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14.05.11 / Hoffnung auf alten Charme / Berlin widmet seinem Kurfürstendamm zum 125. Geburtstag ein buntes Veranstaltungsprogramm

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 19-11 vom 14. Mai 2011

Hoffnung auf alten Charme
Berlin widmet seinem Kurfürstendamm zum 125. Geburtstag ein buntes Veranstaltungsprogramm

Ich hab so Heimweh nach dem Kurfürstendamm, hab so Sehnsucht nach meinem Berlin! Alles was gut war, das kommt mal zurück, wenn darüber auch Zeit vergeht“, sang Hildegard Knef 1963. Als sie dieses Lied in die Mikrofone hauchte, war der alte Kurfürstendamm nur ein Abglanz seiner selbst. Das soll sich jetzt ändern.

Damals war die gute Adresse Ku’damm längst dahin, auch als teures Einkaufsparadies war er nicht mehr so gefragt wie vor dem Krieg. Die einst elegante Flaniermeile gab es nicht mehr, doch die Westberliner liebten ihren Ku’damm, schließlich gab es während der Teilung der Stadt nichts Vergleichbares. Nach dem Fall der Mauer zog es dazu die internationalen Besucher vermehrt in den langsam aufblühenden Ostteil der Stadt. Nikolai- und Scheunenviertel sind interessanter als die „alte Tante Ku’damm“. Die begann nun just ab 5. Mai ihren 125. Geburtstag zu feiern. Ein halbes Jahr lang soll es hoch hergehen am Ku’damm.

Eine kostenlose Open-Air-Ausstellung wird die Besucher über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Ku’damms informieren. Im Mittelpunkt des Interesses liegen dabei vor allem die großen Bauprojekte wie die Sanierung der Gedächt­nis­kirche, der Neubau des 32 Stock­werke hohen Wolkenkratzers „Zoofenster“, welcher das zukünftige Luxushotel „The Waldorf Astoria“ beherbergen wird, der spektakuläre Umbau des traditionsreichen Bikini-Hauses, die Renovierung des Zoo-Palastes und die Sanierung des Cumberland-Hauses. Geplant ist, den traditionsreichen Boulevard in eine moderne, zukunftsorientierte Flaniermeile mit ganz besonderem Flair zu verwandeln. Eine goldene Infotreppe lädt dazu ein, sich über die Veranstaltungen auf dem Ku’damm zu informieren oder Führungen zu buchen.

Eine besondere Attraktion wird die Freunde des Automobils am 28. und 29. Mai erwarten: ein exklusives Oldtimertreffen auf Deutschlands Prachtboulevard. Höhepunkt des Treffens ist die Präsentation des Originalpatentwagens von Mercedes aus dem Jahre 1886. Bis zu 1250 Oldtimer aus den 1930er bis 1970er Jahren können auf einer zwei Kilometer langen Ausstellungsfläche im Rahmen des Oldtimertreffens, beginnend am Breitscheidplatz bis zum Olivaer Platz, bestaunt werden. Neun automobilherstellende Nationen präsentieren landestypische Fahrzeuge, historische und aktuelle Mode und entsprechende kulinarische Köstlichkeiten.

Die wechselvolle Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Straße wird anhand kleiner Geschichten über Bewohner und Gebäude in Glasvitrinen zur Schau gestellt. So wird der Boulevard zum Freilichtmuseum. Mal umjubelt, mal geschmäht, hat der Kurfürstendamm wie keine andere Straße Deutschlands eine besondere Geschichte aufzuweisen – von einem Reitweg zum Prachtboulevard. Der Ursprung geht auf das 16. Jahrhundert zurück. Kurfürst Joachim II. (1505–1571) wollte per Pferd zu seinem Jagdschloss im Grunewald. Dazu musste der Weg geebnet werden. Lange Zeit blieb es bei einem Knüppeldamm zwischen Tiergarten und Grunewald, der lediglich mit Holzbohlen befestigt war. 1787 wurde erstmals der Name „Churfürsten Damm“ erwähnt. Seine jetzige Länge erhielt er durch die Erweiterung des Reitwegs bis zum Halensee. Reichskanzler Otto von Bismarck war es schließlich, der den Reitweg 1878 zum Boulevard ausbauen ließ – 3,5 Kilometer lang und 53 Meter breit.

Die Metropole Berlin war in diesen Jahren ein besonderer Anziehungspunkt. Mit der Bevölkerung wuchs auch der Verkehr. Gehwege säumten den „Hauptspazierweg“ für Wagen und Reiter. Als dann am 5. Mai 1886 die erste Dampfstraßenbahnlinie vom Zoologischen Garten bis Halensee ihren Betrieb aufnahm, war auch der Kurfürstendamm als städtischer Boulevard geboren. An seinen Rändern schossen Wohn- und Geschäftshäuser wie Pilze aus dem Boden. Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und ein Luna-Park bestimmten das Gesicht.

Künstler wie Emil Nolde und Otto Dix sowie Intellektuelle zog es an den Kurfürstendamm, Theater und Kinopaläste, Cafés und Cabarets sorgten für das gewisse Ambiente. Die damals sensationelle Leuchtreklame tauchte den Boulevard bei Nacht in ein schillerndes Licht. Nicht allen gefiel das, vor allem auch weil sich so mancherlei Gelichter am Ku’damm herumtrieb. 1930 schimpfte Gottfried Benn über „Kriminelle und Transvestiten, Psychoten und Bankrotteure, Barschleicher, Stummelraucher und frigide Sumpfpflanzen“. Die Nationalsozialisten machten diesem Treiben schnell ein Garaus. Der Kurfürstendamm versank im Dunkel; schließlich zerstörten die alliierten Luftangriffe auch noch einen großen Teil der Bebauung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bemühte man sich, mit Prachtbauten wie dem Hotel Kempinski oder dem Café Kranzler, dem Einkaufstempel KaDeWe oder der Schaubühne am Lehniner Platz alte Zeiten wieder aufleben zu lassen. So ganz gelungen schien es nicht, doch Hildchen Knef hat in ihrem Lied auf die Zeit gebaut. Und so bleibt zu hoffen, dass mit dem 125. Geburtstag der Ku’damm seinen alten Charme zurück erhält. Silke Osman


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