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14.05.11 / VW-Geld für Forschung / Vor 50 Jahren wurde die Volkswagen-Stiftung gegründet

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 19-11 vom 14. Mai 2011

VW-Geld für Forschung
Vor 50 Jahren wurde die Volkswagen-Stiftung gegründet

Vor knapp 40 Jahren erregte die Studie „Die Grenzen des Wachstums“ weltweites Aufsehen. Der Titel des umfangreichen Forschungsprojekts wurde zum Schlagwort für die damals beginnende Diskussion, wie lange die Welt sich ein ständiges Wachstum bei rigoroser Ausnutzung ihrer natürlichen Ressourcen leisten könne.

Die Finanzierung des aus heutiger Sicht vergleichsweise „billigen“ Projekts, knapp eine Million Mark, hatte seinerzeit der berühmte Club of Rome bei der Stiftung Volkswagenwerk in Hannover beantragt. Es war eine der ers­ten bedeutenden Taten der damals noch jungen Stiftung, die 1989, dem Sprachgebrauch folgend, in Volkswagen-Stiftung umbenannt wurde. In diesen Tagen jährt sich ihre Gründung zum 50. Mal.

Die Vorgeschichte der Stiftung spiegelt ein Stück Industriegeschichte der jungen Bundesrepublik wider. Nach 1945 war lange umstritten, wem das in der NS-Zeit gebaute VW-Werk gehöre. Bund und Land Niedersachsen stritten jahrelang, bis sich im Zuge der damals beliebten Privatisierung (dann auch bei den Staatskonzernen VIAG und VEBA) diese um 1960 in Wolfsburg durchsetzte. 60 Prozent der Aktien kamen als „Volksaktien“ an Millionen von Kleinaktionären, jeweils 20 Prozent behielten der Bund und Niedersachsen. Mit dem Erlös aus den veräußerten Aktien von rund einer Milliarde D-Mark und dem Anspruch auf den Gegenwert der jährlichen Gewinne aus den Bund und Land verbliebenen Aktien als Vermögensausstattung wurde am 19. Mai 1961 die Stiftung gegründet.

Heute beträgt das Stiftungskapital rund 2,4 Milliarden Euro. Es ist in Aktien, Immobilien und verzinslichen Wertpapieren angelegt. Die Gewinne daraus werden, wie bei Stiftungen üblich, einem bestimmten Zweck zugeführt, hier „der Förderung von Wissenschaft und Technik in Forschung und Lehre“.

Dafür stehen heute in Hannover pro Jahr etwa 100 Millionen Euro bereit. Damit ist die Stiftung die größte gemeinnützige Stiftung privaten Rechts in Deutschland, liegt allerdings weit unter der staatlich finanzierten Deutschen Forschungsgemeinschaft in Bonn, die jährlich rund 1,2 Milliarden Euro vergibt. Gleichwohl kann man auch mit 100 Millionen Euro unkonventionell und flexibel eine Menge tun. So hat die VW-Stiftung als erste die damals neue molekularbiologische Forschung (in Braunschweig) gefördert, schon in den 70er Jahren eine gegenwartsbezogene Orientforschung angeregt und in New York, Oxford und Tel Aviv große Zentren zu Deutschland- und Europastudien unterstützt. Ein von Bund und Niedersachsen beschicktes Kuratorium entscheidet über die rund 1000 Anträge pro Jahr, wobei Niedersachsen – zum Unmut anderer Länder – als Stammland des VW-Werks eine Vorzugsstellung hat. Vorsitzender ist derzeit der niedersächsische Wissenschaftsminister Lutz Stratmann, seine Vertreterin Bundesbildungsministerin Annette Schavan.

Da Forschung zumal in den Natur- und Technikwissenschaften immer teurer wird, hat man sich, um die Fördermittel möglichst effektiv einzusetzen, auf gewisse Schwerpunkte konzentriert, so unter anderem in der Regionenforschung auf das subsaharische Afrika sowie auf Mittelasien und den Kaukasus, auf Forschungen zum globalen Wandel, auf Simulationen komplexer Systeme und auf die Molekularbiologie. Daneben gibt es zahlreiche Stipendien sowohl für den wissenschaftlichen Nachwuchs als auch für Spitzenforscher.

Ein positiver Effekt der Stiftungsgründung war und ist, dass inzwischen zahlreiche andere Stiftungen (Bosch, Thyssen, Haniel, Siemens) gefolgt sind, manche mit wissenschaftlicher, andere mit sozialer oder karitativer Zielsetzung. Der unlängst gegründete Bundesverband deutscher Stiftungen trommelt unermüdlich für noch größeres Engagement. In der Tat steht Deutschland im Vergleich zu den USA mit ihren großen Stiftungen wie Rockefeller oder Ford noch immer ziemlich am Anfang.            Dirk Klose


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