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23.04.11 / Einzigartig in Europa / Die Krämerbrücke in Erfurt lädt zum Bummeln ein

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 16-11 vom 23. April 2011

Einzigartig in Europa
Die Krämerbrücke in Erfurt lädt zum Bummeln ein

Das gesamte Bauwerk misst 125 Meter in der Länge, 19 Meter in der Breite. Die Höhe mitsamt der Fundamente beträgt sieben Meter, mit Gebäuden bis zu 22 Metern. Die Brücken-bögen überspannen sechs bis acht Meter. Das sind die nüchternen technischen Maße der Krämerbrücke in Erfurt. Sie gehört zusammen mit dem Dom zu den Wahrzeichen der thüringischen Hauptstadt, in der sich am 28. und 29. Mai die Ostpreußen zu ihrem Deutschlandtreffen versammeln werden.

Neben dem Programm in der Erfurter Messe wird mancher noch Zeit und Muße haben, durch die beschauliche Altstadt Erfurts zu bummeln und dabei auf das älteste profane Bauwerk der Stadt stoßen – meist ohne es zu merken. Der Bummel ähnelt eher einem Spaziergang auf einer ansteigenden und dann wieder abfallenden Gasse. Die Gera selbst sieht man von der Brücke aus nicht. Das besondere an dem Bauwerk sind vor allem die Häuser, die auf ihr stehen und die keine Hausnummern tragen, sondern eigenwillige Namen wie „Haus zum bunten Löwen“, „Haus zum weißen Rad und güldenen Einhorn“, „Engelsröschen“ oder „Güldener Schaar und Schweinskopf“. Die kleinen Geschäfte und Galerien laden zum Verweilen ein und lassen vergessen, dass unter einem die Gera munter plätschert.

Schon früh haben sich hier Goldschmiede, Apotheker, Tuchmacher und Seidenhändler niedergelassen. Ursprünglich waren es über 60 Häuser, die mit der Zeit zu 32 Gebäuden zusammengefasst wurden. Einen hölzernen Vorgängerbau mit Budenbebauung hat es an dieser Stelle, einer der ältesten Furten über den Fluss, wohl schon im 8. Jahrhundert gegeben. Im Mittelalter hatte die Brücke als Teil der Via Regia, der großen Handelsstraße quer durch Europa, eine außerordentliche Bedeutung. Der Via Regia ist unter dem Titel „800 Jahre Bewegung und Begegnung“ auch die 3. Sächsische Landesausstellung gewidmet, die vom 21. Mai bis 31. Oktober in Görlitz gezeigt wird.

Der Handel mit Kleinwaren, mit „Kram“, gab der 1325 errichteten steinernen Brücke schließlich den Namen. „Es darf wohl für die Erfurter Krämerbrücke wegen des Alters, der originalen Baugestalt, der Bedeutung als Handelsvermittler zwischen Ost und West sowie als städtebaulicher Faktor der Rang der Einzigartigkeit in Deutschland in Anspruch genommen werden“, urteilte der frühere thüringische Landeskonservator Rudolf Zießler. Wer nachlesen will, was es mit der längsten bebauten Brücke Europas auf sich hat, der findet ein besonderes Kapitel in einem kurzweiligen Reiseführer von Richard Kerler. Der Autor führt zur längsten Burganlage, zum kältesten Ort oder zur ältesten Hafenkneipe. Und eben auch zur Krämerbrücke nach Erfurt.   man

Richard Kerler: „Deutschland mal anders – Die interessantesten, witzigsten und kuriosesten Orte und Events, die man einmal im Leben gesehen oder erlebt haben sollte“, Ellert und Richter Verlag, Hamburg 2011, 208 Seiten mit 163 Abbildungen, gebunden, 12,95 Euro


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