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20.03.10 / Ein Vorgänger Lafontaines

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 11-10 vom 20. März 2010

Ein Vorgänger Lafontaines

Werner Zeyer kam als Sohn eines Eisenbahnoberrottenmeisters am 25. Mai 1929 in Oberthal, Kreis St. Wendel zur Welt. Nach einem Jurastudium an der Universität Saarbrücken amtierte er als Richter, sammelte als Regierungsrat in der Staatskanzlei aber auch Erfahrungen in der Exekutive.

Früh engagierte sich der Katholik in der Union. Er gründete mit Gleichgesinnten die Junge Union Saar und wurde deren Landesvorsitzender. Ab 1972 saß er für seinen Heimatwahlkreis St. Wendel im Bundestag, ab 1976 auch im Straßburger Europa-Parlament. Als 1977 der beliebte Christdemokrat Werner Scherer aus Gesundheitsgründen nicht nur als Kultusminister des Saarlandes, sondern auch als CDU-Landesvorsitzender zurückzrat, kam der CDU-Landesvorstand überein, dass sein Nachfolger als Parteivorsitzender auch der nächste Ministerpräsidentenkandidat werden sollte. Die Wahl der Partei fiel auf Zeyer.

Als der 1909 geborene und seit 1959 amtierende saarländische Regierungschef Franz-Josef Röder 1979 seinen Rücktritt ankündigte und kurz darauf verstarb, übernahm Zeyer die Führung der christliberalen Landesregierung. Sein Pragmatismus, seine Zuverlässigkeit und seine Orientierung an konservativen Grundwerten sowie Sachkenntnis konnten den Mangel an Ausstrahlungskraft jedoch nicht wettmachen, was gerade im Duell mit dem begnadeten Populisten Oskar Lafontaine schwer ins Gewicht fiel. Hinzu kam die schwierige wirtschaftliche Lage seines Bundeslandes vor dem Hintergrund der Stahlkrise mit einer sehr überdurchschnittlich hohen zweistelligen Arbeitslosenrate.

Zeyers CDU fiel von 49,1 Prozent bei den Landtagswahlen von 1975 über 44 Prozent bei den Landtagswahlen 1980 auf 42,8 beziehungsweise 41,8 Prozent bei den Europa- und Kommunalwahlen 1984. Eine darauf folgende spektakuläre Regierungsumbildung, bei der außer Zeyer kaum einer auf seinem Posten blieb und Scherer als Innenminister reaktiviert wurde, sollte die Wende bringen – aber brachte sie nicht.

Hatte es 1980 wenigstens noch zu einer bürgerlichen Mehrheit gereicht, so war dieses bei der Landtagswahl 1985 nicht mehr der Fall. Die CDU fiel auf 37,3 Prozent. Die Liberalen hatte sich zwar auf zehn Prozent berappeln können, aber Lafontaines SPD gewann mit 49,2 Prozent der Stimmen die Mehrheit der Mandate.

Zeyer übernahm die politische Verantwortung für die Wahlschlappe und den Verlust der Regierungsverantwortung, verzichtete auf Landtagsmandat wie Parteivorsitz und zog sich aus der aktiven Politik zurück. Nachdem er mit seinem ältesten Sohn in St. Wendel ein Rechtsanwaltsbüro betrieben hatte, erlag er vor zehn Jahren, am 26. März 2000, einem Krebsleiden. M.R.


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