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03.04.10 / Berlins Kunstszene-Müll

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-10 vom 03. April 2010

Berlins Kunstszene-Müll
von Harald Fourier

Der Erfolg dieses Mannes kann einem Angst machen: Was selbst der Bundesliga-Abstiegskandidat Hertha BSC nicht mehr ohne weiteres fertigbringt, das gelingt Mario Barth spielend. Der Komödiant aus Berlin-Mariendorf kriegt das ganze Olympiastadion voll, wenn er dort eine Veranstaltung macht. Barth bringt seine Zuschauer mit Gassenhauern und Gossensprache zum Lachen. Sein „Wörterbuch Deutsch-Frau/Frau-Deutsch“ verkauft sich wie warme Semmeln, und seit einigen Monaten ist er sogar die Werbe-Ikone eines riesigen Elektronikkonzerns („Das ist mein Laden“). Er ist mit seinen peinlichen Witzen unter der Gürtellinie gerade auf dem totalen Höhenflug. Gemessen an seinem kommerziellen Erfolg ist er einer der wichtigsten Berliner Künstler.

Und es kommt noch schlimmer. Die beiden anderen wichtigsten zeitgenössischen Künstler aus Berlin scheinen eine sexbesessene Lolita und ein stammelnder Araber zu sein. Wenn wir den Schlagzeilen des deutschen Feuilletons Glauben schenken, dann dreht sich gerade alles um die 18-jährige Schriftstellerin Helene Hegemann und den Rapper Bushido. Aber beiden wird vorgeworfen, ihre „Werke“ geklaut zu haben.

Hegemann hat ihren schlüpfrigen Sex-Roman „Axolotl Roadkill“ aus dem Internet abgeschrieben, und der Musiker hat seine Texte bei einer französischen Band geklaut. Die Kunstszene steht Kopf wegen dieser Plagiatsvorwürfe. Es wirkt fast so, als gäbe es kein wichtigeres Kultur-Thema in Berlin. Die wirkliche Frage aber lautet doch wohl: Ist das alles, was aus Berlin an Kultur kommt? Wer genau den Groschenroman der schulpflichtigen Autorin verfasst und wer die „anspruchsvollen“ Raptexte (Kostprobe: „Ich schmuggele Plutonium, du finanzierst dir mit Oralverkehr dein Studium“) gereimt hat – ist das nicht völlig egal? Hat Berlin nicht mehr zu bieten als Rapper und Gossenkünstler?

Es ist ganz schön peinlich, dass die moderne Kunstszene der Stadt durch so ein Trio repräsentiert wird: ein Prolet aus Mariendorf, eine frühreife Plagiatorin aus marxistischem Elternhaus und ein arabischer Möchtegern-Gangster, der fast ausschließlich von Sex und Gewalt singt. Hat Berlin nicht mehr zu bieten?Zum Glück ja. Die Stadt zieht auch viele echte Talente an oder bringt eigene hervor wie Peter Fox (Sänger), Benjamin von Stuck-rad-Barre (Schriftsteller) und Jan Josef Liefers (Schauspieler), um nur einige zu nennen. Nicht zuletzt lebt unsere jüngste Literaturnobelpreisträgerin Hertha Müller seit Jahren in Friedenau. Alles mehr oder minder echte Berliner, und keiner von denen klaut seine Texte.


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