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26.03.11 / Ein harmonisches Ensemble / In Rheinsberg werden im Sommer viele Musikfreunde erwartet – Auch Schloss und Park haben viel zu bieten

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 12-11 vom 26. März 2011

Ein harmonisches Ensemble
In Rheinsberg werden im Sommer viele Musikfreunde erwartet – Auch Schloss und Park haben viel zu bieten

Rund um Berlin und Potsdam gibt es einzigartige Schloss- und Gartenanlagen, die heute zum Unesco-Welterbe zählen und alljährlich Millionen Besucher aus aller Welt anlocken. Wie kein anderes Schloss besticht Schloss Rheinsberg durch seine malerische Lage am Grienericksee. Hier verbinden sich Natur, Architektur und Kunst zu einem harmonischen Ensemble.

Friedrich der Große verbrachte als Kronprinz die glücklichste Zeit seines Lebens in Rheinsberg. Sein 14 Jahre jüngerer Bruder Heinrich schuf hier einen bedeutenden Musenhof und prägte nachhaltig Schloss und Garten im Stil des frühen Klassizismus. „Ich bin sehr ruhig hier“, schrieb Heinrich 1764, „denn mein Garten ist von zauberhafter Schönheit. – In diesem Land wüsste ich keinen angenehmeren Aufenthalt für mich.“ Fast 250 Jahre später schreibt Marina Heilmeyer über den Park von Rheinsberg: „Es gibt keinen zweiten Garten in Deutschland, in dem man den Veränderungen des Naturverständnisses in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und dem Übergang vom barocken Lustgarten zum englischen Landschaftspark so deutlich nachspüren kann, wie in Rheinsberg.“ Ihr mit opulenten Fotografien von Hans Bach ausgestatteter Band aus dem Prestel-Verlag führt durch die faszinierenden Gärten der preußischen Könige von Schloss Charlottenburg und Glienicke in Berlin, Sanssouci und Babelsberg in Potsdam, von Caputh, Oranienburg, Paretz oder Rheinsberg. Mit den fundierten Texten vermittelt die Kunsthistorikerin Heilmeyer ne-ben den gestalterischen Prinzipien, die den Anlagen zugrunde liegen, auch reiches historisches Hintergrundwissen.

Auch heute kann sich kaum ein Besucher dem Charme Rheinsbergs entziehen. Die Namen berühmter Persönlichkeiten sind mit ihm verbunden. In seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ setzte Theodor Fontane der Stadt ein literarisches Denkmal und bald darauf machte Kurt Tucholsky Rheinsberg zu einem charmanten Ort der Erfüllung unbeschwerter Liebe. Der Komponist Siegfried Matthus, geboren in Mallenuppen, Kreis Darkehmen, später Angerapp, gründete vor gut 20 Jahren an diesem historischen Ort das Internationale Opernfestival junger Sänger. Rheinsberg wurde Festivalstadt und Gastgeber für die Weltelite des Sängernachwuchses.

Wer in diesen Tagen durch den Schlosspark von Rheinsberg spaziert, der wird allenfalls von den Regentropfen fasziniert sein, die, wie Diamanten blitzend, an den kahlen Zweigen der Bäume hängen. Kaum vorstellbar, dass hier einmal wieder Menschen flanieren werden, die sich an der Natur erfreuen und den Ausblick auf das Schloss und seine Nebengebäude genießen. Kaum vorstellbar auch, dass hier in wenigen Monaten junge Sängerinnen und Sänger für ihren großen Auftritt proben werden.

Wieder gab es viele Anmeldungen junger Nachwuchskünstler, die am Festival teilnehmen und eine der 40 Opernpartien gewinnen wollten: Über 400 aus 45 Ländern nahmen am diesjährigen Internationalen Gesangswettbewerb der Kammeroper Schloss Rheinsberg in der Deutschen Oper Berlin und in St. Petersburg teil.

Das Festival startet am 25. Juni mit der beliebten Operette „Der Vogelhändler“ von Carl Zeller in einer halbszenischen Fassung und in Kooperation mit dem Staatstheater Braunschweig.

Im Schlosshof finden auch wieder die gern besuchten Operngalas statt und im Schlosstheater wird Claudio Monteverdis „Krönung der Poppea“ zu erleben sein. Gier verführt Nero, Poppea und die anderen Protagonisten zu Verrat und Mord. Dieses Meisterwerk der frühen venezianischen Schule ist wie geschaffen für eine Opernbühne. Die Sänger werden von einem Ensemble mit historischen Instrumenten begleitet.

Das idyllisch gelegene Hecken-theater ist zweifellos die passende Kulisse für das Lyrische Märchen „Rusalka“ von Antonin Dvorák, das sich mit dem Verhältnis des Menschen zur Natur auseinandersetzt. Obwohl Dvorák und Jaroslav Kvapil in der 1901 uraufgeführten Oper Motive aus Hans Christian Andersens „Die kleine Seejungfrau“, Friedrich de la Motte Fouqués „Undine“ und Gerhart Hauptmanns Drama „Die versunkene Glocke“ verarbeitet haben, betonten sie immer den besonderen Charakter dieses „lyrischen Märchens“.

Telemanns musikalisches Lustspiel „Pimpinone“ wird dem Besucher im Billardsaal des Schlosses geboten. Dieses Werk komponierte er 1725 für die Oper am Gänsemarkt in Hamburg. – Obwohl nur als „Pausenaufheller“ geschaffen, wurde das Zwei-Personen-Stück mit seiner komödiantischen Leichtigkeit zu Telemanns größten Bühnenerfolg.

Zahlreiche Konzerte wie die Matineen mit anschließendem Brunch, der Singende See und das Benefizkonzert mit Sängern, die ihre Karrieren in Rheinsberg begannen, runden den 21. Festivalsommer ab. Kostbarkeiten des Liedschaffens russischer Komponisten sind unter dem Titel „Sing Zauberin“ zu hören. „Insbesondere seit Anfang des 19. Jahrhunderts und damit seit Michail Glinka ist die russische Musikgeschichte durch Vielseitigkeit und Klangreichtum geprägt. Der russische Opern- und Liederabend präsentiert diese ganz besondere Musik in all ihren Facetten, angefangen mit Glinkas Lied ,Sing Zauberin, nur nicht vor mir‘ als eine Vertonung des gleichnamigen Textes Alexander Puschkins bis hin zu den Kompositionen Modest Mussorgskys und Peter Iljitsch Tschaikowskys“, erläutert Siegfried Matthus die Auswahl. Insgesamt gibt es vom 25. Juni bis 13. August 30 Aufführungen und Konzerte in Rheinsberg zu sehen und zu hören. Der Musikfreund wird wieder einmal die Qual der Wahl haben. Silke Osman

Kartenbüro Tourist-Information Rheinsberg Telefon (033931) 39296, Fax (033931) 34704, www.kammeroper-schloss-rheinsberg.de

Marina Heilmeyer: „Die Gärten der Könige – Stimmungsbilder aus den preußischen Gärten in Berlin, Potsdam und der Mark Brandenburg“, Fotos Hans Bach, Prestel Verlag, München, 192 Seiten, 130 Farbabbildungen, gebunden, 29,95 Euro


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