28.01.2022

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12.06.10 / Leserforum

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 23-10 vom 12. Juni 2010

Leserforum

Moskaus Ostpreußen-Offerte hätte eine Chance haben können

Zu: „Das ausgeschlagene Angebot“ und „Mantel Gottes“ (PAZ Nr. 21):

Als Moskau im Sommer 1990 Verhandlungen über Ostpreußen anstrebte, hätten Bundesregierung und mediale Öffentlichkeit über ihren Schatten nationaler Befangenheit springen müssen. Es wäre riskant, aber nicht chancenlos gewesen. Deutschland schwamm doch dank Mauerfall auf einer weltweiten Sympathiewelle! Es scheiterte alles an der nach 1945 verbreiteten und um 1970 manifestierten Unfähigkeit und auch Unwilligkeit der Deutschen, sich als solidarische Nation mit spätestens bei passender Gelegenheit einzuforderndem Recht auf Selbstbestimmung zu begreifen.

Nach der Überzeugung vieler Westdeutscher und sicher auch der meisten Nachgeborenen von Vertriebenen war die Oder-Neiße-Linie als Grenze 1970 definitiv abgehakt, Schlesien und Ostpreußen als „alter Zopf“ allein Angelegenheit der Vertriebenen sowie extremistischer Rechter.

Ab Spätherbst 1989 und lange danach wurde selbst die Vereinigung von BRD und DDR aktiv fast nur von Demonstranten in Sachsen und Thüringen verfochten. Die Westdeutschen blieben, bis weit in CDU/CSU hinein, kühl bis abweisend. Dem Bundespräsidenten v. Weizsäcker, der 1985 die Vertreibung als „erzwungene Wanderschaft“ abgetan hatte, ging alles zu schnell. Daher hatte der „Mantel Gottes“ nie eine Chance, in Sachen Königsberg oder Breslau und noch nicht einmal bei Stettin, ergriffen zu werden.

Allein das unwürdige Gezerre um das Zentrum gegen Vertreibungen zeigt, dass auch in der Gegenwart niemand existiert, der gewillt wäre, nach dem Zipfel des Mantels zu haschen. Dennoch ist das pauschale „Niemals-war-es-möglich“ von „Spiegel“ & Konsorten falsch. Diese Leute hatten ja auch von 1970 bis 1990 behauptet, niemals könne das Ausland einer Vereinigung von BRD und DDR zustimmen, allein die Vorstellung sei reaktionär, utopisch, eine Lebenslüge (Willy Brandt). In Wahrheit können sie weiterhin nicht über einen tiefen Schatten von Gleichgültigkeit oder Ressentiment springen, der vor allem der ihrige ist.

Rudolf Kraffzick, Hainau

 

 

Keine neue Partei

Zu den Leserbriefen zu „Partei gesucht“ (Nr. 11):

Mit Wehmut habe ich diese beiden Leserbriefe zur Kenntnis nehmen müssen. Meine Antwort hier in aller Kürze: Bitte vergessen Sie diesen Wunsch, denn in diesem Deutschland wird es keine „echte“ rechte Partei geben – geben können. Bereits der Versuch, eine solche zu gründen, wird mit allen Mitteln, die unseren heutigen Parteien zur Verfügung stehen, bekämpft werden. Versuche gab es zur Genüge in der Vergangenheit

Mein verstorbener Mann, Prof. Dr. phil. h.c. Emil Schlee, ehemaliger CDU-Politiker, Landtagsabgeordneter in Hessen, später Landesbeauftragter für Vertriebene und Flüchtlinge im Sozialministerium Schleswig-Holstein, verließ aus tiefgreifender Enttäuschung diese Partei. Gemeinsam mit bekannten Politikern, Wissenschaftlern und auch Vertriebenen hat er mehrere Versuche unternommen, eine in Deutschland fehlende „rechte“ Partei zu etablieren. Vergeblich! Es konnte nicht sein, was nicht sein durfte!          

Helga Schlee, Raisdorf

 

 

Was v. Weizsäcker noch sagte

Zu: „,Tag der Befreiung‘“ (Nr. 18)

Gestatten Sie mir der Gerechtigkeit wegen einige Zitate aus Richard v. Weizsäckers Rede am 8. Mai 1985 im Bundestag: „Der 8. Mai ist für uns Deutsche kein Tag zum Feiern. Die Menschen, die ihn bewusst erlebt haben, denken an ganz unterschiedliche Erfahrungen zurück. Der Eine kehrte heim, der Andere wurde heimatlos. Dieser wurde befreit, für Jenen begann die Gefangenschaft. Viele waren einfach nur dafür dankbar, dass Bombennächte und Angst vorüber und sie mit dem Leben davongekommen waren. Andere empfanden Schmerz über die vollständige Niederlage des eigenen Vaterlandes. Verbittert standen Deutsche vor zerrissenen Illusionen, dankbar andere Deutsche für den geschenkten neuen Anfang. Den vielleicht größten Teil dessen, was den Menschen aufgeladen war, haben die Frauen der Völker getragen. Ihre Leiden, ihre Entsagung und ihre stille Kraft vergisst die Weltgeschichte nur allzu leicht. Sie haben gebangt und gearbeitet, menschliches Leben geborgen und beschützt. Sie haben getrauert um gefallene Väter, Söhne, Männer, Brüder und Freunde. Sie haben in den dunkelsten Jahren das Licht der Humanität vor dem Erlöschen bewahrt. Wenn aber die Völker an den Zerstörungen, den Verwüstungen, den Grausamkeiten und Unmenschlichkeiten innerlich nicht zerbrachen, wenn sie nach dem Krieg langsam wieder zu sich selbst kamen, dann verdanken wir es zuerst unseren Frauen.“  

Ilsegret Böhme, Hamburg

 

 

Noch ein Verbrechen um Katyn

Zu: „Churchill und Stain waren sich bei Katyn einig“ (PAZ Nr. 14):

Aus Ihrem Bericht geht nicht hervor, dass die verleumderische Aussage des ehemaligen Wehrmachtsoffiziers Arno Düre dazu führte, dass in Leningrad unschuldige deutsche Offiziere und Soldaten für den sowjetischen Massenmord bei Katyn verurteilt wurden und im Winter 1945/46 sieben von ihnen gehängt und drei zu 20 bzw. 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt wurden. Warum beliebt dieses Verbrechen in der PAZ unerwähnt?

Im Artikel erwähnen Sie den Warschauer Aufstand 1944 mit dessen Niederwerfung der SS-General Erich von dem Bach-Zalewski beauftragt war. Da sich der SS-Brigadeführer Borislaw Kaminsky dabei Übergriffe leistete, ließ der General ihn standrechtlich erschießen. – Oft wünscht man sich, mehr Informationen zu den Themen Verbrechen an der Wehrmacht“ zu hören.

Marg.-Elfriede Karuse, Pattensen

Anm. d. Red.: Düre gehört selbst zu den Angeklagten des Katyn-Schauprozesses. Trotz seines „Geständnisses“ das offenbar durch Folter erpresst war, bekam er 15 Jahre Lagerhaft. Die genannte Verurteilung Kaminskys trifft zu, begründet aber nicht den Schluss, dass von dem Bach-Zalewski damals Verbrechen an Zivilisten generell verhindern wollte.

 

 

Bombenabwurfplatz hätte dem Tourismus geschadet

Zu: „Katzenjammer in der ,freien Heide‘“ (Nr. 18)

In einem Leserbrief in derselben Ausgabe lassen Sie sich feiern für Ihren „Qualitätsjournalismus“. Diese Art Qualität beinhaltet jedoch, dass man ein Thema zu Ende denkt und nicht herauspickt, was einem gerade in den Kram passt. Beispiel? Ihr oben genannter Artikel.

Mein Mann und ich sind keine Postkommunisten, sondern ruheliebende Berliner, die gern in der brandenburgischen Provinz Urlaub machen oder mit ihrem Wanderverein unterwegs sind. Wir (ehemaligen West-Berliner) haben genug unter Fluglärm durch sowjetische Tiefflieger gelitten.

Das sogenannte Bombodrom wäre ja nicht ein einfacher Schießplatz, sondern wirklich ein Bombenabwurfplatz. Der infernalische Krach würde große Teile von Nordbrandenburg und Meck-lenburg verseuchen. Der mühsam aufgebaute Tourismus käme zum Erliegen.

Sie katzenjammern um die eventuell (!) entstehenden Arbeitsplätze und erwähnen mit keinem Wort die wegfallenden, eben in der Tourismusbranche. Den Leerstand von Geschäftsräumen gab es von Anfang an oder gibt es zunehmend in ostdeutschen Städten (sogar im viel besuchten Potsdam nimmt er zu).

Wittstock ist das Tor zur Prignitz und sollte daraus etwas machen. Es hat eine imposante Bischofsburg mit dem einzigen Museum des 30-jährigen Krieges in der Welt, eine vollständige Stadtmauer, schöne Ausflugsziele wie Kloster Heiligengrabe, Königsgrab Seddin (weltberühmt), Schloss Meyenburg mit einem einzigartigen Modemuseum, Schloss Wolfshagen mit einer umfassenden Porzellansammlung des Barocks, Schlossruine Freyenstein, Plau mit seinen Seen, die Müritz und die Elbtalauen und vieles mehr. Phantasie ist gefragt.

Den Bräuten und Blumen muss man nicht nachjammern, so viel wäre da nicht zu verdienen. Sie kommen heutzutage mit dem Zug oder Auto als Tagesgäste, denn man ist heute schnell hin und weg, und großartig Blumen schleppt wohl keine im Zug nach Hause mit. Der CDU-Politiker Stephan scheint ein ziemlicher Romantiker zu sein und alles durch die rosarote Brille sehend.

Sie erwähnen nicht, welche Arbeitsplätze im Falle eines Bombodroms sonst noch hätten entstehen können: Ein Freudenhaus, Kneipen, Arztpraxen und Krankenhäuser für die zunehmend Herz- und Kreislauferkrankten im Ort (Lärm macht erwiesenermaßen krank), Arbeit für Dachdecker wegen der herabfallenden Ziegel. Ich weiß, das klingt jetzt etwas zynisch. Aber wat dem een sin Uhl is dem annern sin Nachtigall. Die Nachtigall wäre in Wittstock eine schreckliche Nervensäge.         

Hannelore Reinhold, Berlin

 

 

Geschönte Zahlen – der Lastenausgleich war viel geringer

Zu: „Das Vertriebenenzuwendungsgesetz von 1994“ (Nr. 13)

Die in Ihrem Artikel über das Vertriebenenzuwendungsgesetz (VertrZuwG) von 1994 und das Lastenausgleichsgesetz (LAG) genannten Zahlen sind nicht zutreffend. Nach erstgenanntem Gesetz wurden offiziell rund 1,3 Millionen Bürger der ehemaligen DDR be-

rücksichtigt. Insgesamt wurden nicht, wie angegeben, „nur“ 2,1 Milliarden Mark ausgegeben, sondern mehr als 2,6 Milliarden Euro.

Hinsichtlich des Lastenausgleichs ist die im Artikel genannte absolute Zahl (115 Milliarden D-Mark = 69,0 Milliarden Euro) ebenfalls unrichtig. Bundesfinanzministerium (BMF) und Bundesausgleichsamt (BM) sprechen in ihren offiziellen Verlautbarungen aktuell von 68,2 Milliarden Euro (zuzüglich Verwaltungskosten) – und dennoch sind die für den Lastenausgleich genannten Zahlen viel zu hoch.

Wie ist meine Einschätzung zu erklären? Die Leistungen an die Vertriebenen sind „geschönt“. Ganz sicher wurden nur zwischen 25 und 30 Milliarden Euro Entschädigungen an die Vertriebenen gezahlt. Der Durchschnittsbetrag dürfte bei Vertreibungsschäden darum auch nicht bei dem von Andreas Kossert genannten Betrag von 10000, sondern eher bei 7500 DM gelegen haben.

Die anderen sogenannten „Lastenausgleichsleistungen“, allen voran die Kriegsschadenrente, die Ersatz für ersparte Fürsorge-/Sozialhilfeleistungen war, und die Darlehen, die zurückgezahlt werden mussten, werden von den zuständigen Stellen genannt, um die Gesamtleistungen eindrucksvoll hoch erscheinen zu lassen. Selbst Sie sprechen von dem „weiter gefassten Lastenausgleichsgesetz“, und fallen mithin auf diese Schönfärberei herein.

Noch etwas: Bis zum Auslaufen der Ausgleichsabgaben am 31. Dezember 1978 betrugen die Einnahmen des Ausgleichsfonds: 

Vermögensabgabe: 42 Milliarden D-Mark, Hypothekengewinnabgabe: 8,72 Milliarden D-Mark und Kreditgewinnabgabe 1,81 Milliarden D-Mark . Insgesamt waren dies umgerechnet 26,9 Milliarden Euro.

Interessant ist, dass die Lastenausgleichsabgaben gereicht haben, um die Leistungen an die deutschen Heimatvertriebenen zu tragen – hat sich der Staat nicht auch in diesem Punkt recht elegant aus seiner Verantwortung gegenüber den Vertriebenen gestohlen?

Nun zu der Frage, die sich Ihnen stellen wird: Woher weiß ich, was ich schreibe? Nun, ich bin Teil der angesprochenen staatlichen Stellen – ich war viele Jahre im Bundesausgleichsamt tätig und arbeite heute im Bundesfinanzministerium in jenem Referat, das für das VertrZuwG und das LAG zuständig ist.      

Name ist der Redaktion bekannt

Anm. d. Red.: Der Leser, der verständlicherweise anonym bleiben will, hat recht. Beispielsweise betrug die gesamte „Hauptentschädigung“ nur 28,3 Milliarden DM. Der Immobilienbesitz aller rund 14 Millionen deutschen Vertriebenen wurde also sogar nur mit rund 1240 DM pro Kopf entschädigt, auch wenn nicht jeder Vertriebene Immobilieneigentum hatte und es weitere LAG-Leistungen gab.

 

 

Die PAZ ist für mich ein Muss

Zu: PAZ

Über einen Freund bin ich auf Ihre Zeitung aufmerksam geworden. Zunächst war ich kritisch, ob Ihre Zeitung nicht etwa dem rechtsradikalen Spektrum zuzuordnen sei. Nach der Lektüre einer Ihrer Ausgaben waren meine Zweifel nicht nur zerstreut, im Gegenteil, ich war begeistert. In einer Zeit, in der selbst einstmals konservative Bastionen wie die „FAZ“ ins linksliberale Denken abdriften (Der Gipfel war ein Gastartikel zum 60. Jahrestag der Zerstörung Dresdens in der „FAZ“, in dem dieses Kriegsverbrechen als militärisch notwendig für den Sieg über Nazi-Deutschland begrüßt wurde. Ich habe die „FAZ“ anschließend bis heute nicht mehr angefasst), ist Ihre Zeitung für jeden Konservativen ein wohltuender Kontrast.

Zugegeben, es tut auch weh, die PAZ zu lesen, nicht etwa, weil die Artikel schlecht geschrieben sind, sondern weil Sie genau die Themen unserer Gesellschaft ansprechen, die dringend einer Änderung bedürfen. Schon oft dachte ich bei der Lektüre Ihrer Artikel, „Genau das ist der Punkt! Genau das läuft schief in diesem Land!“. Ich finde mich absolut in Ihrer Sicht der Dinge wieder. Und wäre ich nicht sowieso schon entschlossen gewesen, Ihre Zeitung zu abonnieren, habe ich auf Ihrer Internetseite den Werbebanner „Ihrem Erbe sind wir verpflichtet!“ entdeckt, wobei die von Ihnen genannten Persönlichkeiten Otto Fürst von Bismarck und Claus Schenk Graf von Stauffenberg seit je her zu meinen Vorbildern gehören. Kurzum: Ihre Zeitung ist für mich ein Muss.          

Peter Müller, Berlin

 

 

Polnische Geschichtswerke der Jahre 1945 bis 1989 sind bei weitem nicht objektiv

Zum Leserbrief „Vorgeschichte der Schlacht verschwiegen“ (Nr. 12)

Diese Ausführungen zur Schlacht bei Tannenberg sind ja haarsträubend. Welche Quellen hat er nur benutzt? Wir wissen, dass nach dem Krieg in Polen die Geschichte der Deutschen und Polen systematisch umgeschrieben wurde. Ein großer Teil der historischen Wissenschaftler in Polen wurde damals dazu benutzt, die Geschichte in eine angenehme polnische Lesart zu bringen.

Wer nicht spurte, der konnte seine Historikerlaufbahn vergessen. Es gibt heute einige, die dem Diktat der Kommunisten nicht folgen wollten und in andere Berufe abwanderten. Diese speziell polnische Geschichtsschreibung ist auch Generationen von Schulkindern nach dem Krieg weitergegeben worden, Sie kannten also nichts anderes. Deswegen haben wohl auch nicht die deutschstämmigen Aussiedler zu unseren Gruppen der Vertriebenen gefunden, weil wir als Revanchisten und Kriegstreiber in ihren Köpfen festgesetzt waren.

Vom „bösen“ Deutschen Orden haben wir aus polnischer Feder häufig gehört. Und der pommerellische Herzog war wohl slawischer Herkunft, wie mancher seiner Nachbarn auch, aber damit noch lange kein Pole.

Die weiteren ungereimten Behauptungen des Leserbriefs sind nicht wert, kommentiert zu werden. Welche Literatur wurde für diese Ausführungen benutzt? Jedenfalls arbeiten nach der Wende die jungen polnischen Historiker erfrischend objektiv die Geschichte beider Staaten auf, weil sie wissen, dass sie international bestehen müssen. Für Ideologie ist in der Historie kein Platz. Ich für meinen Teil empfehle immer bei polnischen Literaturangaben, diese von 1945 bis zur Wende ungesehen zu verwerfen, weil diese allesamt nicht den Tatsachenangaben der bestehenden Quellen entspricht.

„Eine dauerhafte Verständigung der Völker ist nur möglich, wenn eine aufrichtige Aufarbeitung der Geschichte von beiden Seiten durchgeführt wird.“

Dieses schrieb ich einem polnischen Hobbyhistoriker in das ihm geschenkte Buch zum Stadtjubiläum der Stadt Mewe an der Weichsel, die im Kreis Dirschau liegt. Er konnte es uneingeschränkt unterschreiben.

Jürgen Schultz, Soest


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