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26.03.11 / Mit der Kamera unterwegs in der Welt / Die Diashows des Königsbergers Helfried Weyer bezaubern die Zuschauer – Ende Mai auch in Erfurt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 12-11 vom 26. März 2011

Mit der Kamera unterwegs in der Welt
Die Diashows des Königsbergers Helfried Weyer bezaubern die Zuschauer – Ende Mai auch in Erfurt

Wenn am 28./29. Mai in den Erfurter Messehallen sich wieder Tausende Ostpreußen versammeln, um ein machtvolles Bekenntnis zur Heimat abzulegen, dann erwartet sie ein buntes Programm mit vielen Höhepunkten. Ein wahrer Augenschmaus wird eine Diashow über Ostpreußen sein, die der bekannte Fotograf Helfried Weyer präsentiert.

Was haben ein Rucksack, ein großes Bettlaken und bunte Papierdrachen gemeinsam? Alle drei gehören zum Leben des Königsbergers Helfried Weyer. Der Fotograf und Vortragsredner hat mit seiner Frau Renate schon alle Kontinente bereist, getreu seinem Motto: „Unser Wohnsitz ist Buxtehude, unser Arbeitsplatz ist die Welt“. Weyer hat sein „Handwerk“ quasi von der Pike auf erlernt: Drei Jahre besuchte er die Fotofachschule in Kiel, ließ sich in Rhetorik ausbilden und war zehn Jahre lang Mitarbeiter der „Leitz“-Werke in Wetzlar (heute „Leica Solms“); dort schuf er erste Multivisionsvorträge unter dem Namen „Leicavision“ und zeigte sie einem begeisterten Millionenpublikum.

Schon als Schüler begeisterte sich Weyer fürs Fotografieren und fürs Reisen. Er las die Bücher von Sven Hedin, hörte von Marco Polo und James Cook. „Ich will mir diese Welt angucken“, sagte er und begann, sich diesen Traum zu erfüllen. 1960 schwang er sich nach Abschluss der Schule auf das Fahrrad und zog neun Monate durch Afrika. Seine Erlebnisse verarbeitete er schließlich in seinem ersten Buch „Heiße Straßen“. Mittlerweile gibt es 63 Bücher und etwa 30 Vortragsthemen  aus der „Werkstatt“ Weyer.

Nun aber zum Rucksack. Der hatte dem Fotografen einmal das Leben gerettet, als er während einer Grönlandtour bei minus 11 Grad Celsius im Eis zu versinken drohte. Auf der Suche nach dem besonderen Motiv war er an der Westküste einer Schlittenspur nachgegangen, ohne zu ahnen, dass der Schlitten dort schon eingebrochen war. Als das Eis unter seinen Füßen nachgab, stoppte lediglich das tragende Alugestell des Rucksacks die Abwärts-Fahrt. Mühsam rappelte Weyer sich aus dem Eis, verlor dabei aber sein Portemonnaie und seine Papiere. Die fanden später Fischer und gaben sie ab.

Die Geschichte um das Bettlaken ereignete sich in wärmeren Gefilden. Weyer war einer der ersten Europäer, der nach Öffnung der Grenzen in Tibet fotografieren konnte. Vor allem die während der Kulturrevolution zerstörten Klöster hatten es ihm, der seit langem mit dem Dalai Lama bekannt war, angetan. Foto um Foto entstand. Von Tibet ging es dann ins indische Dharamsala, wo ein Großteil der vor dem Kommunismus geflüchteten Tibeter eine neue Heimstatt gefunden hatte. Als Weyer erzählte, er habe in Tibet fotografieren können, war die Aufregung groß. Diese Bilder mussten unbedingt gezeigt werden. Doch wo? Es gab keinen geeigneten Saal und keine Leinwand. Die Lösung war ganz einfach. Warum nicht ein großes Bettlaken über die Straße spannen? Gesagt, getan. Eilig gemalte Plakate machten auf die Diashow unter offenem Himmel aufmerksam. Und als es dunkel wurde, strömten die Menschen herbei. „Es war kein Durchkommen mehr. Die Straße war schwarz vor Menschen, selbst auf den Dächern saßen sie und sogar hinter der Leinwand“, erinnert sich Helfried Weyer schmunzelnd. „Es war eine sehr lebhafte Veranstaltung, denn immer wenn der Dalai Lama auf einem Foto erschien, erhoben sich die Tibeter voller Ehrfurcht. Es war ein ständiges Auf und Ab.“ Renate Weyer ergänzt: „Wir sind mit den Dias später auch in einem Kinderdorf gewesen, das dort nach der Art der SOS-Kinderdörfer eingerichtet worden war, und haben den ganz jungen Tibetern gezeigt, wo ihre Wurzeln sind.“

Kinder spielten eine besondere Rolle in der anderen Geschichte, die Weyer erzählt. Er war nach Lima gefahren, um in der Hauptstadt Perus Fotos zu machen. Ein Großteil der sechseinhalb Millionen Einwohner lebt in Slums und für Europäer ist es gefährlich, sich dort aufzuhalten. Kein Problem für Helfried Weyer. Mit der Kamera und dem nötigen Quäntchen Vorsicht ausgerüstet, zog er los, als er Kinder entdeckte, die Drachen steigen ließen. Weyer, der als Kind selbst Drachen gebaut hatte, sprach mit den Kindern und bald zeigte er ihnen, wie man „richtige“ Drachen baut. Vor allem müssten sie einen langen Schwanz haben, damit sie ruhig in der Luft blieben.

Als es gelang, waren nicht nur die Kinder begeistert. Auch die Erwachsenen ließen den Fotografen aus Europa gewähren, ohne ihn zu behelligen.

Helfried Weyer kann stundenlang erzählen, von gefährlichen Ereignissen, etwa wie er mit dem letzten Flugzeug aus dem Tschad entkommen konnte, bevor der Bürgerkrieg ausbrach, von besonderen Begegnungen mit Menschen wie Karl Heinz Böhm, der ihm in Äthiopien vor Ort seine Aktion „Menschen für Menschen“ erläuterte, oder von dem Bezwinger des Mount Everest, Sir Edmund Hillary, den er in Neuseeland besuchte. Amüsant die Begegnung in der Mongolei, wo Weyer eine Reportage über die dort lebenden Nomaden machen wollte. Als Europäer staunte er nicht schlecht über die großen Jurten, in denen die Familien lebten. „Und die sollten sie abbauen, wenn es weiterging? Das wollte ich sehen. Gegen einige Dollars erfüllten sie mir den Wunsch. In einer halben Stunde war alles abgebaut und verladen. Dann ritten sie im Kreis, um schließlich die Jurte an ihrem ursprünglichen Platz wieder aufzubauen. Das dauerte dann anderthalb Stunden.“

Auf die Frage, ob er denn auch in Ostpreußen Besonderes erlebt habe, antwortet Weyer, dass er erstaunt gewesen sei, wie freundlich sich die Menschen ihm gegenüber verhalten hätten und erinnert sich an eine Begegnung in Danzig. „Ich wollte den Sonnenaufgang am Krantor fotografieren und stellte Kamera mit Stativ an einem günstigen Standort auf der anderen Wasserseite auf. Ein paar Meter neben mir nahm ein Pole mit einer Angel Platz. Er schaute mich skeptisch an und fragte, was ich da mache. Ich erklärte es ihm. Er schüttelte mit dem Kopf und sagte: ,Heute keine Sonne‘. Ich blickte ihn ungläubig an, das konnte nicht sein, natürlich geht da hinten die Sonne auf, sagte ich ihm. Der Pole stand auf und ging weg. Ich verstand die Welt nicht mehr. Nach einiger Zeit kam er zurück, eine Zeitung in der Hand. Er zeigte mir das Titelblatt, dort war zu lesen, dass es an diesem Morgen eine Sonnenfinsternis geben würde. ,Heute keine Sonne‘, sagte er – wie recht er hatte.“

Danzig ohne Sonne, dafür bei Nacht – so werden die Zuschauer der großen Diashow auf dem Deutschlandtreffen der Ostpreußen in Erfurt den Auftakt einer Reise in das Land der dunklen Wälder erleben. Weyer zeigt Ostpreußen in all seinen Facetten auf einer 15 Meter breiten und fünf Meter hohen Leinwand. Unterlegt ist die 90-minütige Show mit klassischer Musik und mit Zitaten von Agnes Miegel bis Ernst Wiechert.

Man darf gespannt sein, was Helfried Weyer über seine Heimat Ostpreußen zu erzählen weiß. Unterhaltsam wird es allemal. Wer ein wenig von diesem Erlebnis mit nach Hause nehmen will, der kann das mit Hilfe eines Buches (Nicolai Verlag 2004), das viele der Fotografien enthält und in Erfurt eigens zum Deutschlandtreffen noch einmal angeboten wird.       Silke Osman

Die Diashow „Ostpreußen – Land der dunklen Wälder und kristall‘nen Seen“ von Helfried Weyer ist am 28. Mai in der Erfurter Messe, Halle 1, um 17 Uhr, zu sehen.


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