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03.04.10 / Ein Preuße vom Scheitel bis zur Sohle / Zum 70. Geburtstag des Sprechers der Landsmannschaft Ostpreußen Wilhelm v. Gottberg

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-10 vom 03. April 2010

Ein Preuße vom Scheitel bis zur Sohle
Zum 70. Geburtstag des Sprechers der Landsmannschaft Ostpreußen Wilhelm v. Gottberg
von Wolfgang Thüne

Die Ostpreußen gratulieren ihrem Sprecher und sagen Wilhelm von Gottberg anlässlich seines Geburtstages am 30. März 2010 vor allem Dank. Sie danken ihm von ganzem Herzen für seine aufopferungsvolle, pflichtbewusste wie unermüdliche Arbeit im Dienste seiner Heimat wie zum Wohle der Landsmannschaft Ostpreußen. Vertrieben als knapp Fünfjähriger hat er aus seinem Heimatboden noch genügend Kraft ziehen können, die unabdingbar notwendig ist, um die Landsmannschaft zu führen, die zahlreichen politischen Klippen zu umschiffen wie die zwischenmenschlichen Eiszeiten zu bestehen und zu überdauern.

Wilhelm von Gottberg hat in der denkbar ungünstigsten Zeit mit rauer See das Kommando über das Schiff „Landsmannschaft Ostpreußen“ übernommen. Die Lehrzeit des späteren Kapitäns war nur kurz. Seit dem Jahre 1974 widmet er sich der Vertriebenenarbeit. Wer zu dieser Zeit noch den Mut dazu aufbrachte, musste gewiss sein, stets gegen den Zeitgeist ankämpfen und sich als Ewig-Gestriger wie Revanchist, ja Faschist beschimpfen lassen zu müssen. Infolge der Entspannungspolitik der Großmächte USA und UdSSR ab 1966 wie der „neuen Ostpolitik“ unter Willy Brandt ab 1969 hatte der Zeitgeist seine Richtung gewechselt und wehte den Vertriebenen eisigkalt ins Gesicht. Vorbei war die Zeit mit der 62er Parole von Brandt, Ollenhauer und Wehner „Verzicht ist Verrat“.

In der Landsmannschaft Ostpreußen selbst war Wilhelm von Gottberg seit 1987 aktiv, als Vorsitzender der Landesgruppe Niedersachsen und damit Mitglied der Ostpreußischen Landesvertretung, dem ostpreußischen Exilparlament. Im Jahre 1989 wurde er Mitglied des Bundesvorstandes und 1990 stellvertretender Sprecher. Seit 1992 nun ist er ununterbrochen Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen und damit „Ministerpräsident“. Diese Jahre waren erneut Schicksalsjahre, die zu überstehen ein enormes Selbstbewusstsein, einen unbändigen Selbstbehauptungswillen und einen tiefen Glauben an die Kraft von Recht und Gerechtigkeit in einem demokratischen und sozialen Rechtsstaat erfordern.

Der Zusammenbruch des Sowjetimperiums stand an und damit die Frage der „deutschen Einheit“. Das Deutsche Reich war nie untergegangen und bestand auch nach dem Willen aller Siegermächte in den Grenzen vom 31. Dezember 1937 fort. Sollte die „Einheit“ unter Wahrung der Normen des Völkerrechts geschehen oder vertraglich unter Anpassung an die Macht des Faktischen, den provisorischen Unrechtszustand? Wilhelm von Gottberg wie der gesamte Bundesvorstand entschieden sich für den Weg „Recht und Gerechtigkeit“, wie ihn Immanuel Kant 1795 in seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ vorgezeichnet hatte. Dies war und wurde ein dornenreicher Weg, auch verbandsintern. Er kostete viel Kraft und Mühen und zehrte an der Substanz. Kritik kam von außen und innen. Dennoch hielt das Schiff „Ostpreußen“ Kurs und fuhr weiter mit vollen Segeln. Dies ist vor allem dem Kapitän und seiner Mannschaft zu danken. Wilhelm von Gottberg ist nicht nur der an Jahren dienstälteste, er ist unter dem Strich auch der erfolgreichste Sprecher. Wir würdigen dies mit aufrichtigem Dank!

Wilhelm von Gottberg wurde am 30. März 1940 als Sohn des Rittergutbesitzers Heinrich von Gottberg und seiner Ehefrau Gertrud geb. Freiin von der Goltz in Groß Klitten, Kreis Bartenstein, geboren. Im Januar 1945 musste das Rittergut, das seit 1817 in Besitz der Familie war, vor dem Einmarsch der Roten Armee fluchtartig aufgegeben werden. Die heimatlichen Wurzeln wurden gewaltsam gekappt und wie Millionen andere musste auch die Familie von Gottberg diesen Schicksalsschlag bewältigen und ein „neues Leben“ in der Fremde aufbauen. Dies war mit vielen Strapazen verbunden, hat aber unserem Jubilar die Kraft gegeben, um auch heute dem Sturm der Zeit aufrecht die Stirn zu bieten.

Wilhelm von Gottbergs Tätigkeit beschränkt sich nicht nur auf die Rolle des Sprechers. In Wahrung seiner Aufgabe, das kulturelle Erbe Ostpreußens zu wahren, seinen historischen Fundus zu pflegen und vor Geschichtsklitterungen zu schützen, übt er weitere Funktionen aus. Er ist Vorsitzender der Stiftung Zukunft für Ostpreußen wie der Ostpreußischen Kulturstiftung. Er ist Vorstandsmitglied im Trägerverein Ostpreußisches Jagd- und Landesmuseum in Lüneburg, der Bruderhilfe, des Ostheims, der Stiftung Ostpreußen wie der Gierschke-Dornburg-Stiftung. Weiter ist er Mitglied im Präsidium des Bundes der Vertriebenen und seit 2008 Präsident der Generalversammlung der Europäischen Union der Flüchtlinge und Vertriebenen mit Sitz in Triest/Italien.

All diese Tätigkeiten erfordern Ausdauer, Disziplin, Einsatz, Kraft, Vertrauen und vor allem Gesundheit wie die Unterstützung durch die Familie. Gesundheit vor allem wünschen wir Wilhelm von Gottberg, damit er noch viele Jahre im Kreise seiner Familie wie der Familie Ostspreußen wirken kann. Diese Verdienste ihres Sprechers hat die Landsmannschaft Ostpreußen bereits 2005 besonders gewürdigt mit der größten Anerkennung, die sie zu vergeben hat, − dem Preußenschild!


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