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03.04.10 / Biograph der »Konservativen Revolution« / Der Rechtsintellektuelle Armin Mohler machte sich von links auf den Weg nach rechts und war schließlich politisch heimatlos

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-10 vom 03. April 2010

Biograph der »Konservativen Revolution«
Der Rechtsintellektuelle Armin Mohler machte sich von links auf den Weg nach rechts und war schließlich politisch heimatlos

Armin Mohler, am 12. April 1920 in Basel als Sohn eines Schweizer Eisenbahnbeamten geboren, war zunächst politisch links eingestellt, veränderte aber „seine Haltung unter dem Einfluss der Lektüre Nietzsches, Spenglers, Niekischs und Jüngers“ (Karlheinz Weißmann). In etwas unreifer Manier konnte der in behüteten eidgenössischen Verhältnissen aufgewachsene Mohler der „deutschen Versuchung“ nicht widerstehen und überquerte als Deserteur der Schweizer Armee im Februar 1942 illegal die Grenze zum Deutschen Reich mit dem Wunsch, als Mitglied der Waffen-SS am Ostfeldzug teilzunehmen. Mohlers illusionäre und idealistische Vorstellungen stießen aber schnell auf eine desillusionierende Realität. Die Waffen-SS lehnte ihn als untauglich ab und so fiel diese frühe deutsche Episode im Leben Mohlers eher unheroisch aus. Schon Ende 1942 kehrte der junge Intellektuelle in die Schweiz zurück und studierte in Basel weiter Philosophie und Kunstgeschichte, wobei ihm die Desertion eine kurze Zeit hinter Gittern bescherte. 1949 wurde er mit seiner auch heute noch Maßstäbe setzenden Arbeit „Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–32. Grundriss ihrer Weltanschauungen“ von Hermann Schmalenbach und Karl Jaspers zum Dr. phil. promoviert. Anschließend folgte die Zeit als Sekretär Ernst Jüngers in Wilflingen (1950–1953). Von 1953 bis 1960 berichtete er für die Züricher „Tat“ und die „Zeit“ aus Paris. Als Geschäftsführer der Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung in München organisierte Mohler in den Jahren 1970 bis 1985 ein Vortragsprogramm, das auch bei politisch Andersdenkenden Anerkennung fand. Nach dem Ausscheiden aus der Siemens-Stiftung war Mohler vor allem als Buchautor und publizistisch für die Zeitschrift „Criticón“ tätig.

Versuche, sich im herkömmlichen Parteiensystem der Bundesrepublik zumindest als Publizist zu engagieren, scheiterten. Ende der 1960er Jahre hatte Mohler über seinen engen, aber schon 1970 früh verstorbenen Freund Marcel Hepp Kontakt mit Franz Josef Strauß und zur CSU-Wochenzeitung „Bayernkurier“ aufgenommen. Mit dem Tode des „Bayernkurier“-Chefredakteurs Hepp endeten aber Mohlers Kontakte zu Strauß und damit die Bemühungen, über die CSU-Parteischiene eine Art deutschen Gaullismus zu installieren und den Deutschen mehr nationalen Selbstbehauptungswillen zu vermitteln.

Als Mohler 1967 den Konrad-Adenauer-Preis für Publizistik erhielt, initiierte der „Rheinische Merkur“ eine von Mohler als „Hexenjagd“ verstandene Kampagne. Damals wurde auch durch Indiskretionen Gerhard Freys öffentlich, dass der nicht zimperliche Mohler unter dem Pseudonym Michael Hintermwald 1964 zwei Beiträge für die „Deutsche National- und Soldatenzeitung“ geschrieben hatte. Der Versuch, auf den ersten österreichischen Lehrstuhl für Politikwissenschaft in Innsbruck berufen zu werden, scheiterte am Widerstand einer SPÖ-Ministerin.

Was bleibt von Mohler, der im Frühjahr dieses Jahres 90 Jahre alt geworden wäre? Zu nennen sind seine große Belesenheit, sein Mut, konsequent gegen den herrschenden Zeitgeist zu leben und zu schreiben, sein packender, nie langweiliger Stil, seine Toleranz gegenüber anderen Meinungen, insofern sie nur mit Vehemenz und ohne Langeweile vorgetragen werden. Allerdings muss auch auf die Schattenseiten hingewiesen werden. So sticht eine gewisse Sprunghaftigkeit ins Auge, mit der Mohler seine politischen Ansichten variiert hat. Ursprünglich von links kommend, rehabilitierte der junge Mohler die verfemten Denker der „Konservativen Revolution“, empfand Sympathien für das Frankreich Charles de Gaulles, entdeckte den „technokratischen Konservatismus“ eines Hans Freyer oder Arnold Gehlen, flirtete mit der CSU Franz Josef Strauß’, um sich in späteren Jahren politisch immer mehr zu radikalisieren. Mohlers Begeisterung für die französische „Neue Rechte“ um Alain de Benoist und seine Antwort auf die Frage eines Journalisten, ob er Faschist sei: „Ja, im Sinne von José Antonio Primo de Rivera“, haben bei einigen Beobachtern auch Stirnrunzeln hervorgerufen.

Inwiefern diese Radikalisierung der späteren Jahre eigener Überzeugung entsprang oder die Folge „publizistischer Ausgrenzung“ nach 1967 war, mag dahingestellt sein. Mit Sicherheit wird die Tatsache, dass Mohlers politikwissenschaftliche Karriere scheiterte und ihn – zumindest in den 1970er Jahren – die „etablierten“ Medien und Buchverlage regelrecht schnitten, nicht ohne Wirkung auf diesen doch auch an Einfluss interessierten Denker gewesen sein. Bei den „feinen Konservativen“ hat Mohler seinen Platz nie gefunden. Er war ein rechter Denker, der auch den Mut hatte, sich selbst so zu definieren. Ansgar Lange


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