27.01.2022

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08.05.10 / Präsidiale Bewältigung des NS-Unrechtes

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 18-10 vom 08. Mai 2010

Präsidiale Bewältigung des NS-Unrechtes

Auch Bundespräsident Roman Herzog setzte während seiner Amtszeit einen Markstein in Sachen Kriegsbewältigung. 1996 bestimmte er den 27. Januar, den Tag, an dem die Rote Armee das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit hatte, zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. An diesem Gedenktag, der erstmals 1959 in Israel, später auch in Großbritannien und Italien begangen wurde, werden alle öffentliche Gebäude beflaggt und die Flaggen auf Halbmast gesetzt. 2005 erklärten sich auch die UN dazu bereit, den 27. Januar international als Holocaustgedenktag zu begehen.

Und auch Bundespräsident Horst Köhler setzte in der vergangenen Woche, 65 Jahre nach Kriegsende, ein Zeichen: Als erster amtierender Bundespräsident besuchte er das ehemalige Konzentrationslager Dachau und gedachte mit Überlebenden und Angehörigen der Befreiung des Lagers durch die Alliierten. „Es war Zeit, dass der Bundespräsident nach Dachau kommt“, sagt Köhler, der betonte, dass man alles tun müsse, um dem Vergessen in Deutschland keine Chance zu geben.

Er äußerte damit eine Meinung, die in diesem Land auch von den öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen geteilt wird. Sie berichteten in diesem Jahr sehr ausführlich über die Feierlichkeiten in den jeweiligen Konzentrationslagern. Nur die Griechenlandkrise erreichte dauerhaft eine höhere Priorität als die Berichte über Ravensbrück, Mittelbau-Dora, Flossenbürg, Bergen-Belsen, Buchenwald und natürlich Auschwitz. Die bei den Feierlichkeiten anwesenden einstigen Häftlinge betonten, wie wichtig es ihnen sei, dabei zu sein, denn bald werde es keine Überlebenden mehr geben, die an ihr Schicksal erinnern.      Bel

 

Zeitzeugen

Wilhelm Pieck – Der Mitbegründer der SED war Präsident der DDR, als die Volkskammer beschloss, den 8. Mai als „Tag der Befreiung durch die Rote Armee“ zu feiern. Doch erst 1975 wurde nach Vorbild des sowjetischen „Tages des Sieges“ der Termin vom Zentralkomitee der SED zum arbeitsfreien Feiertag erklärt.

 

Georgi Konstantinowitsch Schukow – In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 nahm der Marschall als Vertreter der Sowjetunion die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht und aller Teilstreitkräfte entgegen. Der 9. Mai wurde in der Sowjetunion zum „Tag des Sieges“. 1965 wurde dieser Tag zum offiziellen Feiertag erklärt, der mit Militärparaden aufwendig begangen wird.

 

Max Mannheimer – Eigentlich hatte der Holocaust-Überlebende nie mehr deutschen Boden betreten wollen, doch inzwischen ist er eines der bekanntesten Gesichter, wenn es um die Opfer des Holocausts geht. Der 1920 in Nordmähren geborene Jude verlor fast alle seine Familienangehörigen und seine erste Frau durch das NS-Regime. Er selbst war nacheinander in den KZ Theresienstadt, Auschwitz und Dachau inhaftiert. „Ich komme als Zeuge jener Zeit in die Schulen, nicht als Richter oder Ankläger“, so Mannheimer, der seit 1946 nahe München lebt.

 

Gabi Köpp – Sie war 15 Jahre, als sie ihre Heimat in Schneidemühl in der damaligen Grenzmark Posen-Westpreußen verlassen musste. Erst jetzt hat die langjährige Dozentin am Lehrstuhl für Theoretische Physik der Technischen Hochschule Aachen in ihrem Buch „Warum war ich bloß ein Mädchen?“ berichtet, wie die als Befreier bezeichneten Soldaten der Roten Armee sie immer und immer wieder vergewaltigten.

 

Lucius D. Clay – Eigentlich hatte der US-General das deutsche Kriegspotenzial „zerschmettern“ und deutsche Kriegsverbrecher und auch den Rest der Deutschen für den Zweiten Weltkrieg büßen lassen wollen, doch dann kam alles anders: Als er 1947 Militärgouverneur der US-Besatzungszone in Deutschland wurde, zeichnete sich der Kalte Krieg ab. Clay beschleunigte nun die Demokratisierung des Westens und richtete die Berliner Luftbrücke ein.


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