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20.03.10 / Mehr als nur Essen / Martin Suter entdeckt die Küche

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 11-10 vom 20. März 2010

Mehr als nur Essen
Martin Suter entdeckt die Küche

In seinem neuen Roman „Der Koch“ hat es der erfolgsverwöhnte Schweizer Autor Martin Suter – ähnlich wie in seinem Roman „Huber spannt aus“ oder „Unter Freunden“ – wieder auf die „Wirtschaftselite“ abgesehen. Auf jene Drahtzieher, die skrupellos finanziell absahnen, wenn es um Korruption, Hinterziehung, Waffenschieberei und sonstige schmutzige Geschäfte geht.

Der 33-jährige tamilische Asylant Maravan arbeitet als Hilfskraft in einem Züricher Sternehotel, dem Huwyler. Dass Maravan nicht nur ein begeisterter, sondern auch ein begnadeter Koch ist, würde ihm nie jemand der anderen Mitarbeiter in der Küche zugestehen, schon gar nicht der arrogante Küchenchef.

Mit dem Roman „Der Koch“ scheint Martin Suter es sich unter anderem vorgenommen zu haben, dem Leser das Wasser im Munde zusammenlaufen zu lassen, denn er beschreibt haarklein, welche Spezialitäten der tamilische Koch bei sich zu Hause zubereitet. Doch ist das Geheimnis an Maravans Gerichten nicht nur der exotische Geschmack der Zutaten und deren Zubereitung, welche seine Großtante ihn in seiner Heimat Sri Lanka gelehrt hat, sondern auch deren aphrodisierende Wirkung.

Durch Zufall lernt auch Maravans bildhübsche Kollegin, die eigentlich auf Frauen steht, diese aphrodisierende Wirkung kennen und landet zu ihrer eigenen Verwunderung mit Maravan im Bett. Zunächst ist sie verwirrt, doch dann beschließt die geschäftstüchtige Andrea, Kapital aus Maravans „Kochkünsten“ zu schlagen, und gründet mit ihm einen exquisiten und teuren Lieferservice für Liebesmenüs.

Eigentlich würde sich der schüchterne Tamile nie auf diese anrüchige Bewirtungs-Idee eingelassen haben, doch da in seiner Heimat Sri Lanka ein Bürgerkrieg zwischen Tamilen und Singhalesen herrscht, benötigt er Geld, um es seinen Verwandten zu schicken. „Seine Familie musste sich immer öfter auf dem Schwarzmarkt versorgen, dessen Preise täglich stiegen. Vor allem die für Medikamente. Dazu kam, dass Ori, der Geldverleiher, bei Zinsverzug Strafzinsen erhob.“

Und während Maravans Familie in Sri Lanka ums Überleben kämpft, haben die von der Weltwirtschaftskrise gebeutelten Geschäftsleute ganz andere Sorgen. So auch einer der Stammkunden aus dem Huwyler, der vermögende

Eric Dalmann. „Für Dalmann waren die Festtage in St. Moritz der wichtigste Geschäftsevent des Jahres. Dort bot sich die Gelegenheit, Leute zu treffen, mit denen das ganze Jahr über kein persönlicher Austausch möglich gewesen wäre.“ Und an einem dieser luxuriösen Abende geschieht es, dass Dalmann mit einem Pakistani über Schützenpanzer und deren Import via USA verhandelt. Und während Maravan und Andrea nichts ahnend ihr gelobtes Liebesmenü für den Pakistani und ein paar Damen vom Begleitservice vorbereiten, plant dieser den Versand der Panzer an die srilankische Armee.

„Der Koch“ ist ein Roman, der völlig ohne Geschmacksverstärker und künstliche Aromen auskommt. Ebenso pur und intensiv wie Maravans Gerichte ist auch die Handlung dieses Romans, wenn auch eine Spur sanfter, als der Leser es von Martin Suters bisherigen Romanen gewohnt ist. A. Ney

Martin Suter: „Der Koch“, Diogenes Verlag, Zürich 2010, gebunden, 311 Seiten, 21,90 Euro


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