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12.06.10 / Gegen Kadavergehorsam und für »Füseliergeist« / Prinz Friedrich Karl: Von ihm glaubte Moltke, dass er »einmal den alten Waffenruhmvon von Preußens Heere wiederherstellen« werde

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 23-10 vom 12. Juni 2010

Gegen Kadavergehorsam und für »Füseliergeist«
Prinz Friedrich Karl: Von ihm glaubte Moltke, dass er »einmal den alten Waffenruhm von Preußens Heere wiederherstellen« werde

Herr, dazu hat Sie der König zum Stabsoffizier gemacht, dass Sie wissen müssen, wann Sie nicht zu gehorchen haben.“ So spricht kein Kommisskopf, und in der Tat war König Friedrich Wilhelms III. Enkel Friedrich Karl Prinz von Preußen ein Gegner des Parade- und Gamaschendienstes, der „traurigen Überbleibsel der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts“. Der Sohn von Friedrich Wilhelms IV. und Wilhelms I. jüngeren Bruder Carl war deshalb nicht etwa unmilitärisch – ganz im Gegenteil: Er war durch und durch Soldat. Allerdings hatte er die Lehren der napoleonischen Erfolge verstanden und die preußische Militärreform verinnerlicht.

Im späteren Kriegsminister Albrecht von Roon hatte der am 20. März 1828 in Berlin geborene Prinz einen Erzieher von historischer Bedeutung. Es war Roon, der Friedrich Karl bewegte, als erster preußischer Prinz in Bonn zu studieren und damit eine Tradition zu begründen.

Entsprechend preußischem Brauch war der Prinz bereits als Kind Angehöriger der preußischen Armee geworden. Am Schleswig-Holsteinischen Krieg (1848–1851) nahm er im ersten Kriegsjahr im Stab des Kommandeurs der preußischen Truppen, Friedrich von Wrangel, teil. Dabei machte der Prinz das von ihm eingeforderte selbständige Denken vor. So führte er einen Gefechtsauftrag in abgeänderter Form durch, und wurde dafür nicht etwa wie Heinrich von Kleists Prinz von Homburg bestraft, sondern vielmehr mit dem Orden „Pour le mérite“ belohnt.

1849 beteiligte er sich an der Niederwerfung der Badischen Revolution, wobei er schwer verwundet wurde. Ihm wird nachgesagt, seitdem bedächtiger und überlegter agiert zu haben.

Nach diesen Kampfeinsätzen setzte Friedrich Karl seine militärische Karriere in der Armee zielstrebig und erfolgreich fort, wobei er sich militärwissenschaftlich weiterbildete. Nachdem er sich nacheinander sowohl in der 1. als auch in der 2. Gardeinfanteriedivision als Kommandeur mit seinen höheren Offizieren über Fragen der Ausbildung und des Gebrauches der Truppe überworfen hatte, ließ er sich allerdings von seiner Stellung als Kommandeur entbinden und nahm Urlaub. Er begab sich auf Bildungsreise und lernte dabei das französische Heer Kaiser Napoleons III. kennen, das damals als vorbildlich, um nicht zu sagen unschlagbar galt.

Als die preußische Armee 1859 im Zuge des Sardinischen Krieges mobil machte, erhielt Friedrich Karl das Kommando über die 3. Division in Stettin. Dort war der Prinz glücklicher als vorher mit der Garde. In Stettin konnte er seine modernen Vorstellungen und die bezüglich der französischen Armee gewonnenen Erkenntnisse in die Praxis umsetzen und auch weiter vermitteln.

Seine Vorträge und Abhandlungen waren dabei derart überzeugend, dass Adressaten sie ohne sein Wissen 1860 unter dem Titel „Eine militärische Denkschrift von P.F.K.“ veröffentlichten. Im selben Jahr wurde Friedrich Karl zum Kommandeur des III. Armeekorps ernannt.

Im Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 kommandierte Friedrich Karl zunächst die preußischen Truppen. Unter seinem Befehl gelang den Preußen die Erstürmung der Düppeler Schanzen. Zunächst war sein Chef – in dessen Eigenschaft als Oberbefehlshaber der alliierten deutschen Armee – wie weiland im Schleswig-Holsteinischen Krieg – der von ihm hoch geschätzte Wrangel. Der damals bereits 80-jährige erwies sich jedoch als den Strategien des genialen Generalstabschefs Helmuth von Moltke nicht gewachsen. Zum Glück für die deutsche Sache wurde er während des Waffenstillstandes im Mai/Juni 1864 entlassen und durch Friedrich Karl ersetzt. Das neue Gespann funktionierte ungleich besser. Begeistert schreibt Moltke: „Ich glaube, er ist der Mann, der einmal den alten Waffenruhm von Preußens Heere wiederherstellen wird.“ Nach dem Waffenstillstand gelang dann am 29. Juni 1864 der kriegsentscheidende Übergang nach Alsen. Er nahm den Dänen die Illusion, auf ihren Inseln vor den Deutschen sicher zu sein, und ließ sie kapitulieren. Nach dem Krieg trat Friedrich Karl wieder an die Spitze des III. Armeekorps.

Auch am zweiten der Deutschen Einigungskriege, dem Bruderkrieg von 1866, nahm der Prinz in führender Funktion teil. Dort kommandierte er die I. Armee und erhielt schließlich auch die Weisungsbefugnis für die Elbarmee. Bei Königgrätz griff er die österreichische Hauptstreitmacht an. Das war gewagt, denn die Preußen waren zahlenmäßig unterlegen. Jedoch konnte er sich lange genug halten, dass die schließlich eintreffende II. Armee des Kronprinzen Friedrich Wilhelm den Ausschlag zum preußischen Sieg geben konnte. Mit der gewonnen Schlacht von Königgrätz war der Deutsche Krieg zu Preußens Gunsten entschieden. Und wieder übernahm der Prinz nach Kriegsende das Kommando über das III. Armeekorps.

Im dritten und letzten Einigungskrieg kommandierte er die II. Armee. Nach den Siegen bei Vionville und Gravelotte wurde ihm zusätzlich die I. Armee unterstellt, um die letzte Feldarmee des kaiserlichen Frankreich in Metz einzuschließen und zu belagern. Einen Tag nach deren Kapitulation wurde er am 28. Oktober 1870 zum Generalfeldmarschall ernannt. Anschließend verhinderte er die Entsetzung von Paris durch die Zerschlagung der Loirearmee in der siebentägigen Schlacht von Le Mans. Dieser Sieg hatte strategische Bedeutung. Auf sich allein gestellt, musste Paris kapitulieren. Der Metropole folgte das Land.

Anders als nach den ersten beiden Einigungskriegen war es Friedrich Karl diesmal nicht vergönnt, sein gestaltendes Wirken an der Spitze des III. Armeekorps fortzusetzen. Sein Wunsch, statt dessen das Kommando über die Marine zu erhalten, blieb unerfüllt. Statt ein Kommando zu führen, musste er sich mit Inspektionstätigkeiten begnügen. Als Inspekteur der Kavallerie und der III. Armeeinspektion war ihm die Möglichkeit zum Gestalten genommen. Enttäuscht zog er sich ins Privatleben zurück, wo er nun die Erfüllung suchte, die ihm mittlerweile im Berufsleben versagt war. Er reiste viel und hielt sich häufig in seinem unweit von Potsdam gelegenen Jagdhaus Dreilinden auf. Nach vorausgegangenen Schlaganfällen setzte ein Herzinfarkt am 15. Juni 1885 seinem Leben ein Ende. Manuel Ruoff


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