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04.09.10 / Tut Gutes und redet drüber / Berlin will seine Millionäre zum Spenden animieren

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 35-10 vom 04. September 2010

Tut Gutes und redet drüber
Berlin will seine Millionäre zum Spenden animieren

Oliver Friederici (CDU), Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, stellte vor zwei Jahren eine kleine Anfrage im Parlament, wie viele Einkommensmillionäre es in der Hauptstadt gebe. Die Antwort ergab für 2005 ganze 368, für das Folgejahr aber schon 404. Die neueste Zahl für 2007 weist sogar 562 Einkommensmillionäre aus. Wirtschaftsexperten sehen den Zuwachs indes nicht als Erfolg der rot-roten Regierung, sondern begründen ihn mit dem Hauptstadtcharakter. 

Die vielen Millionäre sollen sich stärker engagieren und mehr spenden, wünschen sich Berliner Politiker. Dabei sollten sie ruhig mehr über ihre Spenden sprechen, empfiehlt Monika Helbig, Senatsbeauftragte für bürgerschaftliches Engagement. Statt „Diskretion an der falschen Stelle“ sollten sie die Hauptstädter wissen lassen, wie großzügig die Millionäre sind. Und damit Nachahmer zu animieren, so das Kalkül. Indes: Der bisherige Umgang mit spendablen Millionären, beispielsweise dem Berliner Hans Wall, zeigt, dass die Stadt auch selbst an ihrer Spendenkultur arbeiten muss. Wall will für den Wiederaufbau der historischen Bauakademie viel Geld geben. Der scheitert bisher aber an den wenig vorteilhaften Nutzungsbedingungen für Investoren durch die Stadt. Damit vermittelt Berlin die Botschaft, weder das Projekt noch die Spende zu wollen.

Die Steuerpolitik hält zudem reiche Zuzügler fern: Eine hohe Grunderwerbssteuer macht Berlin als neuen Wohnsitz unattraktiv. Potenziell spendenbereite Großverdiener stoßen sich zudem an der geringen Eigenleistung der Stadt, die zu starken sozialen Gegensätzen beitrage.

Klaus Wowereits Losung „arm aber trotzdem sexy“ lockt reiche Spender zudem kaum, ebenso wenig wie nächtliche Brandanschläge auf ihre Edelkarossen. Die gibt es in Hamburg auch, dennoch hat die Stadt rund 600 Einkommensmillionäre bei gut halb so vielen Einwohnern.

Neben der Schwäche der Berliner Wirtschaft macht der Stadt das Fehlen „alten Geldes“ zu schaffen: Alteingesessene Vermögende zogen nach dem Krieg weg, kehrten bisher selten wieder. Gerade die Zahl derer, deren jährliches Einkommen zwar nicht in Millionen zählt, die aber auf ein millionenschweres Vermögen blicken, ist in Berlin auffällig gering – auch im europäischen Vergleich. Laut Berliner Volksbank waren das 2008 rund 10000 Menschen. SV


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