nur erdulden müssen und denen Hoffnungen verweigert werden.“ os

Siegfried Lenz: „Wasserwelten“, herausgegeben von Hanjo Kesting, Hoffmann und Campe, Hamburg 2010, gebunden, 352 Seiten, 22 Euro

Siegfried Lenz: „Landesbühne“, Hoffmann und Campe, Hamburg 2009, gebunden, 120 Seiten, 17 Euro


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