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17.04.10 / Hollywood prägt Weltbilder / Ein Politologe hat untersucht, wie US-Filme auch die Deutschen »erziehen«

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 15-10 vom 17. April 2010

Hollywood prägt Weltbilder
Ein Politologe hat untersucht, wie US-Filme auch die Deutschen »erziehen«

Ein Blick in das Kinoprogramm unserer Zeitungen müsste jedem klar machen: Die Produktionen der US-Filmindustrie beherrschen auch die deutschen Filmprogramme. Vor allem die jungen Deutschen strömen in die Kinos und nehmen sie entweder als wertfreie lustige Unterhaltung oder als kulturell bedeutsame Aussagen zur Kenntnis. Es zeugt von politischer Naivität, dass nur wenige begreifen, was durch die Filme in die Gehirne der Zuschauer transportiert wird, und das durchaus mit Absicht.

Hier könnte ein neues Buch des deutschen Politologen Stefan Hug manche Augen öffnen: „Hollywood greift an – Kriegsfilme machen Politik“. Der Autor befasst sich zunächst mit den aus Hollywood stammenden Filmen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Schon damals gab es eine enge Zusammenarbeit zwischen den Filmgewaltigen und dem US- Kriegsministerium. Während in dem bereits vor zehn Jahren in seiner deutschen Fassung erschienenen Buch „Das andere Hollywood der 30er Jahre“ allein die intensiven Bemühungen der Produktionsfirma Warner Bros. im Rahmen der amerikanischen psychologischen Kriegführung gegen Deutschland dargestellt wurden, fasst Hug den Rahmen weiter. Hier geht es um die Gesamtbemühungen Hollywoods bis in unsere Zeit.

Über Filme werden der Öffentlichkeit Geschichtsbilder nahe gebracht. Das war in Deutschland zwischen 1933 und 1945 so – das war und ist in den USA nicht anders. Dabei ist man erfolgreicher, je weniger der Zuschauer die politische Absicht merkt. Ein treffendes Beispiel ist der Film „Casablanca“, der für deutsche Cineasten ein Kultfilm ist, obgleich er nichts ist als ein Produkt der amerikanischen psychologischen Kriegführung gegen Deutschland. Indem in ihm die Deutschen niedergemacht werden, wird ein gemeinsames Feindbild propagiert. Gleichzeitig wird die Rolle des eigenen Landes in der Weltpolitik legitimiert. Dabei bedarf es nicht immer der direkten Lenkung durch staatliche Stellen. Wenn beispielsweise antideutsche Filme ein großes Publikum anlocken, dann produziert die Filmwirtschaft sie auch ohne staatliche Unterstützung, weil sie Geld bringen. Das gilt genauso für antijapanische oder antiarabische Filme. So will man die eigene Bevölkerung „erziehen“.

Die Tendenz setzt sich bis in unsere Tage fort. In „Der längste Tag“, in dem es um die Invasion der Westalliierten 1944 geht, gibt es keinen einzigen positiv dargestellten Deutschen. Der kürzlich auch in unseren Kinos gezeigte Film „Inglourious Basterds“ zeigt in unterhaltsamer und offenbar auch amüsanter Weise, wie eine Gruppe jüdischer Soldaten der US-Armee in den Krieg geschickt wird, um so viele Deutsche wie möglich zu töten und anschließend zu skalpieren. Die Deutschen werden als Sadisten, wenn auch als charmante Sadisten, dargestellt, was einem eine solche Rolle darstellenden österreichischen Schauspieler hohe US-Ehrungen eintrug. Bemerkenswert ist, dass der Film von der deutschen Filmförderung mitfinanziert wurde.

Autor Stefan Hug konstatiert zudem, dass „im Verlauf des Filmes zwischen Deutschen und ‚Nazis‘ kaum mehr unterschieden wird, so dass der Eindruck entsteht, der Film richte sich gegen die Deutschen im Allgemeinen, die als Judenhasser und Bier saufende Sadisten dargestellt werden. Die darf man wahllos erschießen, zu Tode prügeln oder skalpieren.“

Mit Recht weist der Autor darauf hin, dass diese Art der kulturpolitischen Aktivitäten einen erheblichen Einfluss vor allem auf das jüngere und das heißt leider allzu oft: in Fragen der Zeitgeschichte kritikunfähige deutsche Publikum ausübt. Hans-Joachim von Leesen

Stefan Hug: „Hollywood greift an – Kriegsfilme machen Politik“, Ares Verlag, Graz 2010, geb., 184 Seiten, 19,90 Euro


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