30.07.2021

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30.04.11 / Lange Kerls leben / Verein bewahrt friederizianisches Erbe

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 17-11 vom 30. April 2011

Lange Kerls leben
Verein bewahrt friederizianisches Erbe

Ganz nahe am Park von Schloss Sanssouci liegt das Krongut Bornstedt, ein einzigartiger Veranstaltungsort und eines der beliebtesten Ausflugsziele der Region Berlin-Brandenburg. Das denkmalgeschützte Areal ist Teil der UNESCO-Weltkulturerbestätten und fügt sich in das Ensemble der berühmten Potsdamer Schlösser und Gärten ein.

Wenn man an einem ersten Sonnabend im Monat nach Bornstedt kommt, erlebt man eine Überraschung. Wie in längst vergangenen Zeiten marschiert da plötzlich eine Truppe langer Kerls auf. Man hört einen Vorgesetzten Befehle rufen und lauscht den Trommeln des Regimentes. Hier sind sie wieder, die Soldaten des „Soldatenkönigs“, der nicht genug bekommen konnte von seinen langen Kerlen. Er rekrutierte sie sogar im Ausland, ließ sich „seine Grenadiers“ viel kosten. Der ansonsten eher sparsame Herrscher machte die 1713 aufgestellten „Rothen Grenadiere“ zu seinem Leib-Bataillon und vergrößerte sie um fünf Kompanien. Nur wer eine Mindestgröße von sechs Fuß vorweisen konnte, was stattlichen 1,88 Metern entspricht, durfte sich den begehrten bunten Garderock anziehen. Mancher bekam sogar ein speziell für ihn gebautes Haus von seinem König geschenkt.

Die „Soldaten“, die man heute in Potsdam exerzieren sieht, tun dies nach dem Original-Exerzierreglement von 1726. Seit der Gründung der „Vereinigung zur Pflege und Förderung der Tradition der Potsdamer Riesengarde Lange Kerls e.V.“ im Jahre 1990 begeistern die ehrenamtlichen Mitglieder in ihren nach den historischen Vorbildern gefertigten Uniformen das Publikum. Wenn in scharfem Befehlston die 62 Kommandos für die Handgriffe an der Waffe über den Bornstedter Gutshof schallen, fühlt man sich zurückversetzt ins alte Preußen. Den Höhepunkt des Tages bildet der Böllerschuss um 15 Uhr. Lebendiges Schauspiel aus der Vergangenheit. Es lohnt sich, an einem ersten Sonnabend im Monat den ehemaligen Stolz Preußens zu besuchen.

Wurden die „Langen Kerls“ der Neuzeit anfänglich noch häufig belächelt, spielen sie heute in ihren farbenfrohen Uniformen als Sympathie- und Werbeträger für die Stadt Potsdam und das Land Brandenburg eine wichtige Rolle. Ihre Auftritte führten sie nicht nur in alle Regionen Deutschlands, sondern auch in viele europäische Länder, in die USA sowie nach Brasilien und Japan.  J.H. 


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