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14.05.11 / Das Buch des Jahres

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 19-11 vom 14. Mai 2011

Das Buch des Jahres
von Vera Lengsfeld

Es geschieht nicht alle Tage, dass bei einer Lesung neben den Autorinnen auch der Lektor und der Leiter des Verlages sitzen. Aber das Buch „Patentöchter“, das am Montag im Berliner Ensemble (BE) von den Autorinnen Julia Albrecht und Corinna Ponto vorgestellt wurde, ist kein gewöhnliches Buch. Es ist das brisanteste politische Buch dieses Jahres.

Der Verlagsleiter Helge Malchow ist sogar überzeugt, dass dieses Buch Geschichte schreiben wird. Er dürfte Recht haben. Was die Schwester der Terroristin Susanne Albrecht und die Tochter des ermordeten Vorstandssprechers der Dresdener Bank,   Jürgen Ponto, vorgelegt haben ist weit mehr als die Aufarbeitung der familiären Tragödie einer Täter- und einer Opferfamilie. Es ist eine neue, für viele überraschende Sicht auf den nationalen Terror der RAF in den 70er Jahren.

BE-Intendant Claus Peymann, der die  Autorinnen in sein Haus eingeladen hatte, fehlte bei der Diskussion. Schade, er hätte viel beitragen können. Peymanns Verbindungen zur RAF waren so eng, dass er nicht nur die Sanierung des Gebisses der Terroristin Gudrun Ensslin bezahlt, sondern dem Terroristen Christian Klar nach dessen Haft­entlassung ein Praktikum in seinem Haus  angeboten hat. Leute wie Peymann haben  dafür gesorgt, dass sich jede Menge Mythen und Legenden um den nationalen Terrorismus ranken, die den Blick auf seine Verbrechen mildern.

Albrecht und Ponto sind dabei, diese Mythen zu enttarnen und die Sicht auf die Geschehnisse frei zu legen. Die RAF war keineswegs eine kleine Gruppe idealistischer junger Leute, die im edlen Kampf gegen das „Schweinesystem“, wie sie die beste Demokratie, die Deutschland je hatte, nannten, zu weit gegangen waren. Die Terroristen waren die Marionetten von Machern, deren Namen nach 30 Jahren immer noch unbekannt sind. In den wenigen überlebenden Akten der Staatsicherheit der DDR finden sich Aufsehen erregende Spuren. Alle RAF-Terroristen waren bei der Stasi registriert. Die Tat von Susanne Albrecht wird in einer Stasiakte als „Einsatz“ bezeichnet.

Die Opfer der RAF-Anschläge, die, mit  Ausnahme des Mordes an Ponto, alle nicht aufgeklärt sind, waren herausragende Vertreter der Bundesrepublik, Männer, die in Politik, Wirtschaft und Justiz einen großen  Beitrag zur Festigung von sozialer Marktwirtschaft, Rechtsstaat und Demokratie geleistet haben. Die Botschaft des Buches, dass es sich beim RAF-Terror um eine von Geheim­diensten gesteuerte Aktion gehandelt hat, ist nun in der Welt. Es wird Zeit, dass unsere Medien sie aufgreifen.


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