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26.03.11 / Arzt und Dichter / Lebensbilder des Stettiners Alfred Döblin erschienen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 12-11 vom 26. März 2011

Arzt und Dichter
Lebensbilder des Stettiners Alfred Döblin erschienen

Vor 100 Jahren eröffnete ein Arzt in der Berliner Blücherstraße seine Praxis. Er arbeitete zunächst als praktischer Arzt und Geburtshelfer, später als Nervenarzt und Internist. Nichts Besonderes, wird der Leser jetzt denken. Das Besondere war die andere Seite des Mannes, der am 10. August 1878 in Stettin geboren wurde: Alfred Döblin war Schriftsteller, ein „ganz großer Prosameister“, wie der Erzähler Arno Schmidt (1914–1979) über seinen Lieblingslehrer einmal sagte. Döblin, der bis in die heutige Zeit Schriftsteller beeinflusst hat, ist ansonsten wenig bekannt, sieht man einmal davon ab, dass sein bekanntester Roman „Berlin Alexanderplatz“ in den 1960er Jahren sogar Schullektüre war.

Döblin schildert darin meisterhaft das quirlige Leben in einer Großstadt Ende der 1920er Jahre. Er findet eine neue Sprache, um das Chaos bildlich werden zu lassen. So mischt er Texte aus Zeitungen, Werbeslogans, Bibelzitate, Nachrichtenmeldungen mit Wetterberichten und Liedtexten. Als der Roman 1929 erschien, sprach man bald von einem „Großstadt-roman“, von der literarischen Auseinandersetzung mit den Lebensbedingungen des Individuums in der modernen Metropole.

Sehr schnell wurde die Geschichte um Franz Biberkopf in mehrere Sprachen übersetzt und bereits 1931 verfilmt. Der unvergleichliche Heinrich George in der Hauptrolle ist noch heute in Erinnerung. Konkurrenz bekam der Schauspieler 50 Jahre später, als Rainer Werner Fassbinder für das Fernsehen mit Günther Lamprecht in der Hauptrolle neue Akzente setzte.

Über Franz Biberkopf, den Anti-Helden, weiß der Leser verhältnismäßig viel. Über seinen Schöpfer Alfred Döblin weiß man hingegen wenig. „Ich habe so viel geschrieben“, meinte er, „haltet euch doch an das, was gehe ich euch an. Bin ich eine Primadonna, um deren Privatleben man sich kümmert?“ Der Publizist Dieter Stolz hat sich nun daran gemacht, ein Lebensbild des Schriftstellers zu zeichnen. Entstanden ist ein unterhaltsames Buch, das Lust macht auf weitere Lektüre – von Alfred Döblins Werken.           os

Dieter Stolz: „Alfred Döblin – Leben in Bildern“, Deutscher Kunstverlag, Berlin 2010, 80 Seiten, zahlreiche Duplex-Abbildungen, gebunden, 19,90 Euro


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