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03.04.10 / Deutschland kam England zuvor / Vor 70 Jahren begann das Unternehmen »Weserübung«, die deutsche Besetzung Norwegens und Dänemarks

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-10 vom 03. April 2010

Deutschland kam England zuvor
Vor 70 Jahren begann das Unternehmen »Weserübung«, die deutsche Besetzung Norwegens und Dänemarks

„Untragbar ist die Besetzung Norwegens durch England, denn sie ist nicht rückgängig zu machen.“ Angesichts dieser durchaus realistischen Einschätzung (siehe Kasten) drängte Großadmiral Erich Raeder Adolf Hitler zur Besetzung Norwegens und Dänemarks, schließlich mit Erfolg.

Hitler zeigte sich an Skandinavien ungeachtet aller Rassentheorie eher desinteressiert. Um seinem obersten Kriegsherren die drohende britisch Invasion vor Augen zu führen, empfahl der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine diesem, den NS-freundlichen norwegischen Politiker Vidkun Quisling zu empfangen. Diesem Gespräch mit dem vormaligen Kriegsminister seines Landes folgte noch am selben Tag, dem 14. Dezember 1939, Hitlers Weisung an das Oberkommando der Wehrmacht, Pläne für eine Besetzung Norwegens auszuarbeiten. Bestärkt wurden die Deutschen in ihren Befürchtungen durch den „Altmark“-Zwischenfall am 16. Februar 1940. Obwohl sich das deutsche Trossschiff „Altmark“ in norwegischen Gewässern befand, wurde es vor den Augen der Norweger von dem britischen Zerstörer „Cossack“ überfallen und geentert. „Durch dieses Ereignis erhielt die Norwegenfrage ein wesentlich anderes Gesicht“, um es mit den Worten Raeders zu sagen, „denn nun war eindeutig bewiesen, dass die norwegische Regierung nicht in der Lage war, ihre Neutralität aufrechtzuerhalten“ – oder dazu nicht willens, was für die Deutschen auf das selbe hinauslief.

Fünf Tage später, am 21. Februar, beauftragte Hitler General Nikolaus von Falkenhorst, der sowohl Erfahrungen mit Skandinavien- als auch amphibischen Operationen hatte, das Unternehmen „Weserübung“, die Besetzung Norwegens vorzubereiten. Er leitete dann auch anschließend dessen Umsetzung.

Klar umriss Hitler in seiner Weisung für das Unternehmen vom 1. März 1940 dessen Ziel: „Hierdurch soll englischen Übergriffen nach Skandinavien und der Ostsee vorgebeugt, unsere Erzbasis in Schweden gesichert und für Kriegsmarine und Luftwaffe die Ausgangsstellung gegen England erweitert werden.“ Das zwischen Deutschland und Norwegen liegende Dänemark sollte bei der Gelegenheit aus logistischen Gründen gleich mit besetzt werden.

Am 9. April 1940 forderte die Reichsregierung die Regierungen Dänemarks und Norwegens auf, einer Besetzung durch deutsche Truppen keinen Widerstand entgegenzusetzen. In Dänemark obsiegten die Verständigungspolitiker und so wurde sinnloses Blutvergießen vermieden. In Norwegen war das anders, was die Situation für die Wehrmacht zusätzlich erschwerte. Die Wehrmacht sah nämlich aus gutem Grund keine Alternative dazu, Norwegen von der Seeseite aus zu besetzen und über See Soldaten und Material heranzuschaffen. Dies war höchst riskant angesichts der vielfachen britischen Überlegenheit zu See. Erschwerend kam hinzu, dass das Heer für die Besetzung beider skandinavischen Länder nur acht Divisionen, eine Brigade und eine Panzerabteilung zur Verfügung stellte, da die deutsch-französische Front im Westen nicht entblößt werden sollte.

Diese Schwächen galt es zu kompensieren. Zum einen war da das Überraschungsmoment des Angreifers. Zu anderen gab es die Konzentration der Kräfte, der Einsatz fast der gesamten deutschen Kriegsmarine für dieses Unternehmen. Und dann war da die Luftwaffe, die mit drei Kampfgeschwadern und drei Jagdgruppen schnell die Lufthoheit gewann und nicht nur gegen Land-, sondern auch gegen Seeziele eingesetzt wurde. Dieses bekamen insbesondere britische Kriegsschiffe zu spüren, die das Unternehmen „Weserübung“ zu stören versuchten. Hier zeigte sich deutlich, wie verwundbar mittlerweile selbst große Kriegsschiffe waren, wenn sie keinen Luftschirm besaßen, und damit stieg die Bedeutung von Flugzeugträgern für die Seestreitkräfte. Darüber hinaus brachte die Luftwaffe fast ihre gesamte Transporterflotte zum Einsatz, mit der sie die Kriegsmarine beim Überführen von Mensch und Material nach Kräften unterstützte. 29280 Mann und 2375 Tonnen Nachschub wurden von der jüngsten der Teilstreitkräfte nach Norwegen transportiert. Die Luftwaffe konnte beim Transport aber nur unterstützend tätig sein. Das Schwergewicht lag bei der Marine, die 107581 Soldaten, 16102 Pferde, 20339 Fahrzeuge und über 100000 Tonnen weiteres Material in König Haakons VII. Reich zu schaffen hatte.

In der Nacht zum 7. April 1940 lief fast die gesamte deutsche Flotte mit dem deutschen Expeditionskorps und den beiden Schlachtschiffen/Schlachtkreu­zern „Scharnhorst“ und „Gneisenau“ an der Spitze aus. Am 9. April 1940 schlugen die Deutschen zu und landeten an der norwegischen Küste in Oslo, Kristiansand, Stavanger, Bergen, Trontheim und Narvik. Die Engländer hatten den Deutschen ein derart verwegenes Landeunternehmen auf einer Breite von rund 1500 Kilometern nicht zugetraut und mussten nun von der eigenen Eroberung Norwegens auf die Störung des deutschen Landeunternehmens und von der Landung eigener Truppen zur Unterstützung der norwegischen Verteidiger umstellen. Das gelang ihnen nur bedingt, am besten noch in Narvik.

Die Hafenstadt war der nördlichste und von Deutschland am weitesten entfernte Punkt des Landeunternehmens, so dass die Deutschen es hier besonders schwer hatten. Ihnen standen dort Alliierte gegenüber, die um die Wichtigkeit Narviks für die deutsche Eisenerzversorgung wussten und entsprechend verbissen kämpften. Das Ende der Kämpfe brachte dort erst der Beginn des deutschen Westfeldzuges am 10. Mai 1940, als die Westeuropäer ihre Truppen abzogen, um sie zur Verteidigung Frankreichs und der britischen Inseln einzusetzen. Bis zum 8. Juni 1940 war der alliierte Rückzug aus Norwegen abgeschlossen. Zwei Tage später kapitulierten die letzten norwegischen Streitkräfte. Da hatten sich Haakon und seine Regierung bereits nach England abgesetzt. Norwegen war Teil des deutschen Herrschaftsbereiches geworden.

Hitlers vor dem Unternehmen „Weserübung“ genanntes offensives Ziel, für Kriegsmarine und Luftwaffe die Ausgangsstellung gegen England zu erweitern, erwies sich der Opfer und des Risikos nicht wert, denn die Luftwaffe und vor allem die Marine hatten nicht die Kapazitäten, um die Erweiterung zu nutzen. Anders verhält es sich schon mit dem ebenfalls genannten eher defensiven Ziel der Vorbeugung eines englischen Übergriffes nach Skandinavien und der Ostsee und vor allem der Sicherung der Erzbasis in Schweden. Und so lässt sich das Ergebnis vielleicht folgendermaßen zusammenfassen: Die deutsche Kriegspartei hatte durch das Unternehmen „Weserübung“ nicht viel gewonnen, aber sie hatte den Verlust von vielem verhindert. Manuel Ruoff


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