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16.10.10 / Typisch preußische Erfolgsgeschichte / Ehrhardt Bödeckers Brandenburg-Preußen Museum in Wustrau wird zehn Jahre alt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 41-10 vom 16. Oktober 2010

Typisch preußische Erfolgsgeschichte
Ehrhardt Bödeckers Brandenburg-Preußen Museum in Wustrau wird zehn Jahre alt

Vor zehn Jahren gründete Ehrhardt Bödecker in Wustrau das Brandenburg-Preußen Museum – eine kleine, aber feine preußische Erfolgsgeschichte.

Dies hier sei halt „meine Yacht im Mittelmeer“. Da lässt man sich gern einmal mit an Bord nehmen, zumal wenn der „Kapitän“ höchstpersönlich erklärt, was es mit diesem etwas verblüffenden Vergleich auf sich hat: Viele seiner ehemaligen Kollegen fänden das Glück ihres Ruhestands darin, auf höchstem Niveau zwischen St. Tropez und Monte Carlo dahinzuschippern. Er aber habe statt der Freuden der christlichen Seefahrt ein ganz anderes Hobby, und dafür sei er hier im brandenburgischen Wustrau vor Anker gegangen.

Der ältere Herr, der uns schmunzelnd diesen „Schwank aus meinem Leben“ erzählt, ist Ehrhardt Bödecker, ehemaliger Inhaber einer Berliner Privatbank, Jahrgang 1925. Mit 70 war er nach langen, höchst erfolgreichen Berufsjahren in den Ruhestand getreten, um sich endlich seinen großen Lebenstraum zu verwirklichen: in aller Öffentlichkeit das schlechte Bild der Idee Preußen zurechtzurücken. Und so kam es, dass seine „Luxusyacht“ Brandenburg-Preußen Museum heißt, in das er neben zahlreichen kostbaren Sammlerstücken glatte sieben Millionen D-Mark investierte.

Warum aber ausgerechnet Wustrau, dieser Ortsteil der Gemeinde Fehrbellin, gut 70 Kilometer nordwestlich von Berlin? Seine Bedeutung für die brandenburgisch-preußische Geschichte ist sehr überschaubar. Erwähnenswert ist vor allem, dass der preußische Husarengeneral Hans-Joachim von Zieten hier 1699 geboren und 1786 beigesetzt wurde.

Ursprünglich wollte Bödecker seinen Preußentraum in Berlin umsetzen. Eine über 100 Jahre alte Festungsruine in Spandau wäre der ideale Rahmen für sein Projekt gewesen. Von Anfang an aber gab es Probleme mit Verwaltung und Politik. Die Beamten wollten Bödeckers Museumskonzept im Sinne des antipreußischen Zeitgeistes umschreiben. Und die damals in der Hauptstadt noch regierenden Christdemokraten ließen verlauten, sie wollten in „ihrem“ Berlin überhaupt kein derartiges „Museum von Preußens Glanz und Gloria“.

Im brandenburgischen Wustrau hingegen nahm man den Museumsgründer ohne Vorbedingungen auf und hielt sich – im Gegensatz zu Eberhard Diepgens Berliner CDU – strikt an den Wortlaut des Grundgesetzes: „Eine Zensur findet nicht statt.“ Kontroverse Diskussionen gab es allenfalls über das zu verwendende Baumaterial – Putz oder Ziegel?

Ohnehin hatte Bödeckers Konzept mit „Glanz und Gloria“ nichts zu tun (was die Berliner Politiker nicht wissen konnten, weil sie dieses Konzept überhaupt nicht zur Kenntnis genommen hatten). Im Gegenteil: Der pensionierte Bank-Chef wollte gerade jene Seiten der preußischen Geschichte hervorheben, die in den letzten Jahrzehnten im Guten wie im Schlechten zu kurz gekommen waren. So verzichtete er weitestgehend darauf, die militärischen Leistungen Preußens darzustellen.

Gut drei Jahre dauerte die Bau- und Einrichtungsphase. Auch jetzt bewies Bödecker echte preußische Gesinnung. Er begnügte sich nicht damit, das erforderliche Geld zur Verfügung zu stellen und die immer noch glänzenden Kontakte aus seinem Berufsleben in den Dienst des Gründungsprojekts zu stellen, sondern brachte sich auch immer wieder ganz persönlich ein. Nur selten dürfte ein Bauherr so oft und regelmäßig auf seiner Baustelle zu sehen sein wie Bödecker in diesen drei Jahren – nicht selten übrigens mit irgendeinem Werkzeug in der Hand. Beispielsweise ist die äußere Fassadengestaltung bis hin zur Farbgebung der Ziegel das ureigene Werk Bödeckers und seiner Ehefrau Anneliese.

Vor genau zehn Jahren, im Herbst 2000, also kurz nach dem 75. Geburtstag des Gründers und kurz vor dem 300. Jahrestag der Krönung des ersten Königs in Preußen, war das Werk vollendet. Das Brandenburg-Preußen Museum in Wustrau öffnete seine Pforten. Aufmerksame Besucher entdeckten auf den rund 350 Quadratmetern Ausstellungsfläche mancherlei Hinweis auf die frühere Tätigkeit des Gründers. Ebenso anschaulich wie informativ wird dargestellt, wie Preußen und das von ihm dominierte deutsche Kaiserreich es zu so erstaunlicher wirtschaftlicher und finanzieller Blüte bringen konnten: Basis war eben die typisch preußische Gesinnung, abgeleitet aus der Aufklärung Immanuel Kants, staatsrechtlich umgesetzt von den großen Reformern wie Karl Freiherr vom und zum Stein oder Karl August Fürst von Hardenberg, dem Volk vermittelt von bedeutenden Pädagogen wie August Hermann Francke und praktiziert von Herrschern in der Tradition Friedrichs des Großen.

Hier sieht Bödecker die „Keimzelle des wahren Preußentums“, eine Sichtweise, an der er die Besucher seines Museums ausgiebig teilhaben lässt. Was er da – ohne oberlehrerhaftes Gehabe – an Zahlen und Fakten präsentiert, ist immer wieder überraschend; der Satz, den man am häufigsten von Besuchern hört, lautet: „Das habe ich ja gar nicht gewusst …“

Erfreulich viele dieser Besucher – in den nunmehr erfolgreich vollendeten ersten zehn Jahren weit über 100000 – sind jüngeren Alters. Denn weit überregional ist das Brandenburg-Preußen Museum Wustrau ein beliebtes Ziel für Schulklassen. Und oft genug genießen sie ein Privileg, das nur in wenigen Museen geboten wird: Der nette alte Herr, der mit so viel Temperament die Schüler durch die Säle mit den Exponaten führt, ist kein Geringerer als der Herr Museumsdirektor persönlich.

Den runden Geburtstag seines Lebenstraums erlebt Ehrhardt Bödecker im stolzen Alter von 85 Jahren. Aber unermüdlich ist er bedacht, den direkten Kontakt mit den Besuchern – vor allem den jüngeren – zu halten. Und ebenso unermüdlich und unerschrocken stellt er sich auch kritischen Diskussionen. Dass seine Auffassung, die Zerschlagung der Idee Preußen durch die Sieger des Zweiten Weltkriegs sei „eine europäische Tragödie“, nicht überall auf Zustimmung stößt, überrascht nicht. Da muss es sich auch eine so verdienstvolle Persönlichkeit gefallen lassen, von politisch korrekten Vergangenheitsbewältigern – zugleich Opfer und Mittäter der antipreußischen Gehirnwäsche namens „reeducation“ – als Revisionist und „rechter Ultra“ diskriminiert zu werden.

Doch der „Bilderbuch-Preuße“, wie ihn diese Zeitung anlässlich seines 80. Geburtstags tituliert hatte, lässt sich von solchen Anwürfen nicht einschüchtern. Er hält sein Museum, dessen Zukunft er durch die Gründung einer Stiftung langfristig gesichert hat, inhaltlich weiter auf klarem Kurs – eben „typisch preußisch“. Hans-Jürgen Mahlitz


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