27.01.2022

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12.03.11 / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 10-11 vom 12. März 2011

Der Wochenrückblick mit Hans Heckel
Abschied vom Volk / Wie uns die Türken kalt überraschen, wie wir zum Betreuungsobjekt geschrumpft sind, und wie Röttgen uns die Ehrlichkeit zurückbringt

Daran gewöhnen wir uns ja langsam: Deutschland ist laut einer weltweiten BBC-Umfrage das beliebteste Land der Welt. In 27 Ländern aller Kontinente fragten die Briten Anfang des Jahres 28600 Menschen, wie sie den Einfluss von 16 Ländern auf das Weltgeschehen bewerten. Das machen sie schon seit einigen Jahren. Zum vierten Mal in Folge errang Deutschland nun die beste Note von allen.

Am meisten schätzen uns danach die Italiener, gefolgt von den Franzosen. Bei den Deutschen selbst erreicht Deutschland nur den dritten Platz. Wundert uns  nicht. Viel interessanter ist die teils heftige Veränderung der Popularität Germaniens in einigen Staaten. Und die Frage, was die plötzlichen Schübe bewirkt haben mag.

Welche Resonanz hat beispielsweise die Sarrazin-Debatte im Ausland erzeugt? Wenn gegen den Autor schon sachlich kein Kraut gefunden wurde, so leuchtete ein Einwand gegen den Störenfried doch allen ein: Unser Ansehen bei den Türken dürfte nach dem „Skandal-Buch“ im Keller landen. Mit großen Lettern und giftigen Attacken hatten die türkischen Medien den deutschen Streit verfolgt. Dabei hoben sie besonders die breite Unterstützung hervor, welche der Ex-Politiker bei seinen Landsleuten gefunden hatte. Die Vertreter türkischer Organisationen in Deutschland malten darauf das stockfinstere Bild einer nicht wieder gutzumachenden Entfremdung zwischen der Türkei und Deutschland. Auch deutsche Experten der Völkerverständigung geißelten uns auf das Härteste: Bei den Türken sind wir unten durch, selber schuld.

Das aber waren alles nur Mutmaßungen, wenn auch sehr plausible. Heute können wir dank der britischen Umfrage die türkische Reaktion auf unser abscheuliches Benehmen in harten Zahlen betrachten. Schnallen Sie sich bitte an: In keinem der 27 Länder hat das Ansehen Deutschlands einen derart rasanten Sprung nach oben gemacht wie in der Türkei. Der Anteil der Türken, die Deutschlands Einfluss in der Welt positiv sehen, schnellte Anfang 2011 gegenüber Anfang 2010 von 30 auf 53 Prozent nach oben.

Da erinnert man sich wieder, warum wir von „harten“ Fakten reden, wenn messbare Zahlen auf dem Tisch landen. Die aus der Türkei dürften für einige Leute wirklich schwer zu verdauen sein. Wenn schon die Fußball-WM 2006 die deutschen Deutschenfeinde überkam wie ein Eimer kaltes Wasser, so ist diese alljährliche BBC-Untersuchung so etwas wie Tröpfchenfolter. Gerade erst durften sie nach der „blamablen Selbstdarstellung der Deutschen in der Integrationsdebatte“ darauf hoffen, dass das Ausland nun endlich die wahre, die hässliche Fratze der Teutonen entlarvt hat, da küren sie uns erneut zum Liebling der Völker.

Kein Zweifel, wenn es noch etwas werden soll mit dem weltweiten Deutschenhass, dann müssen jetzt Fachleute ran. In Berlin-Kreuzberg nehmen sich Linksalternative dieser wichtigen Aufgabe an und machen gegen Touristen mobil: Fremde raus! Was sie genau planen, ist noch nicht rum. Aber es wird gewiss nicht bei ein paar harmlosen Pöbeleien bleiben.

Mit ein wenig Glück werden ausländische Medien auf die Attacken aufmerksam und bringen Gruselgeschichten über die fremdenfeindlichen Deutschen. Die Berichte könnte man in der linken Szene dann gut als Heißmacher für die nächste „Deutschland verrecke!“-Demo verwenden. So befruchten sich alle gegenseitig. Das nennt man „Nachhaltigkeit“.

Auf die setzt auch Norbert Röttgen, und zwar mit aller Gewalt. Der Bundesumweltminister baut sich drohend hinter uns auf, wenn wir missmutig vor der E10-Zapfsäule stehen: „Tank das, oder ich zieh dir mit der Kostenschraube eins über!“

So hatten wir Marktwirtschaft noch nie erlebt: Der Staat verdonnert die Industrie, ein neues Produkt auf den Markt zu bringen. Und uns, das Produkt zu kaufen. Und wenn wir nicht wollen? Dann werden die Ölkonzerne mit Strafen belegt, die sie „leider an die Verbraucher weitergeben müssen“, wie sie bereits angekündigt haben. Also werden wir bestraft, wenn wir nicht kaufen wollen, was uns auf Geheiß des Staates angedreht werden soll.

So weit war noch nicht einmal die DDR gegangen. Da gab es höchstens das Problem, dass alles Mögliche nicht zu kriegen war. Doch dass die SED Geldstrafen verhängt hätte, weil das mürrische Volk einen ihrer sozialistischen Ladenhüter verschmähte, das ist nicht überliefert.

Dafür hat uns der Arbeiter- und Bauernstaat zentralwirtschaftliche Grunderkenntnisse vererbt, die noch heute den Geist mancher Politiker erleuchten. Wie den von Winfried Hermann, dem grünen Vorsitzenden des Bundesverkehrsausschusses. Zum Thema E10 ließ er verlauten: „Wenn man der Wirtschaft nicht sagt, was sie zu tun hat, dann tut sie gar nichts!“ Mit „man“ ist natürlich die Politik gemeint. So erklärt uns Herr Hermann ganz nebenbei, aus welcher ideologischen Quelle unsere „Klimapolitik“ schöpft. Die Politik macht den Plan, die Wirtschaft hat zu spuren und die blöden, weil nicht ausreichend klimabewussten Verbraucher haben den Mist dann zu tanken, sonst gibt’s Dresche.

Die dreiste Offenheit hat durchaus ihr Gutes: Nach der Enttäuschung über zu Guttenberg zieht mit Hermann und Röttgen endlich wieder Ehrlichkeit in die Politik ein. Zwar war in uns längst die Erkenntnis gekeimt, dass sich in unserem politischen Gebälk eine „politische Klasse“ eingenistet hat, die sich einen Dreck schert um das Selbstbestimmungsrecht des Volkes. Nur haben die Politiker das bislang nie so direkt zugegeben wie jetzt Röttgen oder Hermann. Wir mussten uns die Wahrheit aus scheinbaren Kleinigkeiten herausklauben.

Etwa aus dem Wandel des Sprachgebrauchs. In den 90ern wurde eine regelrechte Kampagne gegen den Begriff „Volk“ gefahren. Höhepunkt war die Installation des Schriftzugs „Der Bevölkerung“ im Innenhof des Reichstags. Sie sollte einen Kontrapunkt bilden zu der „problematischen“ Inschrift „Dem Deutschen Volke“ am Portal des Gebäudes.

Warum „problematisch“? Na, ist doch klar: Das „Volk“, das ist der Souverän, der Herrscher und Eigentümer des Staates aus eigenem Recht, von dem „alle Macht ausgeht“, wie das Grundgesetz fahrlässigerweise preisgibt – wenn das nicht problematisch ist! Das Wort „Bevölkerung“ hingegen meint bloß den Menschenbesatz eines Gebietes, gestaltlos und ohne Verfassungsrang. Vorm Volk könnten die Regierenden also Angst bekommen; eine Bevölkerung müssen sie nur hinlänglich „betreuen“, damit sie die Schnauze hält. Wenn nicht, gibt’s eins drauf. Notfalls an der Zapfsäule.

So hat uns das natürlich niemand gesagt. Es hieß stattdessen, „Volk“ schließe die „ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger“ aus und sei „völkisch“ verseucht. „Bevölkerung“ zu sagen zeuge dagegen von Weltoffenheit und davon, dass wir unsere Lektion aus der Geschichte gelernt haben. So betrachtet erschien uns der Abschied von unserem Volksein als echter Fortschritt. Und mittlerweile haben wir uns in die neue Existenzform als Betreuungsobjekt mit Recht aufs Motzen („Wutbürger“) auch ganz gut eingelebt.

Davon profitiert nicht allein unser Land, also seine politische Klasse, sondern auch und vor allem die europäische Idee. Kein souveränes Volk würde nur atemlos zusehen, wie sein Reichtum in die Siele einer unfassbar gewordenen „europäischen Solidarität“ gespült wird. Eine „Bevölkerung“ handelt da viel besonnener, sprich: gar nicht.

Was heißt denn auch „unser“ Reichtum. Wir müssen da viel gemeinschaftlicher denken. Bei der EU tut man das schon und begreift das Eigentum der europäischen Bevölkerungen längst als frei verfügbare Verschiebemasse, mit welcher die Herrscher in Brüssel (die kaum einer kennt, da sie sowieso keiner wählen darf) den ganzen Kontinent auf Gleichmaß bügeln können.


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