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04.12.10 / Viel Lärm um nichts / Wie Medien gegen einen Bischof Stimmung gemacht haben

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 48-10 vom 04. Dezember 2010

Viel Lärm um nichts
Wie Medien gegen einen Bischof Stimmung gemacht haben

Keine drei Jahre nach dem Amtsantritt des relativ jungen Bischofs von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst (50), soll es dort einen neuen Kirchenskandal geben. Von einer teuren Bischofsresidenz und noblen Dienstwagen, von „klerikalem Dünkel“, „selbstverliebten Ritualen“ und „eigenmächtigem Handeln“ schrieben „Bild“ und „Spiegel“. Ein „Brandbrief“ von 20 Priestern soll kursieren, berichtet die Internetseite „mittelhessen.de“. Auch der private Verein „Wir sind Kirche“ schloss sich der Bischofskritik an, bemängelte dessen Lebensstil und Amtsführung. Den Kirchenkritikern ist ein Dorn im Auge, dass Tebartz van Elst den geweihten Priestern die zentrale Rolle in der Seelsorge zuweist. Die sogenannten Kirchenreformer fühlten sich auch besonders mit dessen Vorgänger, Bischof Franz Kamphaus (77), verbunden, der sich jahrelang den päpstlichen Weisungen in der Abtreibungsfrage widersetzt hatte.

Zwei Wochen nach den ersten Veröffentlichungen stellt sich die Frage, was ist dran an den breit publizierten Vorwürfen? Anders als im Bistum Augsburg, wo vor Jahresfrist der bischöfliche Pressesprecher allzu schnell dementierte und hinterher bestimmte Sachverhalte einräumen musste, reagierte die Limburger Pressesprecherin Patricia Arndt abwartend. Der angebliche Brandbrief „habe den Bischof noch nicht erreicht“, teilte sie mit. Man wolle den Vorwürfen erst genauer nachgehen und sich dann konkret äußern.

Von dem medial aufgebauten Szenario eines „Priesteraufstandes“ blieb nur wenige Tage später fast nichts übrig. Der angebliche „Brandbrief“ stammte von einem einzelnen Priester, dem 73-jährigen Hubertus Janssen, der am 1. Dezember in den Ruhestand ging. Bis auf einen namentlich bekannten Priester blieben die 18 weiteren Unterstützer unauffindbar. Der für zehn Millionen Euro zu renovierende Bischofssitz in Limburg war schon unter der Ägide von dessen sparsamem Vorgänger in Auftrag gegeben worden. Auch der kritisierte Dienstwagen („mit abgedunkelten Scheiben“) sei schon vom Vorgänger über einen Leasingvertrag bestellt und auch genutzt worden, ließ der Generalvikar des Bistums mitteilen. Der jetzige Bischof habe also mit beiden Entscheidungen nichts direkt zu tun gehabt.

Eine Woche nach der ersten Publizierung der Vorwürfe äußerte sich der Bischof selbst in einem Interview mit der „Rheinzeitung“. Er habe die Kommunikation mit den Gremien im Vergleich zu seinem Vorgänger sogar noch ausgebaut und folge deren Empfehlungen „zu 90 Prozent“. Nur in einem Fall habe er anders entschieden, was als „eigenmächtig“ ausgelegt werde.

Dass ein Bischof, der täglich viele Termine und „Visitationen“ zu absolvieren habe, einen Dienstwagen brauche, sei unumstritten und sein Vorgänger habe das nicht anders gehandhabt. Die genauen Baukosten des Neubaus auf dem denkmalgeschützten Gelände des Limburger Domberges seien noch unbekannt und die kolportierten zehn Millionen Euro frei erfunden. Der Bischof werde auf dem Domberg eine Wohnung von 100 Quadratmetern beziehen, was im Vergleich zu anderen Bischofswohnungen relativ klein sei. Trotz dieser Dementis meinte die „Frankfurter Rundschau“ vier Tage später, es „rumore weiter an der Basis“, was auch immer das heißen soll. Hinrich E. Bues


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