30.07.2021

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30.04.11 / Design statt Geschichte / Macher des neuen Denkmals offenbar ohne Hintergrundwissen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 17-11 vom 30. April 2011

Design statt Geschichte
Macher des neuen Denkmals offenbar ohne Hintergrundwissen

Die Kommentare für das neue Einheitsdenkmal in der Öffentlichkeit sind nicht gerade schmeichelhaft. „Obstschale“ oder „Einheitswippe“, auch „Einheitsschaukel“ wird es in den Medien genannt. Bei den Berlinern selbst, bekannt für ihre etwas despektierlichen Wortschöpfungen, hat sich noch kein Favorit herausgebildet.

Doch Streit ist bereits an mehreren Fronten programmiert. Künstler, Bürgerrechtler und Politiker mäkeln gleichermaßen an den vorgeschlagenen Entwürfen herum. Dabei sind schon einige Jahre mit der Suche nach einem geeigneten Modell für das Freiheits- und Einheitsdenkmal ins Land gegangen. Über 800 Entwürfe wurden in zwei Verfahren eingereicht und mühsam begutachtet. Darunter eine überdimensionale Banane, die ostdeutsche Landsleute als Erinnerung an die Mangelwirtschaft der DDR und damit als beleidigend empfanden.

Doch auch nachdem der Bundesbauminister und sein Kollege von der Kultur sich schließlich für die Einheitsschale entschieden haben, scheint der Ärger nicht aufzuhören. Dem parteiübergreifenden Votum der Kulturpolitiker schallt Kritik aus den Reihen der Grünen und Linken entgegen. Rosemarie Hein („Die Linke“) und die Claudia Roth (Grüne) forderten eine breite „gesellschaftliche Diskussion“ über die Entwürfe und das Denkmal. Sie fanden den neuen Entwurf zwar akzeptabel, aber bemängelten das Auswahlverfahren.

Dass der Kulturausschuss neun Mal und der Bundestag drei Mal über dieser Frage beraten hatte, reichte den beiden linken Frauen nicht. Sie wollten ihre ideologischen Positionen verwirklicht sehen, dass der Freiheitskampf von 1989 „von unten“, die Reichsgründung von 1871 aber „von oben“ entstanden sei. Wenn es nach den linken Protestpolitikerinnen ginge, müsste wohl noch einige Jahre palavert werden.

Von dem fast rituellen Protest von Grünen und Linken abgesehen, stehen die Schöpfer des Einheitsdenkmals vor selbstgemachten Problemen. Ihnen war es offensichtlich nicht möglich, sich ein wenig mit der Geschichte des Umbruchs von 1989 zu beschäftigen und eine passende Beschriftung vorzuschlagen. Nun soll eine neue Kommission Zitate der Bürgerrechtsbewegung sammeln. Doch die Suche nach repräsentativen Aussprüchen von Bürgerrechtlern und Demonstranten des Herbstes 1989, die an der Oberseite der Einheitsschaukel zu lesen sein werden, gestaltet sich schwierig. Ein Sprecher des Architektenbüros Milla und Partner räumte ein, man habe keine Verbindung in die Szene der Bürgerbewegung.

Geeignete Bekenntnisse zur Freiheit und Einheit Deutschlands werden unter DDR-Bürgerrechtlern und den Bündnis 90-Grünen kaum zu finden sein. Bekanntlich wollten die meisten von ihnen gar keine Einheit mit dem Westen, sondern eine eigenständige und reformierte DDR. Entsprechend schwer dürfte es die Kommission bei der Suche haben. Schon allein das Wort „Deutschland“ oder „deutsch“ dürfte neue Kontroversen auslösen.         Hinrich E. Bues


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