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21.05.11 / Zeitbombe für den Westen / Die zwei Gesichter der Islamischen Republik Pakistan

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 20-11 vom 21. Mai 2011

Zeitbombe für den Westen
Die zwei Gesichter der Islamischen Republik Pakistan

Pakistan mit seiner mehrheitlich muslimischen Bevölkerung von 173 Millionen gebietet als bisher einziges islamisches Land über einsatzfähige Atombomben und Raketensysteme – eine ständige Bedrohung für den ebenfalls atomar gerüsteten Nachbarn Indien und die westliche Welt.

Das Militär des Landes ist zwiegespalten und beherbergt eine große Zahl fundamentalistischer Hardliner in seinen Reihen. Politik und Verwaltung sind von einer hohen Korruption gekennzeichnet. Blutige Attentate durch radikale Islamisten, jetzt als Rache für die Tötung bin Ladens durch die USA motiviert, erschüttern das Land. Trotz florierender Industrien ist das Pro-Kopf-Einkommen der Bevölkerung auf dem Niveau eines Entwicklungslandes. Gewaltige Überschwemmungen mit Überflutung von einem Fünftel des Landes sorgten 2010 für Milliardenschäden und 1700 Todesopfer. Der Westen und militante Islamisten wetteifern bei Hilfsmaßnahmen. Die Regierung ist den Folgen nicht gewachsen, das Land steht sozusagen auf der Kippe.

Von seiner Gründung an muss die politische Situation des Landes als instabil bezeichnet werden. Kurze demokratischer Phasen wurden immer wieder durch Militärputsche ausgehebelt. Im Westen herrschen patschunische Clanfürsten, die Grenzregion Waziristan zu Afghanistan wird stark von militanten Taliban-Verbänden kontrolliert.  Im Swat-Tal herrschen Extremisten. Der Einfluss der Regierung auf die Hochburgen des Islamismus im Westen ist marginal. Auch gelegentliche militärische Operationen ändern kaum etwas daran, dass sich in dieser Gebirgsgegend immer wieder Dschihadisten verstecken und ihre Operationen aus dem Schutz der sich mit ihnen solidarisierenden Dörfer planen. Zahlreiche Extremisten halten sich auch in den urbanen Zentren wie Islamabad, Karatschi, Banglore und Rawalpindi auf. So kam es zum Beispiel 2007 wegen der von radikalen Imamen geforderten totalen Einführung der Scharia in Islamabad zu blutigen Auseinandersetzungen um die Rote Moschee.

Trotz Verstößen gegen die Menschenrechte wie Folter, willkürliche Verhaftungen, Zwangsehen, manchmal Lynchjustiz, Ehrenmorde und eine hohe Kinderarbeit unterhalten die meisten Länder der Europäischen Union freundschaftliche Beziehungen zu Islamabad. Sie fürchten eine zunehmende islamische Radikalisierung, wachsenden Extremismus, geschürt durch blindwütige Imame, die immer wieder zum Dchihad gegen den Westen aufrufen. Für die Amerikaner gilt Pakistan als wichtiger Verbündeter im Kampf gegen den Terrorismus, was zu erheblichen finanziellen Transfer­leis­tungen Anlass gab. Allein 2009 wurden beim US-Kongress fast 500 Millionen US-Dollar Wirtschaftshilfe und weitere 400 Millionen Militärhilfe für die Regierung in Islamabad beantragt, zusätzlich 7,5 Milliarden Dollar in Raten über fünf Jahre hinweg.

Neuerdings treten wegen der US-Drohnenangriffe auf Taliban-Stützpunkte, die regelmäßig auch zivile Opfer fordern, Irritationen auf. Die Tötung bin Ladens wird als massiver Eingriff in die Souveränität des Landes gewertet. Erst kürzlich forderte die „Pakistan Muslim League-Nawaz“ die Regierung ostentativ auf, ihre Zusagen an die Amerikaner zu revidieren. Eine Machtergreifung durch die islamistischen Hardliner würde sich auch zu einer atomaren Bedrohung für die westliche Welt auswachsen. Großen Einfluss auf die Politik üben die Geheimdienste des Landes aus und es bleibt wohl ungeklärt, wie stark sie ihre schützende Hand über den Terrorpaten bin Laden gehalten haben. Joachim Feyerabend


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