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12.06.10 / Ein Mord zur Hochzeit Luises / Tom Wolf legt einen neuen Preußenkrimi vor, aber mit neuer Ermittlerin

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 23-10 vom 12. Juni 2010

Ein Mord zur Hochzeit Luises
Tom Wolf legt einen neuen Preußenkrimi vor, aber mit neuer Ermittlerin

Vor einiger Zeit wies die PAZ auf „Kristallklar Mord à la carte“ aus der Reihe der Preußenkrimis von Tom Wolf hin. Wem dieser gefallen hat, darf sich nun auf einen neuen spannenden Band dieser Serie freuen. In Tom Wolfs neuestem historischen Krimi „Der rote Salon“ ermittelt jedoch nicht wie gewohnt der pensionierte erste Hofküchenmeister des Preußenkönigs Honoré Langustier, sondern dessen clevere Urenkelin Gerardine.

Diese ist mittlerweile mit Jérome de Lalande, dem charmanten Ballonfahrer aus dem letzten Band, verheiratet. Ihrer Vorliebe für eigenwillige Kleidung und Kriminalfälle hat dieser Ehe jedoch keinen Abbruch getan. Und so geht sie gleich frisch ans Werk, als eine gute Bekannte von ihr, Anne de Pouquet, stranguliert im Berliner Palais Vernezobre aufgefunden wird. Eine mysteriöse Harfen-Tätowierung ziert die Schulter der Toten.

Der Berliner Polizeichef Distel verdächtigt Gerardine mit dem Mord zu tun zu haben, da sie bis kurz vor dem Mord regen Briefverkehr mit der Erdrosselten pflegte. Doch Gerardine wäre nicht Gerardine, wenn sie sich diese Vorwürfe einfach so gefallen lassen würde. Was könnte Anne de Pouquet nur verbrochen oder gewusst haben, dass man sie dafür aus dem Weg schaffen musste? Nur gut, dass die Bewohner der Stadt wegen der bevorstehenden Hochzeit des Thronfolgers mit der jungen Prinzessin Luise zu abgelenkt sind, um sich weiter für diesen Mordfall zu interessieren, so kann Gerardine in Ruhe ermitteln.

„Links tauchte endlich der Garten des Palais Vernezobre auf. Noch im ruinösen Zustand, mit den verwilderten Hecken, gab er ein herrschaftliches Bild ab, natürliches Spiegelbild einer überkommenen alten Ordnung. Hineinzugelangen war nicht schwer: Eine große Lücke klaffte in der ohnehin niedrigen Einfriedungsmauer … Im Schutz eines dicken Ulmenstammes beäugte ich das große alte Haus, das jetzt nur noch einen Steinwurf entfernt lag. Alles schien ruhig und unbelebt. … Ich hüpfte über das Schneefeld des einstigen Zierrasens, der jetzt eher einer holprigen verschneiten Kuhweide glich, zur rückwärtigen Tür. Es gab zwei davon, doch die linke war vernagelt, wie ich im Laufen sah. Mein Herzschlag glich einem Trommelwirbel, als ich die Klinke drückte. Die Kirchenglocken läuteten. Punkt zehn. Hatte de Paul Wort gehalten?“

Tom Wolfs detaillierte Beschreibungen des Umfeldes und der Erlebnisse entführen den Leser auf eine Zeitreise ins 18. Jahrhundert. So auch die Beschreibung der Hochzeit des preußischen Thronfolgers mit Prinzessin Luise. „Sie schritten durch die Tür links vom riesigen offenen Kamin herein, in dem ein Höllenfeuer unterhalten wurde, das die Temperatur im Raum dennoch kaum mehr als ein Grad Reaumur über der des Schlosshofes zu halten vermochte. Braut und Bräutigam machten die Honneurs und kamen auch bei uns vorbei. Mir verschlug es den Atem, als sie sich näherten. Die künftige Kronprinzessin überstrahlte alle! Ihr Ausschnitt war mit Diamantrosetten gesäumt! … Mir wurde ganz blümerant, als ich diesen kleinen Läufer aus Brillanten unmittelbar vor mir strahlen sah.“

Mit „Der rote Salon“ ist dem Autor Tom Wolf mal wieder ein locker-leichter, mehr auf Unterhaltung als auf historische Genauigkeiten Wert legender Preußenkrimi gelungen. Stück für Stück kommt der Leser an der Seite der eigensinnigen und klugen Gerardine dem Mörder auf die Schliche. Aber handelt es sich bei dem Mörder wirklich um eine einzelne Person oder steckt vielleicht ein ganzer Geheimbund hinter der fürchterlichen Tat?       Vanessa Ney

Tom Wolf: „Der rote Salon – Gerardine de Lalande ermittelt“, be.bra, Berlin-Brandenburg 2010, geb., 268 Seiten, 16,95 Euro


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