30.07.2021

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30.04.11 / Sofortprogramm für Schlösser und Gärten / Die Bundesländer Berlin und Brandenburg investieren verstärkt in die Sanierung von Architektur und Parks

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 17-11 vom 30. April 2011

Sofortprogramm für Schlösser und Gärten
Die Bundesländer Berlin und Brandenburg investieren verstärkt in die Sanierung von Architektur und Parks

Die Kulturlandschaft der preußischen Schlösser und Parkanlagen in Berlin und Potsdam gilt als einzigartig und als Teil des Weltkulturerbes. Der Sanierungsbedarf an den Anlagen ist allerdings hoch.  Um den Wettlauf gegen die Zeit nicht zu verlieren und die Kulturdenkmäler zu retten, haben der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg ein Sonderprogramm aufgelegt.

Unter den zahlreichen Besuchern des Parks von Sanssouci befand sich unlängst ein besonders wichtiger Gast – Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU). Anlass seines Besuches war der Abschluss der Restaurierungsarbeiten an der Fassade der Pflanzenhallen der Neuen Orangerie in Potsdam. Damit ist ein wichtiges Etappenziel bei der Sanierung des historischen Gebäudes erreicht. Die Arbeiten am Dach und den Fassaden hatten drei Jahre gedauert. Erhalten hat das Gebäude wieder seine gusseisernen Fensterrahmen. Bisher wurden schon zwei Millionen Euro in die Sanierung der beiden tropischen Pflanzenhallen investiert, für die Erneuerung der mehr als 300 Meter langen Fassade sind sieben Millionen Euro vorgesehen. Inzwischen ist die westliche Pflanzenhalle komplett und die östliche Pflanzenhalle teilweise saniert. Als nächsten Schritt kündigte der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Hartmut Dorgerloh, die Sanierung des Mittelbaus der Orangerie an. Seit Jahrzehnten wird dort, mithilfe einer Notkonstruktion, der Einsturz verhindert.    In welchem Zustand der zwischen 1851 und 1864 von Ludwig Persius und Friedrich August Stüler errichtete Bau sich derzeit befindet, lässt sich an den geschätzten Gesamtkosten der Sanierung ablesen, insgesamt 25 Millionen Euro. Dabei sind die Kosten für die gewaltige Terrassenanlage vor dem Haus noch nicht einmal enthalten.

Bis zum Jahr 2017 werden die Mittel für Sanierungsmaßnahmen durch ein Sonderprogramm vom Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg aufgebracht.  Das Abkommen, das die drei Stiftungsgeber schon im Jahr 2009 abgeschlossen haben, sieht vor, dass die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten bis zum Jahr 2017 zirka 155 Millionen Euro zusätzlich zur Rettung von Kulturgütern aufwenden kann. Vom Bund werden 77,5 Millionen Euro getragen, für die restlichen Kosten kommen das Land Brandenburg mit 53 Millionen Euro und das Land Berlin mit 24,5 Millionen Euro auf. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten ist für fast 150 historische Gebäude und etwa 750 Hektar Garten- und Parkanlagen zuständig. Auch nach dem Ablauf des laufenden Sonderprogramms wird noch ein hoher Investitionsbedarf bleiben. Ein Teil der Bausubstanz ist seit Jahrzehnten vernachlässigt worden. Einige Gebäude wurden über lange Zeit zweckentfremdet genutzt, wie zum Beispiel das Marmorpalais im Neuen Garten. Der von Friedrich Wilhelm II. in Auftrag gegebene frühklassizistische Bau wurde in der Nachkriegszeit zunächst von der Roten Armee als Offizierskasino genutzt und diente anschließend, bis zur Wende in Mitteldeutschland, als Militärmuseum. Inzwischen ist die Restaurierung des von den Architekten Contard und Langhans geschaffenen Meisterwerks abgeschlossen. Gleiches gilt für das Stibadium in Sanssouci und den Vorplatz des Schlosses Rheinsberg, die wieder in neuem Glanz erstrahlen. Noch für das Jahr 2011 sind Restaurierungsarbeiten am Berliner Schloss Grunewald und am Neuen Pavillon in Charlottenburg vorgesehen.

Zu den „Dauerbaustellen“ der Stiftung gehört das Neue Palais Friedrich des Großen. Mittlerweile restauriert ist das „Untere Fürstenquartier“. Der Grotten- und der Marmorsaal konnten zunächst nur provisorisch gesichert werden. Erst nach dem Jahr 2012 wird hier die Sanierung fortgesetzt. Im kommenden Jahr werden die Räume des Neuen Palais – restauriert oder unrestauriert – zunächst der zentrale Ausstellungsort im „Friedrich-300-Jahr“ sein.

Am 24. Januar 2012 jährt sich der Geburtstag Friedrich des Großen zum 300. Mal. Das nach dem Siebenjährigen Krieg errichtete Neue Palais soll im Jubiläumsjahr das Politik- und Kulturverständnis des gereiften Königs widerspiegeln. Ein neuer Besucherrekord ist wahrscheinlich. Schon 2010, als sich das Todesjahr von Königin Luise (1776–1810) zum 200. Mal jährte, kamen etwa 2,1 Millionen Besucher aus aller Welt in die Schlösser und Parkanlagen – so viele wie nie zuvor.

Trotz stetig steigender Besucherzahlen wird die Stiftung angesichts des hohen Sanierungsbedarfs weiterhin auf Hilfen des Bundes und der Länder Berlin und Brandenburg angewiesen sein. Die Hoffnung, dass es nach dem Auslaufen des derzeitigen Sonderprogramms im Jahr 2017 eine Neuauflage und eine Fortsetzung geben wird, ist glücklicherweise nicht unberechtigt. Kulturstaatsminister Bernd Neumann bekannte sich bei seinem Besuch im Park von Sanssouci zu dem Ziel, „das preußische Erbe zu erhalten und im vorzeigbaren Zustand zu präsentieren“. Norman Hanert


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