18.06.2024

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
04.12.10 / Der Startschuss ist gefallen / Berliner Schloss: Baubeginn früher als geplant – erste Arbeiten schon 2012, fertig 2019

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 48-10 vom 04. Dezember 2010

Der Startschuss ist gefallen
Berliner Schloss: Baubeginn früher als geplant – erste Arbeiten schon 2012, fertig 2019

Das Berliner Schloss wird ab 2012 und nicht erst ab 2014 Gestalt annehmen. Immer mehr und immer größere Spenden zeugen von der breiten Unterstützung für das Projekt eines Wiederaufbaus der 1950 auf Anordnung der DDR-Machthaber abgerissenen einstigen Hohenzollern-Residenz.

Der Bundestagsbeschluss zur äußeren Rekonstruktion des Berliner Schlosses als „Humboldtforum“ geht konkret der Umsetzung entgegen. Vor wenigen Tagen kündigte Rainer Bomba (CDU), Staatssekretär im Bundesbauministerium, die Eröffnung für 2019 an (die PAZ berichtete). Demnach erfolgt 2013 der erste Spatenstich.

Noch im Juni hatte der Bund einen zeitigen Start eigentlich aus Spargründen verschoben. Doch seit die Arbeiten an der U-Bahn 5 laufen, ist klar: Jede Verzögerung beim Schloss und eine damit verbundene Trennung beider Vorhaben kostet extra.

Erst diese Einsicht bei den Verantwortlichen bringt das Projekt nun zügig voran. Motor des Aufbaus ist Wilhelm von Boddien (Jahrgang 1942). Er rief 1992 den „Förderverein Berliner Schloss“ ins Leben, sammelte trotz Rückschlägen Spenden und ebnete den Weg für die Gründung der „Stiftung Berliner Schloss“.

Die Stiftung treibt unter Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und mit Mitteln des Bundesverkehrsministeriums als staatliches Gegenstück zum Förderverein den Bau voran.

Passend zum neuen Zeitplan überträgt der gebürtige Pommer Boddien Fassadenschmuckteile an die Stiftung. Noch vor kurzem musste er sich Kritik anhören, diese vorlagengetreuen Teile in Auftrag gegeben zu haben, angeblich zu früh, zu eigenmächtig. Nun sind die von Steinmetzen gefertigten ersten rekonstruierten Fassadenstücke hochwillkommen. Kapitelle, steinerner Blumenschmuck, Adler, Widderköpfe und Löwen gehen jetzt an die Stiftung. Die neue Entwicklung beurteilt der Bundesverdienstkreuzträger positiv: „Es geht voran, es wird gebaut – allen Unkenrufen zum Trotz. Wir haben die Zusage der Bundesregierung, dass Mitte 2012 die Bauarbeiten beginnen.“

Dass Bund wie Berlin doch früher mit dem Bau anfangen, wirkt sich positiv auf die Kosten aus. Wenn das Schloss getrennt von der gerade im Bau befindlichen U-Bahn darunter gebaut würde, müsste der U-Bahn-Tunnel eigens für rund 30 Millionen Euro verstärkt werden, so von Boddien. Doch mit der jetzigen Planung wird der Tunnel in die Statik des Baus einbezogen. „Die Leute gucken nur auf die Kosten, nicht auf die Einsparungen“, kritisiert der Mäzen. Die Aktivitäten der Schloss-Gegner beobachtet er daher kritisch.

Die „Berliner Zeitung“ beispielsweise beziffert die Kosten laut „vertraulichen Unterlagen“ aktuell mit 582 Millionen Euro. „Bau des Stadtschlosses wird teurer“, so das Blatt, denn ursprünglich seien 552 Millionen veranschlagt gewesen. „Die Rechnung beruht auf dem Baukostenindex von 2007“, kritisiert von Boddien, doch „seriös arbeiten heißt, aktuelle Indizes nutzen“. Der vermeintliche Kostenanstieg ist demnach inflationsbedingt.

Mit den Zuwendungen von privaten Gebern ebenso wie von Institutionen und Firmen ist Wilhelm von Boddien hingegen zufrieden: „Wir liegen bei 14,5 Millionen Euro Festeinnahmen und weiteren zehn Millionen Euro in Form von Zusagen. Das ist deutlich besser als das, was zum Start des vergleichbaren Vorhabens, die Frauenkirche in Dresden wiederzuerrichten, 2003 vorlag. Ich bin daher optimistisch.“ Auch die Frauenkirche war finanziell wegen der Verwendung von Steuergeldern umstritten. Doch von den nötigen 180 Millionen Euro brachten Spender am Ende rund 115 Millionen auf. Der Effekt: Über zehn Millionen Menschen besuchten seit 2005 den prächtigen Barockbau. Schon während des Wiederaufbaus stiegen die Touristenzahlen deutlich, und weltweite Aufmerksamkeit für die Stadt gab es obendrein.

Nicht nur ideell können historische Rekonstruktionen, wie sie auch der Schloss-Plan des verantwortlichen Architekten Franco Stella weitgehend vorsieht, ein Erfolg sein. „Niemand hätte gedacht, dass wir jemanden finden, der über Nacht 4,5 Millionen Euro gibt“, sagt Wilhelm von Boddien zur gerade eingegangenen größten Einzelspende. Für die Kuppel haben ebenfalls bereits ein Unternehmen und ein Verband Spendenbereitschaft gezeigt. Möglichst originalgetreues Bauen ist für Boddien eine Frage der Glaubwürdigkeit: „Wenn das Schloss fertig sein wird, werden alle Fassaden wiederhergestellt. Alles andere würde Spender abschrecken.“ Er habe eine entsprechende Zusage der Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum: „Manche Teile werden allerdings vielleicht erst 2020 fertig sein. Wenn man bedenkt, dass am Original, dem eigentlichen Schlossbau, von 1699 bis 1716 gebaut wurde, ist das jetzige Vorgehen auch unter Zuhilfenahme moderner Technik eine große Leistung.“

Zum Innenleben des Humboldtforums ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Doch: „In vielen Bereichen ist das Innere so angelegt, dass kommende Generationen die Option zum Weiterbau haben“, so Wilhelm von Boddien. Momentan sei dies politisch nicht durchsetzbar, wegen der milliardenschweren Kosten. Das Museum erfordert aber flexible Innenwände für wechselnde Konzepte. Trockenbauwände ließen sich künftig leicht entfernen. Manche Räume werden sich in ihrer Größe an den Originalen orientieren. „Künftige Generationen können dann weiterbauen“, so der Mäzen – das Schloss bleibt ein Projekt ohne Endgültigkeit. Sverre Gutschmidt


Artikel per E-Mail versenden
  Artikel ausdrucken Probeabo bestellen Registrieren