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03.04.10 / Mutige Überzeugungstäter / West-Agenten im Ostblock waren keineswegs erfolglos

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-10 vom 03. April 2010

Mutige Überzeugungstäter
West-Agenten im Ostblock waren keineswegs erfolglos

Friedrich-Wilhelm Schlomann, seit Jahrzehnten als Spionageexperte ausgewiesen, hat mit seinem neuen Buch „Was wusste der Westen?“ eine Bilanz seiner Kenntnisse über die Spionageaktivitäten des Westens im damaligen Ostblock vorgelegt. Das Gewerbe schottet sich auch nach Beendigung des Kalten Krieges ab. Schlomann war in der Lage, aus seinem Wissensfundus zu schöpfen, den er sich seit den 50er Jahren schuf. Komplettiert wurde dieses Wissens durch aktuelle Gespräche mit „Ehemaligen“, durch das Studium der einschlägigen Literatur und durch die Auswertung von Archivmaterialien. Was ist dabei herausgekommen? Auf jeden Fall der mehrfache Beleg dafür, dass der Westen mehr über den Osten wusste, als allgemein bekannt war und ist. Zum Beispiel auf Grund seiner überlegenen technischen Möglichkeiten, den Funk- und Telefonverkehr der anderen Seite abzuhören, durch die Installierung von „Sonden“ in der Nähe von militärischen Anlagen in der DDR und durch Aufklärung aus der Luft. Hätte der Ostblock einen Angriffskrieg beginnen wollen, wäre der Westen durch den Einsatz dieser Technik vermutlich vorab gewarnt gewesen. Zum anderen belegt Schlomann, dass „menschliche Quellen“, also Westspione im Osten, beispielsweise im Detail über militärisches Gerät und über Militär-Anlagen informierten.

Eingebunden in diese Aktivitäten waren Militärverbindungsmissionen der Westalliierten in der DDR, denen der Autor einen Abschnitt seines Buches widmet. Bürger im Ostblock, die für Westdienste spionierten, gingen ein hohes Risiko ein, das die Todesstrafe einschloss. Die Mehrheit arbeitete aus politischer Überzeugung für den Westen, weil ihnen das eigene System verhasst war. Das galt in erster Linie für Spione in der DDR, die für den BND tätig waren. So konnte Pullach zu DDR-Zeiten nach Aussagen des Autors rund 10000 Leute werben, die kurz, mittel- oder langfristig für den „Dienst“ arbeiteten. Davon wurden etwa 4000 Personen vom Ministerium für Staatssicherheit gefasst und zu teils drakonischen Strafen verurteilt. Oft erst nach langer Haftzeit konnten diese gegen Ostspione ausgetauscht oder vom Westen freigekauft werden. Besonders dunkle Kapitel sind die der „Doppelagenten“, die abwechselnd für West und Ost spionierten, und die der „Maulwürfe“, die im jeweils anderen Dienst platziert werden konnten. Schlomanns Buch ist ein Stück seines Lebenswerks und sein Beitrag im Kampf gegen das Vergessen. Ein ehemaliger Präsident des BND wünschte dem Buch eine „gute Aufnahme in der deutschen Fachwelt und Öffentlichkeit.“ Dem kann man sich nur anschließen. Peter Joachim Lapp

Friedrich-Wilhelm Schlomann: „Was wusste der Westen? Die Spionage der CIA, des britischen SIS, des französischen DGSE und des BND gegen den Sowjetblock von 1945 bis 1990“, Helios Verlag, Aachen 2009, gebunden, 200 Seiten, 19,90 Euro


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