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04.12.10 / Annäherung an eine Boxlegende / Günther Falbe hat sich mit den Augen eines Weggefährten die neue Filmbiographie über Max Schmeling angesehen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 48-10 vom 04. Dezember 2010

Annäherung an eine Boxlegende
Günther Falbe hat sich mit den Augen eines Weggefährten die neue Filmbiographie über Max Schmeling angesehen

Seit diesem Herbst läuft in Deutschlands Kinos der Spielfilm „Max Schmeling – Eine deutsche Legende“. Günther Falbe hat sich den Film angesehen und das dort gezeichnete Bild des Box-Idols mit seinen eigenen Erfahrungen mit dem Berufsgefährten verglichen.

Ich wollte ihm noch einmal begegnen, dem Sportidol meiner jungen Jahre, dem beruflichen Partner späterer Lebensjahrzehnte. Posthum in einem biographischen Spielfilm, der seinen Namen als Titel trägt: Max Schmeling. Skepsis war angesagt: Konnte ein Mensch, der schon zu Lebzeiten eine Legende war und der fünf Jahre nach seinem Tod noch immer so präsent ist, als könnte man ihm täglich begegnen, überhaupt die Hauptfigur eines Spielfilms sein? Zwar trägt der unter der Regie von Uwe Boll nach einem Drehbuch von Timo Berndt gedrehte Streifen das Attribut „biographisch“, aber das Lebensbild des ehemaligen Boxweltmeisters im Schwergewicht ist wie ein Puzzle mit beliebig herausgegriffenen Teilen. Und noch eine Frage drängt sich auf: Kann ein Box-Idol unserer Zeit, Henry Maske, sich überhaupt mit dieser Legende Schmeling identifizieren und damit das eigene Ich verdrängen?

Fragen über Fragen, die einem vor dem Besuch des Films durch den Kopf gehen. Beim Betreten des Kinosaals tauchte die nächste auf: Warum war er so leer? Gerade sieben Besucher zählte ich, die zu dieser Nachmittagvorstellung in das kleine Hamburger Vorortkino gekommen waren. Beschämend für den Mann, dessen für den deutschen und internationalen Boxsport so eminent wichtige Leistungen in einem durch Fleiß und Fairness gekennzeichneten Lebensbild gezeigt werden sollten. Vielleicht lag es daran, dass der Film schon herbe Kritiken erbracht hatte. Dass die berechtigt waren, zeigte sich bald und bestätigte meine Skepsis. Vor allem, was den Menschen Max Schmeling betraf, den ich aus seinem Arbeitsbereich als Unternehmer gut kannte, so dass ich die Brüche, die in diesem biographischen Spielfilm sichtbar wurden, schon als störend empfand.

Wird nun die Box-Legende, die Max Schmeling zweifelsohne war, in dem Film in der Darstellung durch Henry Maske wieder lebendig oder findet hier eine Art Symbiose statt, in der die Akteure – beide Profi-Sportler, beide Box-Idole ihrer Zeit – zu einer Figur verschmelzen? Es ist eigenartig, aber man stellt sich diese Frage nicht, denn die Kampfszenen beherrschen die Handlung, gut gespielt und gedreht. Die Ähnlichkeit Maskes mit Schmeling ist durch die dunkel gefärbten Haare und buschigen Brauen in manchen Momenten verblüffend, auch die Gestik stimmt. Die Szenen gewinnen noch an Dichte durch die Besetzung weiterer Rollen durch Box-Profis. So wird Richard Vogt von Arthur Abraham gespielt, dessen Trainer auch den Part von Vogts Trainer übernahm. Ebenso ist Maskes ehemaliger Trainer Manfred Wolke dabei. Schmelings Trainer Max Machon wird dagegen von einem großartigen Schauspieler, von Heino Ferch verkörpert und da kommt der Spielfilm zu seinem Recht, denn außerhalb des Rings erlischt die Identifikation Maskes mit Schmeling, da stimmen weder Spiel noch Sprache. Henry sei getröstet: Auch Schmelings schauspielerische Leistung in dem 1930 gedrehten Boxfilm „Liebe im Ring“ war kein Glanzstück, zumal man ihn auch noch singen ließ: „Das Herz eines Boxers“, mehr Rap als Song, wurde ein Flop. Vorteil für Mas­ke: Er brauchte in dem Film nicht zu singen!

Das Geschehen außerhalb des Rings wird im Film nur punktuell behandelt, und sein Leben nach Beendigung der Boxkarriere als erfolgreicher Unternehmer lediglich im Abspann in Stichworten aufgeführt. Der Film vermittelt nicht die Euphorie, die Schmeling damals auslöste, und das nicht nur in Deutschland. Er bekam sie auch zu spüren, als er sich längst vom Boxsport verabschiedet hatte. Ich konnte miterleben, wann und wo wir zusammen kamen – oft in Essen, aber vor allem auf den Coca-Cola-Bildungsreisen –, wie er stets mit größter Aufmerksamkeit und Hochachtung behandelt wurde. Nicht nur in den USA, wo der Ehrenbürger von Los Angeles ein hohes Ansehen genoss, sondern auch in China, in Südafrika und in Australien, obwohl er dort nie gekämpft hatte.

Aber immer blieb er der bescheidene Mensch, der nie nach Publicity gierte, der von seinem letzten Refugium in Hollenstedt in der Nordheide aus viel Gutes tat und seine Partner mit größter Fairness behandelte. Und sich an kleinen Dingen erfreuen konnte. Als ich einmal in Los Angeles seine aparte Krawatte bewunderte, lachte er: „Wissen Sie, was die gekostet hat? Gerade mal fünf Dollar!“ Das war der trotz aller Erfolge auf dem Teppich gebliebene Deutsche, wie ich ihn immer in Erinnerung behalten werde, die nun durch den Film „Max Schmeling“ wieder geweckt wurde. Der übrigens von zwei gut betuchten Hamburgern mitfinanziert wurde, die ungenannt bleiben wollen, wohl auch Box-Fans und Verehrer dieses großen Sportlers, dem leider ein – finanziell nicht erfüllbarer – Wunsch versagt geblieben ist: Max Schmeling wollte gerne 100 Jahre alt werden, aber er verstarb am 2. Februar 2005 – immerhin im 100. Lebensjahr! Als Boxlegende bleibt er unsterblich.


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