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20.03.10 / Südliche Sonne oder Minustemperaturen? / Mehr als eine halbe Million Deutsche verbringen die Wintersaison im mediterranen Klima

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 11-10 vom 20. März 2010

Südliche Sonne oder Minustemperaturen?
Mehr als eine halbe Million Deutsche verbringen die Wintersaison im mediterranen Klima

Eine Kreuzfahrt, die günstiger ist als ein Seniorenheim? Ist das überhaupt möglich? Im Internet wurde kürzlich eine Geschichte von einer Dame veröffentlicht, die eben dies behauptet. Nach ihrer Rechnung müsste sie im Schnitt für ein Seniorenheim zirka 80 Euro pro Tag zahlen, während eine Langzeitbuchung auf dem Kreuzfahrtschiff mit entsprechenden Frühbucher- und Rentnerrabatten bei 56 Euro pro Tag läge. Im Schnitt veranschlagt sie 2400 Euro monatlich für einen Aufenthalt im besseren Seniorenheim bei Pflegestufe 0 oder 1. Das entspricht durchaus der Realität. Eine 30-tägige Kreuzfahrt für diesen Preis hat die PAZ allerdings nicht finden können, auch mit Frühbucher-, Rentner- und Geburtstagsrabatt lagen die Preise bei mindestens knapp 3000 Euro in einer Einzelkabine. Auch zu der vorteilhaftesten Rechnung kommen noch Wohnungskosten beziehungsweise Heimplatzgebühren in Deutschland hinzu. Denn keine Kreuzfahrt dauert ewig. Daher erscheint es utopisch, auf einem Schiff billiger seinen Lebensabend zu verbringen als in einem Seniorenheim, auch wenn es allemal aufregender und bequemer an Bord zugeht.

Welche Alternativen gibt es jedoch, günstig im warmen Süden zu überwintern? Ist es realistisch, dass man dank so genannter Rentnerangebote seinen Lebensabend als Langzeiturlauber verbringt und das nicht nur unter der Sonne, sondern viel günstiger als im kalten Deutschland?

Tatsächlich gibt es Regionen, in denen das Überwintern unter Palmen noch nicht einmal die Hälfte des deutschen Durchschnittsverbrauchs im Monat kostet und deren Lebensstandard durchaus mit dem deutschen vergleichbar ist, so das bei vielen verpönte Thailand.

Das Phänomen des Langzeiturlaubers ist keine Erscheinung jüngster Zeit, bereits Anfang der 70er Jahre mokierte sich der „Spiegel“ über rüstige Rentner auf Mallorca. Doch bisher konnten sich nur finanziell besser gestellte Senioren den Luxus eines Zweitwohnsitzes im sonnigen Süden erlauben. Mit der Wirtschaftkrise senkten allerdings auch viele Reiseanbieter ihre Preise, und so findet man bereits günstige Offerten für den Langzeiturlaub in einem Apartmenthotel, welches einen durchaus hotelähnlichen Service anbietet.

Betreutes Wohnen wirbt mit altersgerechter Wohnumgebung und den Möglichkeiten, sich bei Schwierigkeiten, so etwa wenn man einen Arzt benötigt oder eine Einkaufshilfe, an die Betreuer zu wenden. Solch einen Rundumservice bietet mittlerweile auch jedes Hotel. Für Verpflegung steht zwar normalerweise ein Restaurant zu Verfügung, aber selbstverständlich wäre diese auch auf dem Zimmer gegen Aufpreis möglich. Um jegliche Probleme kümmert sich der Concièrge, Arztbesuche, aber auch Eintrittskarten oder Tagesausflüge bucht er gerne für seine Gäste.

Im Betreuten Wohnen muss man inklusive Verpflegungspauschale mit einem monatlichen Preis von zirka 1200 Euro rechnen. Einen gleichwertigen Alles-inklusiv-Urlaub gibt es zum Beispiel in einem Vier-Sterne-Hotel mit Flug in die Türkei für vier Wochen außerhalb der Saison ab 700 Euro pro Person.

Gerade nach dem langen Winter wünscht man sich endlich ein bisschen Wärme, doch die gibt es bei uns nicht vor Mai. Und so machen inzwischen mehr als eine halbe Million Deutsche jeden Winter im milden, mediterranen Klima Urlaub. Wer gesundheitliche Probleme hat, kann auch einen Arzt dazu buchen. Anbieter wie Tour Vital bieten solche ärztlich begleiteten Reisen weltweit und werben im „schönsten Denglisch“ für „Medical Wellness Aufenthalte“. Auch Clubhotels haben ihr Angebot an die Klientel angepasst, morgendliche Gesundheits-Checks, spezielle Senioren-Gymnastik, aber auch Sprachkurse, Gedächtnisübungen und Ausflüge mit einem Betreuer stehen auf dem Programm, denn schließlich sollte der Urlaub nicht nur gesund, sondern auch aktiv verbracht werden.

Man kann also durchaus für wenig Geld im warmen Ausland überwintern. Allerdings fallen die finanziellen Belastungen daheim, außer den hohen Heiz- und Stromkosten, nicht weg. Wenn man jedoch eine Region für den Urlaub gewählt hat, in der die Lebenshaltungskosten im Vergleich zur Heimat gering sind, oder man für wenig Geld einen Alles-inklusiv-Urlaub, bei dem die komplette Verpflegung dabei ist, bucht, dann kann die Rechnung doch aufgehen und man lebt als Langzeiturlauber in der Südsee günstiger als die Daheimgebliebenen. Anna Gaul


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