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03.04.10 / Postbote Gottes und Zeuge der Auferstehung / Der Apostel Matthias war einer der besten Schüler Jesu und wurde nach Ostern in den Kreis der Apostel gewählt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-10 vom 03. April 2010

Postbote Gottes und Zeuge der Auferstehung
Der Apostel Matthias war einer der besten Schüler Jesu und wurde nach Ostern in den Kreis der Apostel gewählt

Der Apostel Matthias zählt zu den weniger bekannten Männern der ersten Stunde der Kirche. Doch seine Lebensgeschichte ist aufregend genug. Er war einer der besten Schüler Jesu zur Zeit seines irdischen Wirkens als Wanderprediger, begegnete persönlich dem auferstandenen Herrn und wurde nach Ostern in den Kreis der zwölf Apostel nachgewählt. Erfolgreich wirkte er als Missionar in vielen Ländern. Sein Grab befindet sich in Trier, übrigens das einzige Apostelgrab nördlich der Alpen.

Matthias kam nach dem Selbstmord des Judas Iskariot in den Führungskreis der zwölf ersten Apostel, der von Jesus geschulten und beauftragten Gründer der weltweiten Kirche. Im Bericht der biblischen Apostelgeschichte über die Wahl von Matthias heißt es etwas kompliziert: „Einer von den Männern, die die ganze Zeit mit uns zusammen waren, als Jesus, der Herr, bei uns ein und aus ging, angefangen durch die Taufe durch Johannes bis zu dem Tag, an dem er von uns ging – einer von diesen muss nun zusammen mit uns Zeuge seiner Auferstehung sein“ (Apg 1,21 f.).

Matthias war also in zweierlei Hinsicht für seine hohe Aufgabe als Apostel der Urkirche besonders qualifiziert. Erstens hatte er Jesus drei Jahre lang persönlich erlebt. Er war bei allen Wundern und Predigten Jesu, die wir heute in der Bibel lesen, selbst dabei. Zweitens sah er mit eigenen Augen, was Ostern geschah: Die furchtbare Kreuzigung Jesu und das Erdbeben zu seiner Todesstunde, die unglaubliche Auferstehung drei Tage später und schließlich die Ausgießung des Heiligen Geistes zu Pfingsten. Matthias war einer derjenigen, die schließlich „Feuer und Flamme“ für den christlichen Glauben waren und ihn auch unter Gefahr des eigenen Lebens verbreiten wollten. Genau das tat Matthias dann rund 30 Jahre lang. Er reiste als Gesandter – das meint das Wort Apostel –in viele Länder. Als Postbote Gottes trug er sozusagen himmlische Nachrichten aus. Seine einfache aber umwerfende Botschaft: Mit dem Tod ist nicht alles aus, wie viele bis heute „glauben“. Im Gegenteil: Mit dem Tod, so die apostolische Botschaft, beginnt für Christen ein neues und aufregendes, das auferstandene Leben. Wer Jesus in diesem Leben treu nachfolgt, der kann in einem zukünftigen Leben die „Krone des Lebens“ erhalten. „Ich lebe und Ihr sollt auch leben!“, verspricht Jesus im Johannesevangelium.

Matthias wurde Zeit seines Lebens nicht müde, als Postbote Gottes zu arbeiten. Früheste Überlieferungen aus dem 1. und 2. Jahrhundert berichten, dass Matthias in Ägypten, Äthiopien, Griechenland, der Türkei und vielleicht sogar in Kasachstan missioniert hat. Viele Menschen wurden dort Christen und gründeten die ersten Gemeinden. In der koptischen, griechischen und katholischen Kirche wird daher der Apostel Matthias als Heiliger und Kirchengründer bis heute an einem jährlichen Gedenktag hoch verehrt. Schließlich kehrte er nach rund 30 Jahren der Missionstätigkeit im Jahr 63 nach Jerusalem zurück. Kein bisschen müde geworden, predigte der sicherlich Grauhaarige immer noch begeistert von dem Auferstandenen. Viele Menschen in Jerusalem bekehrten sich, was die jüdische Gemeinschaft der Sadduzäer, die die Auferstehung bestreiten, besonders erboste. Sie verklagten ihn beim Hohepriester Ananias, der ebenfalls zu den Sadduzäern gehörte. Der Hohe Rat verurteilte den Apostel zum Tod durch Steinigung. Betend ertrug Matthias auf dem Richtplatz die Steinwürfe, sank halbtot zu Boden; ein römischer Soldat schlug ihm schließlich den Kopf ab. Daher wird Matthias auf Abbildungen bis heute mit einem Stein und einer Hellebarde dargestellt.

Zuerst wurde Matthias in Jerusalem begraben. Die Kaiserin Helena, die einflussreiche Mutter des ersten christlichen Kaisers Konstantin I., brachte seine sterblichen Überreste im vierten Jahrhundert dann nach Europa. Von Bischof Agritius von Trier wurde sein Sarg an seinen heutigen Platz überführt, wo der Heilige in der dortigen Benediktiner-Abtei St. Matthias seine letzte Ruhestätte fand. Im Mittelalter entwickelte sich das einzige Apostelgrab in Deutschland zu einem beliebten Wallfahrtsziel. Die bis heute im Rheinland weit verbreiteten Matthias-Bruderschaften geben davon Zeugnis. Das Wirken des heiligen Apostels Matthias geht also auf eigenartige Weise nach seinem Tod weiter. Der „Zeuge der Auferstehung“ ist weiter lebendig in der himmlischen Welt und wirkt auch auf der Erde. Daher pilgern bis heute Menschen nach Trier zu seinem Grab und bitten ihn um die Fürbitte beim himmlischen Vater. Im Glauben, dass Matthias auch heute besonders Kranken helfen kann, gilt er als Helfer der Alkoholkranken – eine Pilgerfahrt nach Trier wäre also vielleicht eine Möglichkeit für die vielen Alkoholkranken hierzulande, die selbst oft keinen Ausweg mehr aus dieser fürchterlichen Sucht wissen.Hinrich E. Bues


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