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04.09.10 / Mitreißender Aufruf / Jugendrichterin Heisig steckte kurz vor ihrem Freitod noch voller Pläne

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 35-10 vom 04. September 2010

Mitreißender Aufruf
Jugendrichterin Heisig steckte kurz vor ihrem Freitod noch voller Pläne

Nur zweieinhalb Stunden, nachdem die Leiche von Kirsten Heisig gefunden worden war, verkündete Berlins Justizsenatorin Gisela von der Aue die Todesursache: Die streitbare Jugendrichterin habe Suizid begangen, so die SPD-Politikerin.

Auch wenn die spätere Obduktion diesen raschen Befund bestätigt haben soll – viele Menschen, auch aus der persönlichen Umgebung von Heisig, haben mit der offiziellen Erklärung ihre Probleme. Die dürften sich nach der Lektüre von Heisigs erst kurz vor ihrem Tod fertiggestellten Buch noch vertiefen.

Was jetzt wie ihr Vermächtnis erscheint, ist die Streitschrift einer hoch engagierten Frau, die noch sehr viel vorhatte, die voller Pläne und Ideen steckte und „vorne“ mit dabei sein wollte, wenn es darum ging, ihre Vorschläge umzusetzen. „Es ist ... notwendig, eine ehrliche Debatte jenseits von Ideologien zu führen. Sie wird kontrovers, wahrscheinlich auch schmerzhaft sein. Deutschland wird sie aushalten – und mich auch.“ Mit diesen Worten endet „Das Ende der Geduld − Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter“.

Was uns die 1961 geborene Richterin mitzuteilen hat, wirkt wie Salz in die von der laufenden Sarrazin-Debatte aufgerissene Wunde. Zwar geht es Kirsten Heisig um Jugendgewalt allgemein am Beispiel Berlins, wobei sie deutsche Täter selbstverständlich nicht ausspart. Doch sie lässt keinen Zweifel am Zusammenhang zwischen Immigration, gescheiterter, vor allem aber: verweigerter Integration und der dramatischen Häufung von teilweise schwerster Kriminalität im Milieu bestimmter Zuwanderergruppen. Unter ihnen stechen laut Heisig neben südosteuropäischen Zigeunern (Roma) vor allem Kinder und Jugendliche aus muslimischen Ländern heraus.

Wobei auch hier noch einmal zu differenzieren sei. Über ihren Zuständigkeitsbereich Berlin-Neukölln, einem Bezirk mit 300000 Einwohnern, schreibt sie: „Schwerkriminelle, die häufig 30 und mehr erhebliche Taten (im Jahr, d. Red.) aufweisen, haben zu 90 Prozent einen Migrationshintergrund, 45 Prozent sind ,arabischer‘ Herkunft, 34 Prozent haben türkische Wurzeln.“ Das obwohl gegenüber 40000 Türken nur 10000 Araber in Neukölln lebten.

Heisig stellt in ihrem Buch auch das „Neuköllner Modell“ vor, mit dem auf ihre Initiative versucht wird, durch bessere Koordinierung der verschiedenen Stellen die Dauer bei Jugendverfahren deutlich zu verkürzen. Vor allem aber setzt die Autorin darauf, die Jugendhilfe zu verstärken und zu verbessern, um kriminelle Karrieren, die oft im Kindesalter beginnen, frühzeitig zu stoppen. Sie deutet hierbei auf gravierende Schwachstellen bei den Jugendhilfen hin.

Ein schlechtes Licht fällt indes auch auf die Eltern der Immigrantenkinder. Oft kümmerten sie sich weder um die Schulbildung der Kinder, ja bestärkten sie, einmal straffällig geworden, noch. Schnell seien sie dann mit der Behauptung bei der Hand, die deutschen Behörden seien „fremdenfeindlich“.

Die mangelnde Kooperation der Eltern mit Schulen und Behörden demonstriert Heisig an etlichen Beispielen, die sprachlos machen. Das Abgleiten in die Kriminaltät beginne in aller Regel mit notorischer Schulschwänzerei. Heisig gelingt es in ihrem Buch weder zu pauschalisieren, noch schönzureden. Das macht ihr Werk zur fundierten Grundlage für jeden, der in der Debatte mitreden will. Hans Heckel

Kirsten Heisig: „Ende der Geduld − Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter“, Herder, Freiburg 2010, geb., 208 Seiten, 14,95 Euro


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