30.07.2021

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30.04.11 / Seat: Niedergang durch Euro / VW überlegt, die spanische Automarke einzustellen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 17-11 vom 30. April 2011

Seat: Niedergang durch Euro
VW überlegt, die spanische Automarke einzustellen

VW will in den kommenden Jahren weltweit die Nummer 1 unter den Automobilbauern werden. Bei diesem Bemühen ist die Konzerntochter Seat keine Hilfe, sondern eher ein Hindernis. Auch Jahrzehnte nach der Übernahme durch VW ist der spanische Autobauer immer noch ein Problemfall und hängt am Tropf der Muttergesellschaft in Wolfsburg.  Sollte in den nächsten Jahren die Wende nicht gelingen, droht sogar die Einstellung der Marke Seat.

Bis 2013 soll James Muir, Vorstandschef bei Seat, gelingen, woran in der Vergangenheit schon einige aus der VW-Führung ge-scheitert sind: Seat zu einer dauerhaft erfolgreichen Marke machen. Die Ziele von Muir, in der Vergangenheit Europachef von Mazda, sind ehrgeizig: Verdoppelung der Produktionszahlen und neue Fertigungsorte außerhalb Europas. Seat soll Weltmarke werden.

Die derzeitige Realität sieht anders aus. In Deutschland liegt der Marktanteil bei bescheidenen 1,8 Prozent. In den letzten beiden Jahren ist ein operativer Verlust von jeweils 300 Millionen Euro angefallen. Das Seat-Werk in Martorell bei Barcelona mit einer Jahreskapazität von 500000 Fahrzeugen ist nur zu 74 Prozent ausgelastet. Bis Seat wieder mit eigener Produktion die Anlagen auslasten kann, soll zunächst die weniger lukrative Fertigung von Fremdmodellen wie des Audi Q3 Abhilfe schaffen. Den Umschwung bei Seat sollen neue Modelle bringen, die ab Ende des Jahres auf den Markt kommen sollen – den Anfang macht die dritte Generation des „Leon“. Folgen werden 2012 die neue Version des „Ibiza“ und ein neuer „Toledo“. Die Konzernmutter VW will nochmals eine Milliarden Euro bereitstellen, um Seat auf die Beine zu helfen.

Dass die Spanier in den 25 Jahren seit der Übernahme durch VW 1986 keine Erfolgsgeschichte wie die Konzerntochter Skoda geworden ist, hat zahlreiche Gründe. Neben der Modellpolitik spielt auch die Fixierung auf den europäischen Standort eine Rolle. Skoda produziert schon seit mehreren Jahren vor Ort für den chinesischen Markt – bei Seat sind dagegen eigene Montagewerke außerhalb Spaniens wie in China oder Mexiko erst Zukunftsvisionen.

Einen gehörigen Anteil am Problemfall Seat hat aber auch die Lohnentwicklung in Spanien. Als VW 1986 bei Seat eingestiegen ist, war Spanien noch ein Billiglohnland. Die Peseta als eigene Währung gestattete im Notfall eine flexible Anpassung der Wechselkurse. Das „Zwangskorsett“ Euro hat diese Möglichkeit genommen.

Inzwischen ist Seat bei Marktanteilen im unteren einstelligen Bereich angelangt. Trotz der Bereitstellung neuer Mittel durch VW scheint die Geduld in Wolfsburg allerdings am Ende zu sein. Bis spätestens 2013 erwartet VW bei der spanischen Tochtergesellschaft eine Wende zum Besseren, ansonsten könnte das Werk bei Barcelona zu einem reinen Produktionsstandort für VW und Audi-Modelle werden und die Marke Seat endgültig vom Markt verschwinden. Dem VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech wird ein großes Interesse nachgesagt, dem VW-Portfolio die Sportwagenmarke Alfa Romeo als Ersatz für Seat hinzuzufügen.          N. Hanert


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