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21.05.11 / Der Datenklau blüht / Millionenschäden durch Manupulationen in der virtuellen Welt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 20-11 vom 21. Mai 2011

Der Datenklau blüht
Millionenschäden durch Manupulationen in der virtuellen Welt

Kaum ein Kriminalitätszweig wächst so rasant wie der Datendiebstahl. Wo immer die Technik Schwächen aufweist, blüht ein Betrugsfeld. Jeder kann Opfer sein. Millionen Deutsche haben sich auf den Internetseiten von Firmen und bei sozialen Netzwerken angemeldet und Daten preisgegeben. Für verifizierte Informationen bieten Datenhändler den Dienstbetreibern über 100 Euro pro Nutzer. Und wo Geld mit Daten gemacht wird, ist der Missbrauch nicht fern. Oft ist nur der Name und das Geburtsdatum nötig, um eine fremde Identität auszunutzen, ein Geschäft abzuschließen und damit Warenkreditbetrug zu begehen. Zu den mehr oder weniger freiwillig von Verbrauchern geöffneten Einfallstoren für Missbrauch kommen unfreiwillig weitere hinzu. Selbst Fahrkartenautomaten der Bahn seien nicht mehr sicher, stellt das Bundeskriminalamt (BKA) fest. Betrüger räumen selbst Paketstationen der Post mit im Netz erschlichenen Angaben von Paketempfängern aus.

Betrug am Geldautomaten ist dagegen ein klassisches, wenn auch weiter wachsendes Problem. Vergangenes Jahr registrierten die Beamten 3183 Fälle von kriminellen Manipulationen. Im Jahr zuvor waren es 2058. Belief sich der Schaden durch Datenlecks an Geldautomaten 2009 auf 44 Millionen Euro, hat er 2010 die 60-Millionen-Euro-Marke erreicht. Jeder veränderte Automat gibt den Tätern rund 60 Konten preis. Aufgesetzte Tastaturattrappen, kleine Spähkameras, manipulierte Kartenschlitze oder gar Mini-Mikrophone schädigten so im Jahr 2010 rund 190000 deutsche Kartenkunden. Betrüger nutzen nachgemachte Karten, um meist aus dem Ausland Geld abzuheben. Sie operieren laut BKA in spezialisierten Kleingruppen, sind nur kurze Zeit vor Ort und bevorzugen Städte ab 100000 Einwohnern. Banken rüsten mit der Einführung der Chip-Technik nach. Immerhin zwingen sie so die Kartenbetrüger, ihre Taten zunehmend vom außereuropäischen Ausland aus zu verüben, denn dort nutzen Automaten nach wie vor den anfälligen Magnetstreifen. Dank des Chips ging so der Schaden in den ersten vier Monaten dieses Jahres um 40 Prozent zurück, sagt Hans-Werner Niklasch, Geschäftsführer der Euro-Kartensysteme. Die meist aus Osteuropa stammenden Täter finden indes neue Angriffsmöglichkeiten. An einer einzigen Tanksäule in Nord­rhein-Westfalen erbeuteten sie mittels Datenklau 600000 Euro. Die Trennlinie zwischen Internet-Datendiebstahl und Datenbetrug in der nicht virtuellen Welt verschwimmt; Grenzen stellen keine Hürden mehr dar.

Beim Identitätsdiesbstahl ist ein Einschreiten der Behörden schwer. Die Opfer haben faktisch die Kontrolle über ihren „guten Namen“ verloren. Sie erhalten Mahnungen für nicht bestellte Waren, stoßen auf falsche Schufa-Eintragungen und Forderungen von Inkasso-Firmen. Laut Umfrage des Branchenverbandes der Informationstechnologie Bitkom sind in Deutschland bereits 3,5 Millionen Menschen Opfer von Datendiebstahl geworden. Rund 2,5 Millionen haben dabei finanziellen Schaden erlitten. Auch für Unternehmen ist der Schaden beträchtlich. Jedes vierte Unternehmen in Deutschland war in den letzten drei Jahren (Stand 2010) Opfer von Computerkriminalität. Den größten Anteil mit 61 Prozent daran hatte der Diebstahl von Kunden- oder Arbeitnehmerdaten, so das Beratungsunternehmen KPMG.        SV


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