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14.05.11 / Frau ohne Gedächtnis / Spannung allein reicht nicht

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 19-11 vom 14. Mai 2011

Frau ohne Gedächtnis
Spannung allein reicht nicht

Von Anfang an nimmt der spannungsreiche Psychothriller „Die Fremde“ von Gabriela Gwisdek den Leser unwiderstehlich gefangen. Es ist der erste Kriminalroman aus der Feder der Drehbuchautorin und Ehefrau des Schauspielers Michael Gwisdek. Sie schildert darin das nicht neue Thema der seelischen Abgründe im Menschen und ein unheimliches Verwirrspiel, das sich infolgedessen ergibt. Gwisdek ist eine versierte Erzählerin. Daher rechnet man als Leser nicht damit, seine Zeit mit der Lektüre derart zu vergeuden.      

Der Schatten des Allzu-Unwahrscheinlichen bleibt selbst über dem zentralen Ereignis hängen. Nach einem arbeitsreichen Tag in Düsseldorf kommt es im  Leben des 35-jährigen Geschäftsmanns Markus Franke am Abend des 4. Juli 2009 zu einer tragischen Wende. Seine Frau ist verschwunden. Am nächsten Tag erfährt er, dass drei Menschen bei einem schweren Unfall auf der Bundesstraße in der Nähe seines Wohnorts bei Celle starben und eine Frau schwer verletzt wurde. Markus’ Ahnung, dass es sich um Katharina, seine Ehefrau, handeln könnte, bewahrheitet sich. Es stellt sich heraus, dass sich just zu dem Zeitpunkt des mysteriösen Unfalls ein Serientäter in der Nähe des Unglücksorts herumtrieb. Allem Anschein nach wollte er sich an Katharina für Kränkungen rächen, die immerhin schon 25 Jahre zurückliegen. Jedenfalls steht Katharinas Name auf einer Liste mit den Namen der Opfer, an denen der inzwischen festgenommene Mörder Rache üben wollte und die er bereits umgebracht hat.

Eigentlich sollte es dem Ermittler Leonard nicht schwer fallen, rasch die Hintergründe herauszufinden, doch er schafft es nicht. Erst gegen Schluss, nachdem die nach ihrem Unfall von Amnesie betroffene junge Frau nach Monaten wieder ihr Gedächtnis erlangt hat und die Ereignisse in Carson City/Nevada fortgesetzt werden, darf sich der aus Deutschland eingeflogene Kripo-Beamte auch einmal eines Erfolgserlebnisses erfreuen. Bis dahin reiht sich eine unglaubhafte Einzelheit an die nächste: Ein junger Ehemann, der es hingenommen hat, dass seine übrigens nicht besonders sympathische Frau ihm jahrelang fast alles über ihre Herkunft verschwieg. Die junge Frau ohne Gedächtnis, deren Mann nur zwei Merkmale einfallen, an denen er sie – vermeintlich – erkennt, der sie dann aber von ihrer plötzlich aufgetauchten Zwillingsschwester aus den USA nicht unterscheiden kann ... Es ist schon erstaunlich, was ein Krimiliebhaber alles schlucken soll. Dagmar Jestrzemski 

Gabriela Gwisdek: „Die Fremde“, Aufbau Verlag, Berlin 2010, broschiert, 259 Seiten, 9,95 Euro


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