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03.04.10 / Churchills Plan

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-10 vom 03. April 2010

Churchills Plan

Großadmiral Erich Raeder, vor 70 Jahren Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, hat das „Fortbestehen der norwegischen Neutralität“ als den für Deutschland „günstigsten Fall“ bezeichnet. In der Tat profitierten die Deutschen von der Unparteilichkeit Norwegens im Zweiten Weltkrieg stärker als die Briten. Die Route der für die deutsche Rüstungswirtschaft lebenswichtigen Eisenerzlieferungen des ebenfalls neutralen Schweden lief von Kiruna und Gallivare in Lappland per Bahn zum nordnorwegischen eisfreien Hafen Narvik und von dort auf dem Seeweg die norwegische Küste entlang über Skagerrak und Kattegat in die Ostsee. Auch nutzten deutsche Kriegsschiffe die neutralen norwegischen Küstengewässer für die Fahrt zwischen Heimathafen und den offenen Meeren unter Umgehung der britischen Seeblockade. Für London war deshalb der Reiz groß, Norwegens Neutralität zu missachten und es mit seinem Hafen Narvik und seinen Küstengewässern in seine Gewalt zu bringen. Moralische Bedenken hatte Winston Churchill, damals Erster Lord der Admiralität, nicht. Er argumentierte: „Keine formelle Verletzung des Völkerrechts kann uns (...) die Sympathie der neutralen Länder rauben. Im Namen des Völkerbundes haben wir das Recht, ja die Pflicht, vorübergehend die Gültigkeit gerade derjenigen Gesetze aufzuheben, denen wir wieder Geltung und Sicherheit verschaffen wollen. Die kleinen Nationen dürfen uns nicht die Hände binden, wenn wir für ihre Rechte und die Freiheit kämpfen.“

Am 28. März 1940 einigten sich London und Paris auf das Unternehmen „Wilfried“, die norwegischen Küstengewässer sollten vermint, und neben Narvik auch Stavanger, Bergen und Trontheim erobert werden. Anschließend sollten die schwedischen Erzfelder in Besitz genommen und eine zweite, skandinavische Front gegen das Reich eröffnet werden. Am 8. April stach das alliierte Expeditionskorps in See – aber da war das Unternehmen „Weser­übung“ bereits angelaufen. M.R.


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