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03.04.10 / Geglaubt / Aus der »betrogenen Generation«

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-10 vom 03. April 2010

Geglaubt
Aus der »betrogenen Generation«

„Vor Erschöpfung bleibe ich am Boden liegen. Ich will nicht mehr. Ich habe Hunger, seit drei Tagen gab es nichts mehr zu essen.“ Als Döring-Ernst v. Gottberg diese Zeilen im April 1945 in US-Gefangenschaft niederschrieb, war er 17 Jahre alt. Der im August 1927 in Stettin Geborene sieht sich selbst als Angehöriger einer betrogenen Generation. „Diese Generation umfasst die Geburtsjahrgänge von etwa 1918 bis 1930“, erklärt der Autor in seinen „Erinnerungen eines Zeitzeugen“, „also Jahrgänge, die zu jung waren, um durch eine Wahlentscheidung oder durch ihre berufliche Stellung Einfluss auf das damalige politische Geschehen nehmen zu können.“ Was jedoch nicht heißt, dass sie nicht die Folgen zu tragen gehabt hätten, wie Döring-Ernst v. Gottberg anhand seines eigenen Lebensweges belegt. „Wir Jugendlichen hatten von dem, was sich unter der Decke vollzog, natürlich keine Ahnung. Die Propaganda und die gut geführte Jugendorganisation ließen keine Zweifel aufkommen.“ Und so erinnert sich der Autor daran, wie überzeugt er von dem Regime und den durch Hitler erreichten wirtschaftlichen und sozialen Verbesserungen war. Als Jugendlicher nahm er die Repressionen kaum wahr, zumal er auch keine andere Welt kannte als diese, in die er hineingeboren war. Und so folgte er dem NS-Regime und zog für sein Vaterland, das er bedroht sah, in den Krieg.

Döring-Ernst v. Gottberg selbst überlebte die Gefangenschaft, doch Stück für Stück wurde ihm bewusst, wie viel Elend der Zweite Weltkrieg über Europa gebracht hatte. Und als er nach seiner Ausbildung als Setzer 1948 der SED beitreten sollte, um einen Studienplatz zu bekommen, verweigerte er sich. Er hatte genug von Diktaturen und machte bei Nacht und Nebel rüber in den Westen.

Am Ende seiner Erinnerungen geht der Autor auf die Ursachen des Zweiten Weltkrieges ein. Dabei wirft er der zeitgenössischen Geschichtsschreibung Schwarzweißmalerei vor. Doch auch wenn seine Kritik berechtigt ist, weist seine Begründung Schwächen auf. Bel

Döring-Ernst v. Gottberg: „Erinnerungen eines Zeitzeugen – Aufgewachsen in einer außergewöhnlichen Zeit 1927 bis 1949“, bod, Norderstedt 2009, broschiert, 107 Seiten, 7,90 Euro


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