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12.06.10 / Von Auslandseinsätzen geprägt / Was in den 1990ern langsam begann, bestimmt heute den Alltag der Bundeswehr

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 23-10 vom 12. Juni 2010

Von Auslandseinsätzen geprägt
Was in den 1990ern langsam begann, bestimmt heute den Alltag der Bundeswehr

Immer stärker richtet sich die Bundeswehr auf Auslandseinsätze aus. Mehr als die geänderte Bedrohungslage hat der Geldmangel die Serie der Bundeswehrreformen geprägt. Zur klassischen Landesverteidigung wäre die massiv reduzierte Truppe heute kaum mehr in der Lage.

Jahrzehntelang hat die Bedrohung durch den Warschauer Pakt das Kriegsbild der Bundeswehr geprägt. Um ihren Beitrag zur Verteidigung Westeuropas zu leisten, hatte die Bundeswehr eine halbe Million Mann unter Waffen, hinzu kamen 1,5 Millionen Reservisten. Das Heer verfügte allein über 3500 Kampfpanzer, in den Depots lagerten Ausrüstung, Waffen und Gerät in großer Menge.

Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde die aktive Truppe auf 300000 Mann reduziert. Die tatsächliche Verkleinerung war sogar noch stärker, wenn man die von der Bundeswehr übernommene „Nationale Volksarmee“ der DDR mit zuletzt etwa 150000 Mann berücksichtigt. Die Landesverteidigung blieb zunächst die Hauptaufgabe der Bundeswehr, die ab Mitte der 90er Jahre aufkommenden Auslandseinsätze spielten noch keine große Rolle. Doch das änderte sich bald.

Um die Streitkräfte der Aufgabe internationaler Krisen- und Konfliktbewältigung anzupassen, wurden sie „transformiert“ und nicht zuletzt aus finanzpolitischen Gründen immer weiter reduziert. Heute beträgt ihre Personalstärke nur noch 250000 Männer und Frauen. Waffen und Gerät sind verschrottet, verschenkt oder verkauft, die nicht mehr benötigte militärische Infrastruktur aufgegeben, die nichtaktiven Truppenteile aufgelöst, ihre Reservisten „ausgeplant“. Die Panzertruppe beispielsweise ist auf nur noch etwa 300 Kampfpanzer geschrumpft.

Der Gedanke der Landesverteidigung ist längst ad acta gelegt. Mit dieser Bundeswehr wäre sie auch gar nicht mehr möglich. Das ist politisch gewollt, denn heute steht die Einsatzorientierung im Vordergrund. Alles hat sich den Einsatzerfordernissen unterzuordnen, ob Personalplanung, Rüstungsprojekte, Verteilung der Haushaltsmittel oder der Einsatz der wenigen verbliebenen Reservisten. Sollte es jemals wieder zu einer (klassischen) militärischen Bedrohung unseres Landes kommen, wäre der personelle Auf-wuchs vorerst ein geringeres Problem, denn die Wehrersatzbehörden können vorerst noch auf hunderttausende Reservisten zugreifen. Ganz anders dagegen sieht es bei Waffen, Gerät und der militärischen Infrastruktur aus. Diese ließen sich nicht über Nacht wiederbeschaffen beziehungsweise wiederherstellen.

Doch auch die Einsatzrealität stellt die Bundeswehr vor große Probleme, nicht nur was knappe Mittel und unzureichende Ausrüstung angeht. Bei einer Truppenstärke von etwa einer Viertelmillion Soldatinnen und Soldaten scheinen aktuell knapp 7000 im Einsatz nicht viel zu sein. Doch gehen die etwa 30000 Wehrpflichtigen grundsätzlich sowie viele Zeit- und Berufssoldaten aus unterschiedlichen Gründen nicht in den Einsatz. Und da die Kontingente nach einigen Monaten ausgetauscht werden, ist der Personalbedarf über die Jahre gesehen hoch. Auf jedes Kontingent im Einsatz kommt eines in der Einsatzvor- und eines in der Einsatznachbereitung. Dadurch ist jeweils die dreifache Anzahl an Soldaten gebunden und fällt für den „normalen“ Dienst aus. Die Personaldecke ist daher dünn und die Truppe an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangt.

Nach dem jüngsten Einspar-Ukas des Kabinetts denkt Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg über die Schaffung einer Freiwilligenarmee mit 150000 Mann nach. Das wären dann endgültig keine „Vaterlandsverteidiger“ mehr, sondern „Einsatzprofis“, die kaum noch zu Hause sein dürften.          Jan Heitmann


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