21.04.2024

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03.04.10 / Leserbriefe

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-10 vom 03. April 2010

Leserbriefe

Kein Grund für Bewunderung und Hochachtung

Zum Leserbrief „Respekt!“ (Nr. 11)

Ich wundere mich sehr, dass auch Leser der PAZ, eigentlich doch eher ein kritisches, urteilsfähiges Völkchen, meinen, Frau Käßmanns Rücktritt verdiene „Respekt“. Wie hannoversche Tageszeitungen zu berichten wussten, hatte die Bischöfin, bevor die Polizei sie in der Nacht zum Sonntag erwischte, ihr Fahrzeug, den schwarzen „Phaeton“, „im Bereich Steintor“ geparkt und ist dort ins Kino gegangen. Nun muss man wissen, dass der Bereich Steintor in Hannover jene Gegend ist, wo Damen bürgerlichen Rufes des Nachts weder ihre Autos abzustellen noch herumzugehen pflegen. Ob Frau Käßmann sich in einem der dortigen Lichtspieltheater, wo sie jedoch von niemandem bemerkt worden ist, betrunken hat, ob sie schon bezecht dorthin gefahren ist oder sich in einer der nicht wenigen dortigen Lokalitäten „erfrischt“ hat, erfahren wir nicht. Denn die Oberhirtin der deutschen Lutheraner hat sich durch das vorzeitige Ausscheiden aus ihren hohen Ämtern aller vorwitzigen Nachfragen enthoben. Ich kann in diesem flinken, freiwilligen Handeln keinen Grund für „Respekt“ erkennen, denn mit dem Wort „Respekt“ verbinde ich die Vorstellung von Hochachtung, Ehrerbietung und Bewunderung.

Carz Hummel, Wedemark

 

 

Sozialisten kämpften für Recht der Frauen

Zu: „Blumen für Clara Zetkin?“ (Nr. 9)

Der Antikommunismus ist die Grundtorheit unserer Epoche, erklärte unser deutscher Literaturnobelpreisträger Thomas Mann. Wo blieb hier die preußische Toleranz, geprägt von unserem König Friedrich dem Großen? Es waren doch die Sozialisten, die für das Recht der Frauen gekämpft haben. Dieses taten weder die Kirche noch die Feudalherren. 1911 erster Frauentag in Deutschland, Dänemark, Schweiz, USA, Österreich-Ungarn. Ganz sicher keine kommunistischen Staaten. Ich verbitte mir solche abfällige Bezeichnung unserer Frauen. Sie waren und sind liebenswerte Ehefrauen und liebende Mütter, die unsere Kinder gut erzogen haben. Deshalb erhalten sie auch jeden 8. März schöne Blumen und kleine Aufmerksamkeiten. Wir brauchen keinen Ami-Valentinstag. Vielleicht möchte Herr Fourier wieder das Mutterkreuz am Muttertag verleihen. Unsere Kinder sind fröhlich und wohlerzogen aufgewachsen. In den Familien wohlbehütet. Sie haben kein Schulsystem kennengelernt, das diskriminierend ist wie die Hauptschule heute. Dieses BRD-Schulsystem entspricht dem Mittelalter. Es ist ein Bildungssystem für Reiche, die Privatschulen brauchen.Wie ist das mit unserer hochverehrten Königin Luise? So viel ich weiß, hatte sie zehn Kinder.

H.-J. Goerke, Neubrandenburg

 

 

Kluge Käßmann

Zu: „Käßmann in Not“ (Nr. 8)

Es ist eine unglaubliche Anmaßung, wenn der Autor über Frau Käßmann so urteilt. Ich spreche ihm echtes, christliches Verständnis ab. So werden Kirchen immer leerer werden, besonders was die Jugend anbelangt. Frau Käßmann hat die Konsequenz gezogen. Ich habe Achtung vor dieser Frau. Ihre Klugheit ist vielen unbequem.

Luise Augustin, Bad Salzuflen

 

 

Doppelstaatler werden bevorzugt

Zu: „Schwenkt Union auf SPD-Linie?“ (Nr. 11)

Die CDU scheint langsam von allen guten Geistern verlassen zu sein. Was ist nur aus dieser Partei geworden? Der Sprung auf die SPD-Linie ist unverkennbar. In Ihrem Beitrag in der Preußischen Allgemeinen Zeitung kamen die Sorgen auch darüber deutlich zum Ausdruck.

Der Fortfall der einst willkürlich fixierten Optionspflicht für Jung-Ausländer, erst bei ihrer Volljährigkeit über die endgültige Wahl der Staatsbürgerschaft entscheiden zu lassen, ist geradezu eine Provokation gegenüber allen Deutschen.
Hier wird offen zur Diskriminierung von Deutschen aufgerufen, trotz des bestehenden Anti-diskriminierungsgesetzes in diesem Lande.

Als Deutscher fühle ich mich auch übergangen und zurückversetzt in der Wahrung des Gleichheitsprinzips. Gleiches Recht für alle. Man soll endlich aufhören, die Menschen in zwei unterschiedliche Stufen einzuordnen. Ausländer sind ebenso mehr oder weniger prädestiniert, in der Staatsagenhörigkeitsfrage mit ihrem Heimatland spielerisch umzugehen. Rückversicherungen, aus welchen Gründen auch immer, sollten ausgeschlossen sein, wie wir Deutschen ebenfalls nur auf unsere Staatsangehörigkeit Bezug nehmen können.

Wer bereit ist, in Deutschland zu leben, ob jung oder alt, hat zur deutschen Staatsangehörigkeit seine Zustimmung zu geben, ohne Ausnahme für besondere Vorrechte in Spaltvorrichtungen durch die Hintertür.

J. F. Wilhelm Hörnicke, Eschborn

 

 

Genscher war Sachse

Zu: „Votum für Einheit und D-Mark“ (Nr. 10)

„Außenminister Hans-Dietrich Genscher verstand es, vor allem in seiner thüringischen Heimat die Massen zu mobilisieren“, schreiben Sie. Genscher ist gebürtig aus Reideburg, einem Ort vier Kilometer östlich von Halle/Saale (heute zu Halle gehörig). Genscher ist also Sachse, politisch Prov.-Sachse und war nie Thüringer.

Herbert Koschorrek, Wetter

 

 

Deutsche und Polen gedachten Bombenopfern von Swinemünde

Zu: „Das Massaker von Swinemünde“ (Nr. 10)

Insgesamt 671 schwere Bomber und 412 Jagdflugzeuge der 8. Luftflotte der US-Airforce flogen am 12. März 1945 gegen Mittag Swinemünde an. An Bord waren 3218 Bomben, welche über das Hafengebiet, Teile des Kurviertels und der Altstadt ausgeklinkt wurden. Die Perle unter den deutschen Ostseebädern, als Hafenstadt in einem Atemzug mit Pillau oder Kiel genannt, war nicht mehr.

Was noch schwerer wiegt, unter den 23000 Opfern sind vor allem Flüchtlinge aus Ostpreußen, Danzig, Westpreußen und Hinterpommern. Swinemünde steht in einer Reihe mit Dresden, Hamburg, Kassel, Berlin, Darmstadt und Pforzheim. War das Flächenbombardement der Alliierten auf deutsche Städte wirklich notwendig? Nach nun 65 Jahren muss die Frage eindeutig mit „Nein“ beantwortet werden.

Der britische Philosoph A.C. Grayling hat in seinem Buch „Die toten Städte“ deren Bombardierung analysiert. Er kam zu der Auffassung, dass die alliierte Luftkriegsführung als „moral crime“, als ein Verbrechen an der Zivilbevölkerung zu bewerten ist.

In Kamminke/Swinemünde haben am 12. März, also 65 Jahre nach der Bombardierung, rund 300 Gäste aus Deutschland und Polen auf dem Golm der Toten gedacht. Gerhard Kühnemund, 79 Jahre aus Lübeck und überlebender Zeitzeuge des Bombenangriffs, und Hannah-Sophia Rock sprachen zu den Generationen. Der Ruf an die Kameraden: „Ihr bleibt unvergessen auch nach 65 Jahren“ wurde von Polen und Deutschen gemeinsam weitergetragen.

H.-J. Nehring, Neubrandenburg

 

 

Kriegstoten Würde wiedergeben

Zu: Leserbrief „Gerhard Schröders taktlose Gedenkpose“ (Nr. 8)

Altbundeskanzler Gerhard Schröder, dessen Vater Fritz Schröder 1944 in Rumänien fiel, hat zugesagt, am 1. August in Sologubowka die Gedenkrede zu halten. Nicht nur Schröder, auch viele Leser der PAZ haben ihren Vater im Krieg verloren und von vielen Gefallenen ist noch kein Grab bekannt.

In Sologubowka bei St. Petersburg ruhen derzeit 45247 Kriegs-tote. Davon sind von 24677 Gefallenen die Namen bereits auf Granitstelen wiedergegeben. Es wird daran gearbeitet, auch den restlichen Toten ihre Namen und so ihre Würde wiedergeben zu können.

In der Ansprache zur Weihe eines Soldatenfriedhofes sagte Bundespräsident Heuss: „Ein Soldatenfriedhof hat seine eigene Würde. Er weckt auch seine eigenen Schmerzen: die Erinnerung an ein unbekanntes letztes Lager irgendwo. Was ist aus dieser Stelle deiner Trauer geworden? Es bewegen uns heute, da wir hier stehen, auch die Sorgen, ob der Friedhof im fremden Land, wo die deutschen oder fremden Soldaten liegen, in Würde und Ordnung gehalten bleibe und nicht verkümmert sei, wenn der Besuch der Sehnsucht sie findet. Die in den Gräbern vor uns ruhen, warten auf uns, auf uns alle.“

Leider ist die Unterstützung aller Bundesregierungen für die Arbeit des Volksbundes viel zu gering, und nur durch Spenden lassen sich Arbeiten durchführen. Es kostet nur 25 Euro, zwei Kriegstote vor dem Vergessen zu bewahren. Soviel sollten wir erübrigen können für die Soldaten, die uns 1945 tapfer vor der Roten Armee geschützt haben.

Gert-H. Quiring, Wiesbaden

 

 

Nachbarstaaten immer wieder voller Eifersucht

Zu: „Aufstand der Neider“ (Nr. 11)

Hat es Sinn, die französische Finanzministerin Lagarde wegen ihrer kühnen Forderungen nach Drosselung der deutschen Exporte zu kritisieren, ohne ihr das Geheimnis der deutschen Wirtschaftserfolge nahe zu bringen?

Vor dem Ersten Weltkrieg hatte Deutschland die Marktführerschaft auf den am höchsten entwickelten Gebieten der Technik übernommen, in der Chemie und Elektrizität ebenso wie in der Optik und im Spezialmaschinenbau. Das war einer der hauptsächlichen, offen ausgesprochenen Kriegsgründe. 1918 lag Deutschland am Boden, das Massenmorden war zu Ende, doch George Clemenceau konstatierte: „Der Fehler der Deutschen ist, dass es 20 Millionen zu viel von ihnen gibt.“ Aber nicht dieses Mehr an Menschen, sondern die vom Ausland verspotteten preußischen Tugenden, wie Bildung, Fleiß, Disziplin, Ideenreichtum und Einsatzfreude. brachten Deutschland erneut an die industrielle Weltspitze. „Made in Germany“ eroberte die Märkte. Doch dieses Mal wollten die „Befreier“ es wissen. Systematisch wurden die deutschen Städte und Industrieanlagen durch Bombenteppiche pulverisiert. Wer es noch immer nicht begriffen hat: der spätere Karls-Preisträger (!) Winston Churchill sprach es am 5. Mai 1946 in seiner Rede in Fulton aus: „Der Krieg ging nicht allein um die Beseitigung des Faschismus in Deutschland, sondern um die Erringung der deutschen Absatzmärkte.“

Und wieder waren es die den Deutschen innewohnenden Triebkräfte, welche das Wunder des wirtschaftlichen Aufstiegs vollbrachten. Während die Grande Nation nach dem Zweiten Weltkrieg über siebeneinhalb Jahre einen brutalen Kolonialkrieg in Algerien und Krieg auch in Indochina führte, die mit schweren Niederlagen endeten und Frankreich wirtschaftlich schwächten, nahm Deutschland unbeirrt Kurs auf die Stärkung seiner Wirtschaft. Der fulminante Aufstieg Deutschlands zur führenden europäischen Wirtschaftsmacht – eingebettet in die EU und Nato und damit gegen die neuen, alten Neider militärpolitisch endlich abgesichert – mag für Frau Lagarde noch gewöhnungsbedürftig sein, aber mit dieser Realität muss sie sich abfinden.

Dieter Bock, Burgstall

 

 

Litauen ist versöhnungsbereit

Zu: „Brücke zwischen Reich und Exklave“ (Nr. 5)

Zum gut geschriebenen, interessanten und informativen Artikel hier noch ein paar ergänzende Anmerkungen: So meine ich, dass es angesichts der litauischen Politik zwischen 1923 und 1938 gegenüber dem Memelland nicht angebracht ist, selbiges – kartographisch gesehen – in den Farben Litauens darzustellen. Im Friedensdiktat von Versailles 1919 war zwar die Abtrennung des Memellandes zugunsten der Alliierten bestimmt worden, nicht aber die – mit französischer Duldung vorgenommene – brutale litauische Einverleibungs- und Entdeutschungspolitik von 1923 bis 1938. Deshalb wäre eine „schraffierte“ kartographische Darstellung angebrachter gewesen.

Übrigens gab Litauen nach dem überwältigenden Wahlsieg der memeldeutschen Partei Ende 1938 (mit 87 Prozent der Stimmen) das Memelland im März 1939 wieder an Deutschland zurück. Stalin „schenkte“ 1946 das Memelland nach vollzogener Vertreibung der Deutschen seiner Sowjetrepublik Litauen. Litauen gehört damit nicht zu den Vertreiberstaaten.

Die Frage steht daher im Raum, ob überhaupt, inwieweit und wie lange eigentlich ein ehrenwerter, freiheitlich demokratisch gesonnener, moralisch und rechtsstaatlich fundierter Staat es sich leisten kann, Nutznießer eines „unverjährbaren Verbrechens gegen die Menschheit / Menschlichkeit“ – so die Genfer UN-Konvention – zu sein. „Unrecht Gut gedeihet nicht“, lautet ein deutsches Sprichwort. Vielleicht sind ja die Litauer nach den leidvollen Erfahrungen jahrzehntelanger sowjetischer Besetzung froh, ihr „unrecht Gut“ wieder den deutschen Eigentümern zurückzugeben und wieder deutsche Nachbarn im Memelland anzutreffen?

Da sich ja deutsche Bundesregierungen seit Jahrzehnten grundsätzlich nicht mehr um die Interessen der Vertriebenen aus dem deutschen Osten kümmern – klassisches Beispiel dafür ist die Nichtbeachtung russischer Rückgabeangebote für das nördliche Ostpreußen unter Gorbatschow und Jelzin – bleibt es nunmehr Aufgabe der Ostpreußen, sich selbst dieser Aufgabe anzunehmen.

Siegfried Pelz, Wyk auf Föhr

 

 

60 Jahre OB/PAZ: eigene Geschichte

Zu: „Gelungener Start am Kiosk“ (Nr. 8)

Dabei lohnt es sich, einmal daran zu erinnern, dass die Zeitung Das Ostpreußenblatt in den 50er Jahren anfangs überall an Kiosken gekauft werden konnte, und zwar für 35 Pfennig.

Ich besitze noch einige frühe Exemplare des Jahrgangs 1 von 1950. Damals, wohl etwas später, konnte man auch alle anderen Flüchtlingszeitungen über den Postzeitungsdienst (inklusive Inkasso) beziehen. Anliegen und Inhalte haben sich in den Jahrzehnten verändert: „Gesucht wird…“, „Weißt Du noch?“

So ist die Zeitung in 60 Jahren selbst zur Geschichte geworden. Es wäre deshalb sicher interessant für die letzten Überlebenden und die Nachgeborenen, eine „Geschichte des Ostpreußenblattes“ zu schreiben. Wenn ich mich recht erinnere, hat es vor vielen Jahren eine Schrift (Dissertation?) gegeben, die sich mit einer Analyse des OB befasst hatte. Auch über die Berichterstattung der 20 Bundestreffen der LO wäre ein Überblick interessant.

Etwa ab 1955 hatten meine Eltern das OB im Abo. 1957 übernahm das Abo meine Großmutter, die jetzt doch noch zu uns kommen konnte. 1945 konnte sie das Haus „ja nicht alleine lassen“… Nur für die Übereignung des Hauses an den polnischen Staat (Woiwodschaft Allenstein) durfte sie dann ausreisen. Nach ihrem Tod lief das Abo bei meinen Eltern weiter und nach deren Tod 1980 auf meinem Namen.

Ich knüpfe jetzt an die Passage in dem Leserbrief von Frau Kruse aus Berlin an: „Viele Leserbriefe sind historisch so interessant … Berichte von Zeitzeugen, dass…“

Mit mir wären sicher Tausende von Lesern über eine solche Zusammenfassung und Veröffentlichung erfreut. Das könnte aber deshalb nicht realisierbar sein, weil man vielleicht das Einverständnis der Verfasser haben müsste? Machbar dürfte aber sein, besonders wertvolle Artikel insbesondere zur Geschichte und Landeskunde zusammenzufassen und zu veröffentlichen.

Ich habe in den 70er und 80er Jahren das Ostpreußenblatt „zerlegt“ und thematisch in Mappen gesammelt.

Dietrich Becher, Braunschweig


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