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20.03.10 / Krusenstern trifft Olympia / Das russische Segelschulschiff stattete Vancouver während der Winterspiele einen Besuch ab

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 11-10 vom 20. März 2010

Krusenstern trifft Olympia
Das russische Segelschulschiff stattete Vancouver während der Winterspiele einen Besuch ab

Auf der zweiten Etappe seiner Transatlantik-Expedition nahm das Segelschulschiff „Krusenstern“ an der Olympiade in Vancouver teil. Während der ersten Etappe, die vom 19. April bis zum 4. September 2009 dauerte, legte das Schiff über 13000 Seemeilen zurück und machte in zwölf Häfen in Europa, den USA und Kanada fest.

Auf seinem Weg Richtung Kanada besuchte der Segler Spanien, Belgien, Panama, Venezuela und weitere Länder. Neben der Mannschaft befanden sich auch 120 Offiziersschüler an Bord. Während der sechsmonatigen Reise, genau so lange dauert die zweite Etappe, erfahren sie neben theoretischen Kenntnissen auch in praktischen Übungen, was den Seemannsberuf ausmacht.

Die Überfahrt von Königsberg nach Vancouver verlief planmäßig. Das Segelschiff passierte die Kanarischen Inseln und nahm über den Atlantik Kurs auf Kanada, zum Teil fuhr es dabei unter Segeln, teils wurde es mit Maschinen betrieben. Weiter ging es durch den Panamakanal auf den Stillen Ozean Richtung Vancouver.

Eigentlich sollte die „Krusenstern“ schon im September vergangenen Jahres zur zweiten Etappe ihrer Transatlantik-Expedition aufbrechen. Doch dringende Reparaturarbeiten an den Segeln, die während der ersten Etappe der Atlantiküberquerung beschädigt worden waren, hielten das Schiff auf.

Zur Eröffnung der Olympischen Spiele in Vancouver traf das Schiff dennoch pünktlich ein. Nach den Plänen der Organisatoren sollte die „Krusenstern“ mit Veranstaltungen an Bord im Rahmen des Olympiaprogramms des „Russischen Hauses“ eine der Attraktionen während der Olympiade sein. Am ersten Tag der Spiele war das Schiff von 10 bis 16 Uhr für Besucher geöffnet.

Vor der Gangway bildete sich eine lange Schlange, in der auch russische Sprachfetzen zu hören waren. Die russischen Gäste sowie Russen, die nach Kanada ausgewandert sind, zeigten genauso viel Interesse an der „Krusenstern“ wie die anderen Besucher. Die Offiziersschüler erzählten den Gästen von ihrer Transatlantik-Expedition, von ihren Übungen und von der interessanten Geschichte des Segelschiffs. Diese begann vor über 80 Jahren am 24. Juni 1926 auf der Werft „Johann Tecklenburg“ in Geestemünde. An diesem Tag wurde die Viermastbark „Padua“ zu Wasser gelassen. Das Schiff war für die deutschen Marineschulen gebaut worden. Ende Mai 1945 wurde das Schiff nach Hamburg überführt. Nach Kriegsende ging das Schiff am 12. Januar 1946, beladen mit Inventar und Proviant, in den Besitz der Sowjetunion über. Von 1968 bis 1971 wurde das Schiff vollständig neu ausgerüstet und dient seitdem als Segelschulschiff.

Zwei Tage nach Beginn der Olympischen Spiele, am 14. Februar, flogen die jüngsten Praktikanten, die Schiffsjungen der Marine-Jugend-Liga, wieder nach Hause. Die feierliche Verabschiedung der Schiffsjungen erfolgte im „Russischen Haus“. Sie waren bevorzugt eingelassen worden, denn sonst hätten sie mindestens anderthalb Stunden warten müssen, denn eine große Menge drängte in dieses ungewöhnliche Bauwerk hinein. Viele Kanadier ließen sich davor zur Erinnerung mit Offiziersschülern fotografieren.

Am letzten Tag der Olympischen Winterspiele hatten die Kadetten der Baltischen Akademie der Fischfangflotte Gelegenheit, an einer exklusiven Feier der Spiele teilzunehmen: Unmittelbar nach dem offiziellen Schluss der Spiele überreichten die russischen Olympioniken ihnen auf der Bühne des „Russischen Hauses“ die offizielle Flagge der Winterspiele. Diese trat dann ihre ungewöhnliche Reise nach Sotschi, dem Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2014, zunächst an Bord der „Krusenstern“ an. Das Schiff verfolgte dann seine weitere Route der Transatlantik-Expedition und brachte dabei die ungewöhnliche Fracht erst in die mexikanische Stadt Acapulco, von wo sie auf dem Landweg nach Mexiko-Stadt gebracht wurde. Von dort wird die Flagge per Flugzeug nach Sotschi überführt. Es ist nicht auszuschließen, dass die „Krusenstern“ nach dieser beeindruckenden Teilnahme an den Olympischen Winterspielen auch 2014 in Sotschi zum Einsatz kommen wird. Jurij Tschernyschew


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