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06.11.10 / Zwei Mal gestorben / Forensikerin löst Mordfall

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 44-10 vom 06. November 2010

Zwei Mal gestorben
Forensikerin löst Mordfall

Die sogenannten „autoerotischen“ Unfälle gehören sicher zu den pikantesten Dingen, die einem Menschen „zustoßen“ können. Besonders unangenehm ist es jedoch, wenn diese auch noch tödlich enden. Der etwa 60-jährige Mann, der in dem Krimi „Blut vergisst nicht“ der fleißigen US-Autorin Kathy Reichs in einem selbst genähten Plastiksack in Damenunterwäsche und Schwesternhäubchen tot aus einem See in der Nähe von Montreal gefischt wird, scheint auf den ersten Blick bei einem solchen „autoerotischen Selbsttötungsunfall“ ums Leben gekommen zu sein. Doch wie so häufig trügt der Schein.

Die Forensikerin Tempe Brennan kann die Leiche schnell und vor allem eindeutig als James Lowery identifizieren. Nun wird es spannend, denn laut seiner Akte ist der Soldat James Lowery bereits seit 1968 tot. Seine Leiche wurde nach einem Hubschrauberabsturz im Vietnamkrieg geborgen und offiziell beigesetzt.

Es scheint nur eine Möglichkeit zu geben, diesen mysteriösen Fall zu lösen: Es gilt die Leiche des Verstorbenen zu exhumieren und zu klären, wer damals an Stelle des totgeglaubten Soldaten beigesetzt wurde. Dies soll sich jedoch als alles andere denn leicht erweisen.

„Ich wies den Baggerfahrer an, zurückzufahren, und die Friedhofsarbeiter, in Aktion zu treten. Die Männer nahmen ihre Schaufeln zur Hand, sprangen ins Loch und begannen, Erde aus dem Grab zu schaufeln. Binnen Minuten kam ein Sarg zum Vorschein. … Auf dem smaragdgrünen Gras in der warmen Frühlingssonne wirkte der Sarg beklemmend und unpassend.“ Um die Leiche genau untersuchen zu können, muss Tempe Brennan deren Abtransport ins Central Identification Laboratory, dem größten Forensiklabor der Welt, auf die schöne Insel Hawaii folgen. Tempes Hoffnung, auf Hawaii in Ruhe ihre Untersuchungen durchführen zu können, soll sich jedoch bald zerschlagen, denn Lowerys Spur führt nicht von ungefähr mitten auf diese Inselkette im Pazifischen Ozean.

Die US-Bestsellerautorin Kathy Reichs hat mit ihrem neuesten Thriller um die Arbeit der mutigen Forensikerin Tempe Brennan zum wiederholten Male einen spannenden Plot konstruiert. Doch wo die vorhergegangenen Thriller wie „Knochenlese“, „Mit Haut und Haar“ und „Durch Mark und Bein“ durch die fesselnde Mischung aus dramatischer Handlung und den Erlebnissen der forensische Anthropologin Tempe Brennan bestachen, stoßen dem Leser in „Blut vergisst nicht“ häufig die ausschweifenden Erzählungen der Autorin über unwichtige Details und Erläuterungen von Begriffen wie „Medical Examiner“ unangenehm auf.

Auch die permanente Wiederholung von Abkürzungen, Kürzeln oder Ziffernbezeichnungen wie zum Beispiel JPAC, CILHI und POW/MIA tragen nicht zur Steigerung der Spannung bei. Man hat das Gefühl, als wollte Kathy Reichs als Autorin (und ihres Zeichens Professorin für Anthropologie an der University of Carolina) nicht nur ihre Studenten, sondern auch noch ihre Leserschaft ausführlich in die Geheimnisse der Anthropologie einweihen.    Vanessa Ney

Kathy Reichs: „Blut vergisst nicht“, Blessing, München 2010, gebunden, 384 Seiten, 19,95 Euro


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