20.08.2022

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12.06.10 / Die ostpreußische Familie / Leser helfen Lesern

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 23-10 vom 12. Juni 2010

Die ostpreußische Familie
Leser helfen Lesern
von Ruth Geede

Lewe Landslied,     

liebe Familienfreunde,

es ist wirklich so, dass wir für manche Suchenden der letzte Hoffnungsträger sind, und diese Erwartungen belasten einen doch sehr. Weil man weiß, dass es schwer ist, nach über 60 Jahren noch Zeitzeugen zu finden, die alleine zu einem Erfolg beitragen könnten, wenn überhaupt. Denn oft wurden die Vorgänge schon früher verschwiegen oder verschleiert, wenn sie die betreffenden Personen belasten konnten. Das trifft vor allem auf uneheliche Geburten zu, wenn das Neugeborene schon früh zur Pflege oder Adoption fortgegeben wurde. Oft erfahren diese Kinder erst nach dem Tod der Adoptiveltern, dass diese nicht ihre leiblichen waren, und das ist dann ein großer Schock für die längst Erwachsenen. Wir haben in der letzten Zeit einige Fälle, in denen erst im späten Alter nach der leiblichen Mutter oder dem vermuteten Vater gesucht wird, veröffentlicht und kaum eine Resonanz zu verzeichnen gehabt. Oder sie ist uns nicht mitgeteilt worden, auch das gibt es nämlich. Wir hatten in einem schon länger zurück liegenden Fall die Suche nach dem österreichischen Vater eines während der Internierung in Dänemark gezeugten Kindes einer sehr jungen ostpreußischen Mutter gesucht, das schon kurz nach der Geburt von einem amerikanischen Ehepaar adoptiert worden war. Ich hatte keine Resonanz erwartet, und es kam auch keine – bis ich dann durch Zufall aus einem Telefongespräch mit einer Leserin entnahm, dass sich eine Verbindung zwischen Tochter und Vater ergeben habe – also ein voller Erfolg! Als ich die Betreffende bat, mir doch Näheres mitzuteilen, damit ich diese erfreuliche Tatsache unseren Leserinnen und Lesern mitteilen konnte, herrschte Schweigen. Vielleicht sollte diese Angelegenheit im persönlichen Bereich bleiben und nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Muss man akzeptieren – leider.

In unserem heutigen Fall liegt die Situation aber anders. Zwar spricht Herr Hartmut Preuss aus Lenne für seine Verwandten, aber er übermittelte auch das Plazet der Betreffenden, das ich dann in einem Telefongespräch noch absicherte. Und außerdem bezeugt das gleichzeitig übersandte Paket mit sage und schreibe 180 (!) Unterlagen, dass diese Verwandten – Cousin und Cousine von Herrn Preuß – mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln versucht hatten, ihren älteren Bruder zu finden oder etwas über sein Schicksal zu erfahren. Und nun liegt die Angelegenheit auf Anregung von Herrn Preuß bei uns, und so will ich versuchen, diese komplizierte Angelegenheit unseren Leserinnen und Lesern zu vermitteln

Irgendwann im Jahre 1937 gebar die damals auf dem Gut Doben, Kreis Lötzen tätige ledige Rendantin Erna Margarete Peter einen Sohn, den sie zur Adoption frei gab. Der Vater des Kindes war ihr späterer Ehemann, der Guts­inspektor Gustav Schmidt. Es gibt keine Unterlagen über Geburt und Adoption, auch der Vorname des Kindes ist unbekannt. Von der Existenz eines Bruders haben die aus der 1940 geschlossenen Ehe der Eltern stammenden drei Kinder erst im Jahre 1990 erfahren, als die Mutter auf dem Sterbebett lag. Erna sprach im Delirium immer wieder von ihrem Erstgeborenen, ohne aber Namen und Daten zu nennen. Auch die Mutter von Hartmut Preuß, Gerda Preuß geborene Peter berichtete ihrem Sohn erst 1992 kurz vor ihrem Tode von dem unehelichen Kind ihrer Schwester und bat ihn, nach diesem zu forschen. Beide, Mutter wie Tante, fühlten sich wohl ihr Leben lang von dieser verschwiegenen Geburt belastet. Denn Schwester Gerda hatte es damals im Jahre 1937, als sie mit ihrem ersten Kind im fünften Monat schwanger war, abgelehnt, das zu erwartende Kind ihrer Schwester Erna nach dessen Geburt zu übernehmen. Erna war bei Gerda Preuß auf deren Hof in Stocken, Kreis Bartenstein erschienen und sie mit den Worten „Wo Platz für ein Kind ist, kann auch ein zweites aufwachsen“ darum gebeten. Die Eltern der Schwestern, die Hofbesitzer Emma und Otto Peter aus Wiesenhausen, dürften auf keinen Fall etwas von der Schwangerschaft ihrer ledigen Tochter Erna erfahren. Gerda sollte das Kind einfach zur Pflege übernehmen. Doch diese lehnte das als unzumutbar ab, verschwieg aber wie versprochen ihren Eltern die Schwangerschaft der Schwester. Sie hat nie etwas über den Verbleib des Kindes erfahren.

Was können wir tun? Vielleicht gibt es noch Menschen aus dem Umfeld der Erna Schmidt geborene Peter, die etwas von der Schwangerschaft und der folgenden Adoption gewusst haben. Erna Peter, *15. Juli 1911 in Wiesenhausen, hatte nach Besuch der Städtischen Handelsschule in Insterburg ihre erste Stelle auf dem Gut Doben, Kreis Lötzen angetreten, das Baron Schenk zu Tautenburg gehörte. Dort lernte sie den Gutsinspektor Gustav Schmidt kennen, verlobte sich mit ihm und heiratete ihn am 27. September 1940 in Ballethen. Das Ehepaar wohnte dann nach dem Wechsel von Gustav Schmidt nach Baitenberg (Baitkowen) auf dem Gut, das im Besitz der Familie von Kannewurff war. Hier wurden auch ihre vier Kinder Dorothea – starb später bei einem Fliegerangriff–, Heidrun, Roderich und Wolfgang geboren. Das sind nur wenige brauchbare Angaben. Dass weder der Vorname, noch Geburtsort oder Datum des vorehelichen Kindes bekannt sind, macht die Suche fast aussichtslos. Einen Versuch war es uns trotzdem wert. (Ansprechpartner sind Hartmut Preuss, Bundesstraße 24 in 37627 Lenne, Telefon/Fax 05534/2458, und Roderich Schmidt, Pferdekamp 14 in 45701 Herten, Handy: 0178/1533705.)

Nun aber zu ganz anderen Dingen, denn unsere Korrespondenz weist mal wieder eine erstaunliche Bandbreite auf, weil für manche Fragen und Wünsche die Ostpreußische Familie tatsächlich der einzige Weg ist, um an die erhofften Informationen zu kommen. Unsere treuen Leserinnen und Leser sind da gerne Vermittler und weisen auf unsere Zeitung hin. So auch Herr Birth, der Frau Irene Schellstede aus Schackenthal den Rat gab, sich mit ihrem Problem an uns zu wenden. Da dieses nicht nur für sie wichtig ist, sondern mit Sicherheit auch Interessierte aus unserem Leserkreis anspricht, schlagen wir sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe. Frau Schellstede erstand kürzlich in einem Antiquariat ein sechsbändiges, in deutscher Schrift handgeschriebenes Buch über den ostpreußischen Obstanbau. Verfasser ist Herbert Reimann – im Buchinnern auch Reymann –, der wahrscheinlich zu jener Zeit an der Gärtnerlehranstalt Tapiau unterrichtete. Das Erscheinungsjahr ist unbekannt, das umfangreiche Werk dürfte um den Ersten Weltkrieg herum in langjähriger Arbeit entstanden sein. Die deutsche Schrift macht Frau Schellstede keine Schwierigkeiten, da ihre Mutter – die aus der Nähe von Canditten stammt, wie auch Herr Birth – diese noch in der Schule gelernt hat und so als „Übersetzerin“ fungiert. Frau Schellstede erstellt nun den Text im Computer und möchte dann diese Version auch an andere Interessierte gegen Erstattung der Druckkosten weiter geben. Der Haken an der Sache: Bisher hat sie nicht herausfinden können, wann und wo Herbert Reimann verstorben ist, weil sie nicht gegen das Urheberrecht verstoßen will. „Haben Sie eine Idee, wie man eine Antwort auf diese Frage bekommen kann?“, schreibt Frau Schellstede. Hier ist sie: Ich leite sie an unsere Ostpreußische Familie weiter. In Kurzform: Wer kannte Herrn Reimann von seiner Tätigkeit in Tapiau, kann seine Lebensdaten nennen und Hinweise geben, ob er Nachkommen hat und wo diese heute leben? Und ich kann nur bestätigen, was Frau Schellstede meint: „Ich finde es einfach schade, dass solche Werke ungelesen in einem Bücherschrank verschwinden, und da ich es für mich sowieso abschreibe, können ja auch andere etwas davon haben.“ (Irene Schellstede, Lindenallee 7 in 06449 Schackenthal, Telefon wochentags 034746/571780.)

Funde gibt es immer wieder und bei dem, den Herr Michael Boger bei einem Besuch in der Elchniederung machte, kommen wir schon fast an den Originaltext des Songs heran: Wunder gibt es immer wieder. Jedenfalls könnte es ein solches für die Familie aus Gilge werden, die bis zur Flucht dort gelebt hat. Im Mai weilte Herr Boger im Königsberger Gebiet und kam dabei auch in das alte schöne Fischerdorf, das man noch wiedererkennen kann und deshalb für viele Besucher einfach zum Reiseprogramm gehört, so auch für den Teilnehmer aus Rastatt. Hier machte er die Bekanntschaft einer russischen Familie, die ihm ein sehr altes Fotoalbum zeigte, denn es stammt noch aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Diese heutigen Bewohner von Gilge hatten es in einem Haus gefunden und es bis heute so sorgfältig aufbewahrt, dass dieses fast 100-jährige Album noch in einem sehr guten Zustand ist. Sie übergaben es Herrn Bogner in der Hoffnung, dass dieser die rechtmäßigen Besitzer finden würde. Nach seiner Rückkehr wandte er sich sofort an uns mit der Bitte, nach dieser Familie zu suchen, die aus Gilge stammen muss. Was die Sache erheblich erleichtert. Der Name ist bekannt. In dem Album lagen nämlich einige Ansichtskarten, die alle an „Maria Horch“ adressiert sind. Sie stammen aus dem Jahre 1912 und sind in Kiel aufgegeben. Es könnte sein, dass der Absender damals bei der Marine war. Es gilt nun diese Familie Horch aus Gilge zu finden, vielleicht sogar Nachkommen der Empfängerin Maria Horch. Wenn das eintreffen sollte, dürfte sich die Familie sehr freuen, denn diese alten Aufnahmen haben gerade für uns Vertriebene Seltenheitswert, weil nur wenige gerettet werden konnten. Ich selber besitze kein einziges Kinderbild mehr von mir, und so wird es vielen von uns Älteren gehen. Angehörige der Familie Horch sollen sich bitte bald bei Herrn Boger melden, damit er dieses Stück Familiengeschichte den rechtmäßigen Besitzern überreichen kann. Falls diese Bitte ins Leere gehen sollte, sind auch andere Niederunger angesprochen, die Hinweise geben können, ob und wo Horch-Nachkommen leben. Es wäre wirklich schade, wenn dieser wertvolle Fund nicht in die richtigen Hände käme. (Michael Boger, Bleichstraße 12 in 76437 Rastatt, Telefon 01766/3306649, E-Mail: M.Boger86@web.de)

Übrigens: Die hier gezeigte Aufnahme von Gilge stammt nicht aus dem gefundenen Fotoalbum. Es handelt sich um eine Originalpostkarte mit dem Vermerk „Echte Photografie“ von Max Irrgang, Heinrichswalde in Ostpreußen. Sie dürfte um 1930 entstanden sein und ist unbeschriftet. Ich überlasse sie gerne einem interessierten Leser.

Auch das Fotoalbum aus dem Nachlass der ehemaligen Krankenschwester Margarete Bubel, †2004 in Soltau, ist wieder in unseren Händen. Ihr Neffe Hartmut Schikowsky hatte es uns übergeben, weil das Album einige Aufnahmen aus den 30ern und den Kriegsjahren zeigt, die in ostpreußischen Krankenhäusern entstanden sind wie im Städtischen Krankenhaus und Hindenburghaus in Königsberg. Da viele Schwestern und auch Ärzte auf den Fotos abgebildet sind, hatten wir es auf Wunsch von Herrn Schikowsky unserer Leserschaft zur Verfügung gestellt. Es meldete sich nur eine Interessentin, Frau Brigitte Hagedorn, die aber leider die vermuteten Bekannten oder Verwandten nicht auf den Fotos entdecken konnte und es uns deshalb zurückgab. Das kleine Album wurde um einige noch fehlende Aufnahmen ergänzt, die Herr Schikowsky zurück­behalten hatte, um Abzüge für sein Familienarchiv zu machen, da auch Fotos aus dem Heimatort der in Pronitten geborenen Margarete Bubel sowie aus ihrem Freundeskreis zu finden sind. Ein Name taucht öfters auf, der ihrer Freundin Hilde Freder, die ihr auch das Album geschenkt hatte. Vielleicht haben Verwandte der Genannten an diesem Album Interesse, das also wieder zur Verfügung steht. Viele Aufnahmen sind allerdings nicht einzuordnen, weil sie unbeschriftet sind. Ein Bild haben wir bereits in Folge 50/09 veröffentlicht, ein weiteres wird demnächst folgen. Interessenten können sich aber jederzeit bei uns melden.

Eure Ruth Geede


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