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02.04.11 / Sprengstoff Überfremdung / In den Beneluxländern nimmt die Angst vor Identitätsverlust zu

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-11 vom 02. April 2011

Sprengstoff Überfremdung
In den Beneluxländern nimmt die Angst vor Identitätsverlust zu

Nirgendwo in Europa tritt die Konfrontation zwischen Islam und der westlichen Gesellschaft stärker zu Tage als in Holland und Belgien. Der Kampf der Kulturen wird vor allem in den Niederlanden mit harten Bandagen geführt – Mord eingeschlossen.

Das Gespenst der Überfremdung geht um. In einigen europäischen Großstädten, wie beispielsweise Rotterdam, sank der Anteil der einheimischen Bevölkerung unter die magische Grenze von 50 Prozent.

Gegen diesen Trend rudern Politiker wie der Niederländer Geert Wilders an. Belgische Volksvertreter setzten als erste in Europa ein Verbot der Verschleierung muslimischer Bürgerinnen durch und luden den eidgenössischen Politiker Oskar Freysinger, einen Hauptinitiator des Schweizer Minarettverbots, zu einem Gastvortrag ein. Das Verbot der Burka ist der einzige Punkt, in dem sich das zwischen Wallonen und Flamen zerstrittene und kaum regierbare Land einig ist.

Leicht geraten solche Strömungen und Befürchtungen um den Verlust der eigenen Identität aber in den Verdacht des Rassismus und der religiösen Intoleranz – ein Sprengstoff, der in ganz Europa lagert. 15 Millionen in der Gemeinschaft lebende Muslime und der unter ihnen grassierende Anspruch, die allein „richtige“ Religion auszuüben und diese dem Rest der Welt aufzudrücken, sind nicht mehr zu ignorieren.

Die Hafenstadt Rotterdam gilt als typisches Beispiel für solche Ängste. In den vergangenen 40 Jahren kippte unmerklich die Bevölkerungsstatistik der maritimen Metropole um. Denn die Mehrheit der 600000 Einwohner stammt nicht mehr aus den Niederlanden, sondern aus Marokko, der Türkei, aus Surinam, Bangladesch und aus etwa 170 anderen Nationen. Schon in wenigen Jahren, so errechneten Statistiker, werden 60 Prozent der Bevölkerung Migrationshintergrund aufweisen. Besonders betroffen sind die Stadtteile Feijenoord, Afrikanderwijk und Tarwewijk. Westeuropas größtes islamisches Gotteshaus, die Ende 2010 eingeweihte Al-Salam-Moschee mit ihren zwei über 50 Meter hohen Minarett-Türmen, bildet die Kulisse für den Wandel. Zudem prägt ein weiteres Dutzend Moscheen das Stadtbild. Insgesamt werden die 950000 Moslems des Landes (Gesamtbevölkerung 16 Millionen) von 450 Moscheen und 500 islamischen Geistlichen betreut. Auf der Erasmusbrücke über die Maas sind von Zeit zu Zeit Protestierende mit Schildern wie „Scharia für die Niederlande“ und „Islam wird die Welt beherrschen“ zu sehen, eine Kampfansage an die politische Klasse Hollands. Der bis zu seinem Ruhestand 2006 in Holland ansässige Imam Khalil el Moumni aus Marokko predigte gar schon 2001, dass der Westen keine Moral habe und deswegen tiefer stünde als Hunde und Schweine. Ein Gericht sprach ihn frei.

Das ruft natürlich entsprechende Gegenrichtungen wie Wilders Partei für Freiheit auf den Plan. Der Politiker will eine weitere Einwanderung stoppen, den Bau neuer Moscheen untersagen, Kopftuch und Koran verbieten sowie Rumänien und Bulgarien aus der EU ausschließen. Zudem vergleicht er den Koran mit Adolf Hitlers „Mein Kampf“. Immerhin wurde seine Partei mit solchen Postulaten drittstärkste Kraft im Land. Wilders schläft jede Nacht an einem anderen Ort und steht unter Polizeischutz, vor allem seit der muslimische Geistliche Feiz Muhammed die Enthauptung des Politikers fordert. Die Drohung ist real, wie 2004 die Ermordung des Filmemachers Theo van Gogh durch den in den Niederlanden aufgewachsenen fanatisierten Moslem Mohammed Bouyeri zeigte.

Zwar ist der aus Marokko stammende, muslimische Bürgermeister der Hafenmetropole, Ahmed Aboutaleb, bemüht, mit einer straffen Sozialpolitik Ausländer über den Arbeitsmarkt zügig zu integrieren und bei Nichtbefolgung der Anordnungen mit Sanktionen zu belegen, doch auch er konnte die Turbulenzen zwischen den Kulturen nicht vermeiden. Allein mehrere hundert Millionen Euro hat die Stadt für Sicherheits- und Integrationspläne sowie ein Netz von Videokameras ausgegeben.

Im Nachbarland Belgien mit seiner Bevölkerung von elf Millionen wird die politische Lage durch die Tatsache überschattet, dass seit den Parlamentswahlen im letzten Jahr immer noch keine Regierung zustande gekommen ist. Der Streit zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen, den französisch sprechenden Wallonen und den niederländisch geprägten Flamen, ist nach Jahren der Ruhe wieder entflammt, treibt das Land auf eine Spaltung zu und begünstigt anarchische Zustände, vor allem in Brüssel. Die Armutsrate von 25 Prozent schürt die Gewalt zwischen den 400000 Muslimen und der einheimischen Bevölkerung. In einigen Brüsseler Stadtteilen hat die Polizei bereits kapituliert. Muslimische Verbände beklagen dabei eine zunehmende Aggressivität und fürchten eine weiter zunehmende Islamphobie, obwohl oder gerade weil der Islam seit 1974 gesetzlich als Religion anerkannt ist und rund 300 Imame in 328 Moscheen predigen.

Die meisten Migranten konzentrieren sich in Rotterdam auf die Stadtteile Molenbek, Sint Gillis, Schaerbeek, Sint Josst und Anderlecht. In Schaerbeek hängt mehr als die Hälfte der Bewohner dem Islam an. Die soziale Schieflage führt hinter den Kulissen zu Ghetto-Problemen, die nur darauf warten, sich ähnlich wie in den Banlieues der französischen Hauptstadt Paris zu entladen. J. Feyerabend


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