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03.04.10 / Im Dialog mit Kunstwerken / Eine Privatsammlung mit Werken der klassischen Moderne wird erstmals öffentlich gezeigt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-10 vom 03. April 2010

Im Dialog mit Kunstwerken
Eine Privatsammlung mit Werken der klassischen Moderne wird erstmals öffentlich gezeigt

Es ist eines der wenigen plastischen Kunstwerke, das in der aktuellen Ausstellung im Kunsthaus Stade zu sehen ist. Doch sagt die Bronze „Der Sammler“ von Ernst Barlach viel über Inhalt und Herkunft der gezeigten Werke aus. Die über 80 Arbeiten bedeutender Künstler der klassischen Moderne stammen aus einer privaten Sammlung, die nun erstmals öffentlich gezeigt wird. Über drei Jahrzehnte sammelten Arnd Siegel und seine inzwischen verstorbene Frau Erika Kunstwerke, die ihnen persönlich gefielen. Unbeabsichtigt ist so ein „Kompendium der klassischen Moderne“ entstanden, wie Kurator Heinz Spielmann betont, in dem „die wichtigsten Phasen vor allem der deutschen Kunst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts mit kennzeichnenden Beispielen repräsentiert sind”. „Wer etwas mehr als nur einige zufällig zusammen gekommene Blätter besitzt, wird bald bemer-ken, dass seine Neigung ihn zu Weiterem bewegt, ihn dazu verleitet, einer anfänglich noch kleinen Gruppe von Arbeiten etwas ihm besonders Zusagendes hin-zuzufügen“, so Spielmann im Katalog. „Er kann sich dabei auf einen Künstler und seinen Um-kreis, auf bestimmte Disziplinen und Themen konzentrieren, er kann aber auch, den Kreis des ihn intensiver Beschäftigenden erweiternd, zu einem vielfältiger strukturierten Ausbau seines persönlichen Besitzes gelangen und damit zu Künstlern, Themen, Ausdrucksformen ein jeweils spezifisches Verhältnis gewinnen.“ Ein Rundgang durch die Ausstellung beginnt bei Impulsgebern der klassischen Moderne wie Emil Nolde, zeigt inhaltliche Schwerpunkte wie Arbeiten der Künstler der „Brücke“ und des „Blauen Reiters“ sowie von Vertretern des Konstruktivismus, des Surrealismus, des Bauhaus und der Abstraktion.

Zu sehen sind Holzschnitte, Radierungen, Lithographien, Zeichnungen, Aquarelle und Ölbilder, die vornehmlich das Thema Mensch zum Inhalt haben. Ein Sujet, das die beiden Sammler auch beruflich beschäftigte, denn beide waren Ärzte. Erika und Arnd Siegel lag es stets am Herzen, mit den Kunstwerken zu leben. Sie erwarben sie nicht, um zu spekulieren oder um des Besitzes willen. Beraten durch einen kompetenten Kunstkenner ließen die Siegels ihre Sammlung „Blatt für Blatt“ wachsen, um sie dann keineswegs im Tresor zu verstecken, sie hingen die Arbeiten an die Wände ihres Hamburger Einfamilienhauses. „Einfach auch mal übereinander, die Petersburger Hängung sozusagen“, sagte Siegel schmunzelnd der PAZ. Er rede auch mit den Bildern, führe Zwiegespräche. Das sollen auch die Besucher der Ausstellung mit dem Titel „Dialog mit der Moderne“, machen. Der eine wird dann vor Radierungen von Emil Nolde stehenbleiben und erstaunt feststellen, dass Nolde eben nicht nur Blumenbilder und norddeutsche Landschaften in flammenden Farben schuf, sondern auch so zauberhafte Motive wie die Kinderbilder „Lausbuben“ und „Ringelreihe“ in Schwarzweiß. Der andere wird vor Blättern von Ivo Hauptmann, Lyonel Feininger, Franz Marc oder August Macke verharren. Allen Arbeiten ist eines gemein: „Sie sind auf die Nähe, auf Unmittelbarkeit, auf die tägliche Begegnung hin ausgewählt“, so Spielmann, „nicht für die Repräsentanz oder gar Dekoration.“ Silke Osman

Die Ausstellung „Dialog mit der Moderne“ im Kunsthaus Stade, Wasser West 7, ist bis zum 24. Mai dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, am Wochenende bis 18 Uhr geöffnet, Eintritt 5/3 Euro, Katalog (Klappbroschur, 162 Seiten, 19,80 Euro), Informationen www.kunsthaus-stade.de


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