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03.04.10 / Bischöfe begrüßen Großmoscheen / Politiker und Kirche von Wohlwollen erfüllt − Weiterhin kaum Kirchen in der Türkei

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-10 vom 03. April 2010

Bischöfe begrüßen Großmoscheen
Politiker und Kirche von Wohlwollen erfüllt − Weiterhin kaum Kirchen in der Türkei

Kennen Sie die größte französische Tageszeitung? Sie heißt nicht „Le Figaro“ oder „Le Monde“. Das sind überregionale Zeitungen und ihre Auflagen sind nicht mehr so berauschend, wie sie einmal waren. Nein, die größte Zeitung der Welt in französischer Sprache heißt „Ouest-France“, ein Regionalblatt. Ihre Auflage erreicht 800000. Sie wird hauptsächlich von 2,3 Millionen Menschen in der Vendée, in der Bretagne und in der Normandie gelesen.

Umso schwerwiegender war ein Artikel, der am 9. Januar in „Ouest-France“ erschien. Dort stand: „Die heutige Moschee in Cholet war in ihrem Häuschen nicht mehr groß genug. Der neue Imam, Musa Akkaya, hat vorgesehen, dass im Mai eine neue Moschee öffne. Das Gebäude wird jetzt fertiggestellt und hat bereits eine stolze Gestalt. Diese neue türkische Moschee wird auf einem 3200 Quadratmeter großen Grundstück gebaut, das der türkische Staat gekauft hat. Das jetzige Häuschen der Moschee war wirklich zu klein geworden: ,Wir empfangen freitags zirka 200 Menschen und im Ramadan 400‘, erklärt Sabri Dogan, der Vorsitzende des türkischen Kulturvereins. Insgesamt, meint er, gibt es in Cholet 250 bis 300 türkische Familien, das entspricht 2000 Personen. Der türkische Staat hat den Imam Musa Akkaya hierher geschickt. Vor drei Monaten kam er nach Frankreich. Er soll vier Jahre in unserem Land bleiben.“

Alles schön und gut. Aber wo ist die Gegenseitigkeit für solches Entgegenkommen? Der türkische Staat verweigert ausländischen Priestern die Visa. Die Priesterseminare der orthodoxen Kirche, die Halki, bleiben geschlossen. Baugenehmigungen für neue Kirchen werden verweigert. Am 27. März 2005 hatte Mehmet Aydin, der türkische Minister für Religionsangelegenheiten, christliche Missionare vorm Predigen in der Türkei gewarnt. Er sagte, dass die Christen die Ahnungslosigkeit der Menschen missbrauchten und den sozialen Frieden und die nationale Einheit in seinem Land verletzten. Die Entwicklung ist umso beunruhigender, als Ende Februar 2010 in der Türkei 49 Armeeangehörige, darunter ranghohe Offiziere, festgenommen worden sind. Sie werden beschuldigt, einen Putsch gegen die gemäßigt-islamistische Regierung von Recep Tayyib Erdogan geplant zu haben. Die Armee am Bosporus betrachtet sich in der Tat als die Hüterin der laizistischen Republik von Kemal Atatürk. Soll sie jetzt gesäubert werden? Die Sprecherin des EU-Erweiterungskommissars in Brüssel hat die türkischen Ermittlungsbehörden dazu aufgerufen, „streng auf die rechtsstaatlichen Grundsätze zu achten“.

Die Stadt Cholet hat gerade auch eine arabische Moschee eingeweiht. Das sind also im ersten Halbjahr 2010 zwei neue Großmoscheen. Und das in einer Stadt von 57000 Einwohnern, deren Bürgermeister der ältesten Partei der französischen Rechte, der CNI, einer Art von französischer CSU, angehört. Sollte man sich darüber wundern, wenn man die Einstellung des Gemeinderatsmitglieds der Großstadt Bordeaux, Laetitia Jarty, betrachtet? Auf die Frage einer Presseagentur zu der Beteiligung von Kommunen am Bau von Moscheen antwortete Frau Jarty, die im Departement Gironde die Jugendreferentin der Sarkozy-Regierungspartei UMP ist: „Das stört mich nicht. Normale Vereine wünschen das. Die Medien bauschen solche Geschichten auf, aber das ist doch ganz einfach.“ Es ging darum, dass das Bürgermeisteramt von Bordeaux dem Verein der Moslems der Gironde, an dessen Spitze ein Imam namens Tareq Ubru steht, ein Grundstück für den Bau einer neuen Moschee schenken will. Bürgermeister von Bordeaux ist der ehemalige französische Regierungschef Alain Juppé.

Das Wohlwollen nicht nur der Gewählten, sondern auch der katholichen Kirche Frankreichs scheint keine Grenzen mehr zu kennen. Dass die Konferenz der französischen Bischöfe kürzlich über die Schändung der neuen Moschee in Saint-Etienne entrüstete, war nicht zu beanstanden. War es aber nicht zu viel des Guten, wenn das Kommuniqué „die Überzeugung“ der Bischöfe unterstrich, „dass es möglich ist, miteinander zu leben und gerade wegen des Reichtums unserer Unterschiede am Aufbau einer neuen Gesellschaft teilzunehmen“.

Die Bischofskonferenz richtete sich dann an den moslemischen Klerus: „In diesem Sinne freuen wir uns, dass Sie bald ihre neue Großmoschee einweihen können.“ Ein schönes Wortbild rechtfertigte dieses Bekenntnis: „Wir glauben, dass Gott gekommen ist, um sein Zelt unter den Menschen aufzupflanzen.“ Leider leben die Franzosen nicht unter Zelten und Moscheen in Frankreich sind leider auch keine Zelte. J.-P. Picaper


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