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14.05.11 / »Ärzte-Navi« startet positiv / Von Medizinern befürchtete Schmähung im Internet blieb aus

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 19-11 vom 14. Mai 2011

»Ärzte-Navi« startet positiv
Von Medizinern befürchtete Schmähung im Internet blieb aus

Jahrelang hatten sich Deutschlands Ärzte gegen ein Bewertungsportal im Internet, das die AOK schon 2009 angekündigt hatte, vehement gewehrt. Sie befürchteten, dass sie Beschimpfungen und Schmähungen ausgesetzt sein könnten, ähnlich wie es schon bei Online-Bewertungen für Lehrer vorgekommen ist. Ihr Image als „Halbgötter in Weiß“ möchten die Mediziner bewahrt wissen.

Nun ist der „Ärztenavigator“, ein Gemeinschaftsprojekt von AOK, der Barmer Ersatzkasse, den Dachverbänden der Patienten- und Verbraucherorganisationen sowie dem Betreiber Bertelsmann Stiftung im Netz abrufbar. Hier haben Patienten die Möglichkeit, sich einen Arzt in ihrer Nähe zu suchen, zum Beispiel nach einem Umzug in eine andere Stadt, oder sich die Bewertung ihres Arztes durch andere Patienten anzusehen. Der Vorteil des Arzt-Navigators gegenüber anderen Bewertungsportalen, die es auch bisher schon im Internet gab, ist, dass er keine freien Formulierungen zulässt. Die Beurteiler müssen einen 33-Fragen-Katalog durch Ankreuzen beantworten. Zur Bewertung zugelassen sind bislang nur die Versicherten von AOK und Barmer EK, die sich mit ihrer Versichertennummer anmelden müssen. Mehrfachbewertungen sind ausgeschlossen und auch ein Missbrauch ist durch die Identifizierung unterbunden. Befragt werden die Patienten nach Kriterien wie „Praxis und Personal“, „Arztkommunikation“ und „Behandlung“. Patienten können angeben, ob sie lange warten mussten, ob Privatpatienten bevorzugt wurden und ob sie sich gut beraten fühlten. Laut AOK sind die Fragen positiv formuliert und verleiten Patienten nicht dazu, ihren Frust abzuladen.

Dennoch fürchten Ärzte, dass sie unfair bewertet werden könnten, denn „wer schlechte Erfahrungen gemacht hat, meldet sich. Wer zufrieden ist, kümmert sich nicht weiter“, äußert Dr. Hans Irmer aus Ahrensburg, Sprecher der Stormarner Ärzte. Zudem sei es in der Regel einem Patienten nicht möglich, die fachliche Kompetenz eines Arztes, wie es mit der Hygiene in der Praxis aussieht und ob die Geräte auf dem neuesten Stand sind, zu beurteilen. Dies könnten nur die ärztlichen Körperschaften und die zuständigen Stellen gewährleisten. Über gute Mediziner könne man nicht abstimmen wie bei „Deutschland sucht den Superstar“ lautet die Kritik. Die Bundesärztekammer kündigte eine genaue Überprüfung des Ärztenavigators an.

Die Sorge der Ärzte scheint indessen unbegründet zu sein, denn der Ärzte-Navi wurde bei 45000 Versicherten in Thüringen, Hamburg und Berlin getestet. Mit sehr positiven Ergebnissen: 91 Prozent der Patienten würden ihren Hausarzt weiterempfehlen, bei den Fachärzten waren es 82 Prozent.

Dass das Bewertungsportal für niedergelassene Ärzte und Patienten hilfreich sein kann, sieht auch Bundesärztekammer-Vizepräsident Frank Montgomery. Die Einschätzungen könnten zu mehr Patientenorentierung und -zufriedenheit beitragen, wenn die Bewertungen fair erfolgten.

Es wird wohl noch einige Zeit brauche, bis eine deutschlandweite Arztsuche übers Internet möglich ist, denn der Ärzte-Navi zeigt erst dann eine Bewertung an, wenn mindestens zehn Patienten eine abgegeben haben. Zur Zeit haben zumindest auf dem AOK-Portal nur wenige Ärzte genügend Einträge.          M. Rosenthal-Kappi


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